# taz.de -- E-Autobesitzer verdienen beim Laden: Steckdose wird zur Geldzapfsäule
> Überall wird über Benzinpreise geklagt. Doch für Stromentnahmen aus dem
> Netz bekamen am Sonntag Haushalte sogar Geld, weil so viel Solarstrom
> vorhanden war.
IMG Bild: Da lacht die Sonne: Dank Solarüberschuss gab es in der Spitze um 14 Uhr gab es 48 Cent Bonus für jede abgenommene Kilowattstunde
Die Photovoltaik in Deutschland flutete am Sonntag die Stromnetze. Am
Mittag war so viel überschüssiger Strom vorhanden, dass [1][Haushaltskunden
mit dynamischen Tarifen] mit jeder verbrauchten Kilowattstunde Geld
verdienen konnten – was Besitzer von E-Autos umgehend in den sozialen
Medien feierten.
Am Vortag hatte der Spotmarkt der [2][Strombörse] die Entwicklung
angekündigt, dass am Sonntag zwischen 9.15 Uhr und 17.30 Uhr die
Großhandelspreise durchgehend negativ sein würden. In der Spitze um 14 Uhr
gab es sogar 48 Cent Bonus für jede abgenommene Kilowattstunde; das war der
tiefste Wert seit Juli 2023. Zu den Börsenpreisen kommen für Endkunden noch
Steuern, Umlagen und Netzentgelte hinzu; gleichwohl konnten auch Haushalte
am Sonntagmittag bis zu 40 Cent je verbrauchter Kilowattstunde kassieren.
Endverbraucher erhielten von den Anbietern dynamischer Stromtarife etwa
vier Stunden lang Geld, was vor allem für Nutzer von E-Fahrzeugen attraktiv
war. Wer in diesen vier Stunden an seiner Wallbox mit 11 Kilowatt lud,
konnte 44 Kilowattstunden aus dem Netz ziehen und bekam bei einem mittleren
Preis von minus 20 Cent je Kilowattstunde für seinen Tankvorgang fast neun
Euro Prämie.
Wer hingegen keine Wallbox zu Hause hat und auf öffentliche Ladesäulen
angewiesen ist, konnte kaum profitieren, denn [3][an den Ladestationen
gelten in der Regel noch immer Fixpreise]. Diese Preisstruktur ist
inzwischen ein großes Hemmnis bei der angestrebten Flexibilisierung des
Stromverbrauchs. Selbst der Hannoveraner Stromanbieter Enercity, der als
einer der Pioniere dynamische Ladetarife testet, verlangte am Sonntagmittag
noch immer 46 Cent. Das war zwar deutlich günstiger als die 75 Cent in den
frühen Abendstunden, aber trotzdem kein Preis, der den Notierungen im
Großhandel annähernd Rechnung trug.
## Steuerzahler kommen für negative Strompreise auf
Die negativen Preise für Endverbraucher haben auch eine Kehrseite: Dieses
Geld kommt über die EEG-Umlage aus dem Bundeshaushalt. Denn unabhängig von
den Börsenpreisen bekommen viele Erzeuger von Strom aus erneuerbaren
Energien noch eine Fixvergütung, für die der Steuerzahler geradesteht. Nur
wegen dieser Garantiezahlungen können überhaupt die extremen negativen
Strompreise entstehen, die einen nicht mehr sinnvoll nutzbaren Überschuss
dokumentieren. Seit Jahresbeginn gab es in Deutschland bereits 135 Stunden
mit negativen Preisen – und der Sommer kommt erst noch, in dem negative
Preise am Mittag zunehmend Standard werden.
Den Überschuss dokumentiert auch der Sonntag: Die Stromerzeugung aus
Photovoltaik in Deutschland lag laut den ersten Zahlen der Energy-Charts
des Fraunhofer ISE am Mittag bei bis zu 53 Gigawatt, während der
Stromverbrauch zur selben Zeit gerade 50 Gigawatt erreichte.
Ein interessantes Phänomen zeigten die vergangenen Tage zudem: Die
Photovoltaikanlagen, die oft noch Fixvergütungen unabhängig von den
Börsenpreisen erhalten, zwangen in den Mittagsstunden viele
Windkraftanlagen zum Abschalten. Denn Windkraftanlagen bekommen seit dem
Inbetriebnahmejahr 2016 keine Vergütung mehr, wenn der Strompreis an der
Börse sechs Stunden lang negativ ist – was im Sommer immer häufiger
vorkommt.
26 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] /Ikea-macht-Stromanbietern-Konkurrenz/!6148454
DIR [2] https://www.netztransparenz.de/de-de/Erneuerbare-Energien-und-Umlagen/EEG/Transparenzanforderungen/Marktpr%C3%A4mie/Spotmarktpreis-nach-3-Nr-42a-EEG
DIR [3] /Strom-fuer-E-Autos/!5857872
## AUTOREN
DIR Bernward Janzing
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