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       # taz.de -- Männertreff in Bremerhaven: Der Schuppen für Oldies
       
       > Ein Konzept aus Australien nun auch in Deutschland: In Männerschuppen
       > treffen sich Männer fortgeschrittenen Alters zum Werkeln, Reden und
       > Kaffeetrinken. Ein Besuch.
       
   IMG Bild: Gewerkelt wird im Männerschuppen viel und gerne. Hier entstehen etwa Futterhäuser für Vögel oder Tische aus alten Kabeltrommeln
       
       Auf der Terrasse des Altbürgerhauses haben sie sich bei schönstem
       Sonnenschein eingefunden. Es gibt Kaffee – heute kostenlos, weil die Presse
       dabei ist –, selbst gemachten Kuchen, Kekse und andere Süßigkeiten. Sie,
       das sind die Mitglieder des Männerschuppens Bremerhaven-Lehe. Einmal die
       Woche nutzen sie hier die Räumlichkeiten. Wenn sie nicht in der Sonne
       sitzen und schnacken, werkeln sie in ihrer selbst hergerichteten Werkstatt
       im Schuppen nebenan.
       
       Doch was ist überhaupt ein Männerschuppen? „Ein Puff!“, vermutet eine
       Freundin. So richtig bekannt ist das Konzept in Deutschland noch nicht. Ein
       anderer denkt erst an eine Krankheit. Kommt dann aber drauf: ein Treffpunkt
       für Männer.
       
       Männerschuppen sind offene Treffpunkte für Männer über 50. Sie bieten Raum
       für gemeinsame Aktivitäten und Austausch – gerade weil ältere Männer solche
       Angebote seltener nutzen und oft schwerer Anschluss finden.
       
       Das Konzept stammt ursprünglich aus Australien und hat sich von dort in
       viele englischsprachige Länder verbreitet. In Deutschland ist es noch
       vergleichsweise neu. Die meisten existierenden Männerschuppen in
       Deutschland gehen auf [1][ein Modellprojekt der Universität Bremen] zurück,
       in dessen Rahmen acht Schuppen gegründet worden sind. Gefördert wurde das
       Projekt vom Bundesministerium für Gesundheit.
       
       „Wir können sagen, dass ein großes Interesse da ist“, sagt Martin Gruber,
       der rund eineinhalb Jahre an dem Projekt mitgearbeitet hat. In Australien
       stehe stärker das gemeinsame Arbeiten im Vordergrund, um ins Gespräch zu
       kommen. In Deutschland habe sich gezeigt, dass die Männer auch ohne diesen
       Umweg gut ins Gespräch finden. Ziel des Projektes war es, etwas
       Langfristiges zu etablieren. Die Förderung für das Projekt lief im März
       2025 aus. „Von den acht Schuppen sind noch sieben am Laufen“, sagt Gruber.
       
       Die meisten der Männer in Bremerhaven sind deutlich älter als 50 Jahre. Der
       Senior der Gruppe ist der 83-jährige Gerhard Niebuhr. Der ehemalige
       Textilienhändler hat mit seinen drei Geschäften die Stadt noch mitgeprägt,
       als es in Bremerhaven etwas besser lief. 50 Geschäfte seien damals in einer
       Straße gewesen, jetzt seien es nur noch 2 oder 3.
       
       Worum es beim Männerschuppen geht? Jemanden zum Reden zu haben. „Es ist
       gut, wenn man mal rauskommt“, sagt Helmut Hormann. Der 71-Jährige hat
       früher im Hafen gearbeitet. In der Gruppe ist er jetzt für das Handwerk und
       die KI-Unterstützung zuständig. So hat er ein Bild der Gruppe im Stil von
       Ernie und Bert angefertigt, das jetzt in der Werkstatt hängt. Und er hat
       einen Song über die Freundschaft im Männerschuppen produziert.
       
       „Viele soziale Kontakte hatte ich eh nie, weil ich immer auswärts
       gearbeitet habe“, erzählt Odo Thom. Heute wohnt er nur zehn Minuten
       entfernt. Der Männerschuppen ist für ihn zu einem festen Anlaufpunkt
       geworden. Neben Gesprächen spielt praktische Hilfe eine wichtige Rolle.
       Werner Schneider hilft Gerhard Niebuhr mit seinen Computerproblemen, Helmut
       Hormann übernimmt auch mal kleinere Reparaturen. Gewerkelt wird allgemein
       viel und gerne. Sie bauen Futterhäuser für Vögel und Möbel, etwa einen
       Tisch aus einer alten Kabeltrommel.
       
