# taz.de -- Benefizkonzert abgesagt: Keine Bühne für Palästina
> Künstler:innen planen ein großes Benefizkonzert für Gaza in Köln,
> darunter Prominenz wie Peter Fox. Dann macht der Hallenbetreiber einen
> Rückzieher.
IMG Bild: Inspiration aus England: Together4Palestine-Konzert in der Londoner Wembley Arena im September 2025
Maidline Aurie sitzt in ihrer Wohnung und wirkt nachdenklich. Die Sängerin
und Songwriterin aus Rheinland-Pfalz schreibt ätherische Pop-Balladen mit
Titeln wie „Menschenmüde“ und „Wo ist die Liebe?“, veröffentlicht sie auf
Musikstreamingdiensten und finanziert sich über diverse Projekte. Sie ist
eine zierliche Person, und sie ist eine zähe Kämpferin. Mit einem kleinen
Team von Mitstreitern bündelte sie im vergangenen Jahr die gemeinsamen
Kräfte, um unter dem Motto „Together4Palestine Germany“ ein Benefizkonzert
auf die Beine zu stellen. Doch die Umsetzung erwies sich als schwerer als
gedacht.
Zwar schafften sie es, ein beachtliches Line-up zusammenzustellen, mit
Headlinern wie Peter Fox, Nico Santos, Mal Elévé und der Band Bonaparte
sowie Supportern wie Jan Delay, [1][Emilia Roig] und [2][Kübra Gümüsay].
Aber kurz vor dem geplanten Termin Ende März habe der Veranstaltungsort in
Köln seine Zusage überraschend zurückgezogen, sagt Maidline Aurie im
Zoom-Gespräch mit der taz – aufgrund von Sicherheitsbedenken. Jetzt suchen
die Künstlerinnen und Künstler eine neue Arena und gehen dafür an die
Öffentlichkeit. Auf Instagram haben sie kürzlich [3][einen entsprechenden
Post] und [4][ein Video] veröffentlicht.
Die Schwierigkeiten sind symptomatisch. Nach dem Angriff der Hamas auf
Israel am 7. Oktober 2023 zeigten sich viele Künstler solidarisch mit
Israel. Der Pianist Igor Levit brachte im November 2023 ein Galakonzert
„gegen Antisemitismus und Hass“ auf die Bühne des Berliner Ensembles, mit
Michel Friedman, Katharina Thalbach, den Toten Hosen und weiteren
Stargästen.
Im Dezember folgte eine Kundgebung unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“
am Brandenburger Tor: Herbert Grönemeyer, Roland Kaiser und Iris Berben
traten dort vor ein paar Tausend Menschen mit Israels Botschafter Ron
Prosor und Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner auf. Igor Levit
wiederholte seinen „Solidaritätsabend gegen Antisemitismus“ unter anderem
im November 2024 in der Hamburger Elbphilharmonie mit der Antilopen Gang,
Wolf Biermann, der Jazzsängerin Efrat Alony und vielen mehr. Es sei „ein
lauter Appell gegen das Wegsehen“ gewesen, befand der NDR. Die bis dahin
45.000 Opfer in Gaza kamen dort aber kaum zur Sprache.
## Israel-kritische Kulturszene in Großbritannien und USA
In den USA und Großbritannien positionierte sich die Kulturszene von Anfang
an deutlich kritischer gegenüber der israelischen Kriegsführung. Noch bevor
Ende Oktober 2023 die erste israelische Bodenoffensive begann, wandten sich
über 400 Schauspieler, Filmemacher und Musiker – darunter Cate Blanchett,
Billie Eilish, Jennifer Lopez und Drake – an den damaligen US-Präsidenten
Joe Biden mit der Bitte, mehr Druck auf Israel auszuüben.
Ihre Initiative nannte sich „Artists4Ceasefire“ und forderte eine sofortige
Waffenruhe, humanitäre Hilfe und die Freilassung aller Geiseln durch die
Hamas. Viele Unterstützer sollten die rote Anstecknadel mit dem Logo der
Artists4Ceasefire im Laufe der nächsten beiden Jahre etwa bei den
Oscar-Verleihungen tragen, um ihre Solidarität mit den vielen Opfern dieses
Krieges zu bekunden.
In Großbritannien schlossen sich Gleichgesinnte wie Annie Lennox, Paul
Weller, Massive Attack dieser Solidaritätserklärung an. In Deutschland tat
sich Maidline Aurie im November 2023 mit anderen zu Artists4Ceasefire
Germany zusammen und lancierte einen Appell an die Bundesregierung. „Wenn
ein Leben mehr als das andere zählt, dann haben wir die Menschlichkeit
verfehlt“, schrieb Aurie damals auf Instagram. Das Echo war verhalten, doch
bis Ende 2024 sammelte Artists4Ceasefire Germany immerhin rund 50.000 Euro
an Spenden ein.
Ein Mitstreiter der ersten Stunde ist Chima, Sänger und Musiker aus
Frankfurt am Main. Nach Anfängen als Rapper, unter anderem bei den Brothers
Keepers, sattelte der Sohn nigerianischer Einwanderer auf deutschsprachigen
Reggae, Soul und Pop um. Mit dem Song „Morgen“ und zwei Alben, „Stille“ und
„Von Steinen und Elefanten“, reüssiere er in den 2010er-Jahren in den
Charts. Der Musiker sitzt in seiner Küche in Frankfurt am Main, trägt eine
Schiebermütze auf dem Kopf; er hat noch Termine, sagt er in die Kamera
seines Laptops, und muss deshalb bald los.