       ## Der Grundgedanke: keine festen Anleitungen
       
       „Wir sind hier alle gleich“, sagt der andere Helmut, Helmut Wohlers. Der
       70-Jährige gilt als Organisator der Gruppe, er wolle sich aber nicht in den
       Vordergrund drängen, sagt er. Es gibt keinen festen Leiter.
       
       Das entspricht dem Grundgedanken der Männerschuppen: Sie werden von den
       Teilnehmern selbst gestaltet, ohne feste Verpflichtungen. „Die Männer
       wollen nicht als einsam, sozial isoliert oder als Problem gesehen werden“,
       sagt Gruber. Eine Anleitung von außen sei daher nicht Teil des Konzepts.
       
       Finanziell ist die Gruppe auf Spenden angewiesen. Die Räume können sie
       kostenlos nutzen, doch Material, Kaffee und Verpflegung kosten eben Geld.
       Über Kontakte, etwa zu einem Baumarkt, kommen immer wieder Sachspenden
       zusammen.
       
       Wie unterschiedlich die Lebenswege sind, die hier zusammenkommen, zeigt
       sich auch an einzelnen Biografien innerhalb der Gruppe. Werner Schneider,
       69 Jahre alt, ist vor zwei Jahren spontan in den Norden gezogen. „Ich hab
       hier Anschluss gefunden und Freundschaften geknüpft“, sagt er mit
       süddeutschem Akzent.
       
       In ihrer Zusammensetzung bleibt die Gruppe dennoch recht homogen. Männer
       mit Migrationshintergrund sind nicht dabei. „Das liegt an der
       Sprachbarriere“, sagt Rieke Kupfer. Sie ist Gesundheitsfachkraft im
       Quartier und bietet niedrig schwellige Aufklärung zu Gesundheitsthemen an.
       Bei den Treffen im Männerschuppen ist sie manchmal dabei. Kupfer betreut
       auch eine Gruppe von Männern mit Migrationshintergrund. Kontakt zwischen
       den Gruppen gibt es keinen.
       
       Offen gibt man sich hier im Männerschuppen aber schon. Diskussionen gibt es
       etwa darüber, wie inklusiv die Gruppe sein soll. Eine Debatte über queere
       Menschen im Schuppen habe durchaus unterschiedliche Reaktionen ausgelöst,
       berichtet Helmut Wohlers.
       
       Auch die Frage nach Frauen im Schuppen wird ambivalent gesehen. Wohlers
       selbst hätte nach eigener Aussage weniger ein Problem damit, wobei es schon
       die Gesprächsatmosphäre verändern könne. Andere werden konkreter:
       „Männergesundheit, Prostata und so“, sagt Gerhard Niebuhr, „würde ich nicht
       gerne mit einer Frau besprechen.“ Odo Thom und Werner Schneider vermuten
       ebenfalls, dass sich die Gesprächskultur verändern würde. „Ich finde es
       angenehm, mal unter sich zu sein“, sagt Werner Schneider.
       
       Rieke Kupfer bringt trotz der Bedenken einiger auch gesundheitliche Themen
       in den Schuppen. Sie spricht etwa mit den Männern über Vorsorgefragen.
       Derzeit planen sie einen Termin mit einem Notar, um über
       Patientenverfügungen zu sprechen. „Andere haben sich auch mit Ernährung
       beschäftigt oder einen Schwimmkurs gemacht“, sagt Martin Gruber.
       
       Solche Angebote sollen künftig noch stärker ausgebaut werden. An der
       Universität Bremen ist ein neues, vom Europäischen Sozialfonds gefördertes
       Projekt gestartet, das weitere Männerschuppen aufbauen und bestehende
       stärker in Bildungsangebote einbinden soll.
       
       13 May 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.uni-bremen.de/maennerschuppen
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Lukas Scharfenberger
       
       ## TAGS
       
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