„Viele Künstler in Deutschland halten sich bei dem Thema zurück, aus Angst
vor Antisemitismusvorwürfen“, sagt der 54-Jährige. „Man muss aber auch
sehen, dass viele Künstler ihre Karriere nach der Pandemie gerade erst
wieder in den Griff bekommen haben.“ Darum seien viele sehr zurückhaltend –
aus Furcht um ihren Ruf – und letztlich um ihre Existenzgrundlage.
Im Sommer begannen Maidline und Chima erste Pläne für ein großes
Solidaritätskonzert zu schmieden. Zuerst fragten sie einzelne Kolleginnen
und Kollegen an, dann starteten sie in den sozialen Medien einen Aufruf.
Zum Kernteam gehörten zu diesem Zeitpunkt die Indie-Künstlerin Mogli aus
Berlin und der Schauspieler Kai Schumann aus Köln. Auf ihr „Kick
off-Posting“ meldeten sich unter anderem die beiden Casting-Girlgroups
Monrose und die No Angels, die Musikerinnen CATT und Mine sowie der
Berliner Rapper Jalil.
## Niemand habe gesagt, er traue sich nicht
„Wir mussten den Termin allerdings zwei Mal verschieben, weil wir zunächst
nicht genug Headliner hatten, um eine große Arena auszuverkaufen“, sagt
Aurie. „Das finanzielle Risiko wäre sonst zu groß gewesen.“ Schließlich
wollte man Spenden sammeln, um Organisationen zu unterstützen, die Nothilfe
leisten. Aber viele Stars zierten sich. „Niemand hat offen gesagt: Ich
traue mich nicht oder ich unterstütze das nicht“, sagt Chima. „Es hieß nur
oft: Wir würden ja gerne, aber wir sind gerade auf Tour. Oder: Ich mache
gerade Pause. Oder Urlaub. Es gab jede Menge Begründungen dafür, warum man
gerade keine Zeit hat.“
Der Vorwurf, den der Rapper da implizit erhebt, dass viele Künstler sich
nicht trauen würden, offen zu sprechen und die Gründe der Absagen nur
vorgeschoben seien: Er lässt sich nur schwer überprüfen. Die taz hat
diverse Musiker angefragt, ob sie sich vorstellen könnten, bei so einem
Benefizkonzert mitzumachen, darunter Herbert Grönemeyer, die Toten Hosen,
Nina Hagen, Sebastian Krumbiegel von den Prinzen, die Antilopen Gang,
Tocotronic und die Sterne. Bis Redaktionsschluss hat keiner auf die Anfrage
geantwortet.
Im Frühjahr 2025 wollten auch zwei Solo-Cellisten der Deutschen Oper in
Berlin, Arthur Hornig und Arne-Christian Pelz ein Benefizkonzert für Kinder
in Gaza organisieren. Weil die Deutsche Oper das Konzert jedoch absagte und
sie dafür keinen anderen Raum bekamen, entschieden sie sich, mit ihren
Instrumenten auf die Straße zu gehen.
Im Mai 2025 veranstalteten etwa 100 Musiker verschiedener klassischer
Orchester auf dem Potsdamer Platz einen Flashmob: Über eine Stunde spielten
sie an dieser zentralen Straßenkreuzung der Stadt vor überraschten
Passanten, im September folgte ein zweites Straßenkonzert auf dem Berliner
Gendarmenmarkt. Auch Maidline Aurie, Chima und ihre Mitstreiter überlegten,
auf die Straße zu gehen, verwarfen diese Idee dann aber wieder.
„Wir suchen einen Raum oder eine Bühne, wo Menschen zusammenkommen und sich
austauschen können, wo sich die Energie verdichtet und konzentriert“, sagt
Chima. „Meine Hoffnung ist, dass da ein Austausch entsteht, der die
Gesellschaft befruchtet.“
## Spätsommer 2025: Die Lage in Gaza schockiert
Im Spätsommer 2025 spitzte sich die Lage im Gazastreifen weiter zu,
[5][weil Israel die Grenzen für Wasser, Medikamente und Nahrung über Monate
hinweg geschlossen hielt]. Das schockierte auch in Deutschland viele
Menschen. Im August 2025 forderten mehr als 360 Prominente, darunter die
Schauspielerin Christiane Paul, Jürgen Vogel und Daniel Brühl, der
Regisseur Fatih Akin sowie Musiker und Musikerinnen wie Joy Denalane und
Clueso, in einem offenen Brief einen Kurswechsel der deutschen Politik
gegenüber Israel.
Am 29. September 2025 fand an der Siegessäule in Berlin dann [6][die
Großkundgebung „All Eyes on Gaza“ statt], zu der die NGOs Amnesty und
medico international aufgerufen hatten. Die Linkspartei rief am selben Tag
zu einer Demo auf. So strömten an jenem Tag mehrere Zehntausend Menschen im
Demozug zum Großen Stern, wo am Abend die Rap-Acts K.I.Z, Pashanim und Ebow
auftraten.
„Die Rap-Bubble in Deutschland ist stark türkisch und arabisch geprägt“,
sagt Chima. „Da nutzt es im Zweifel eher deiner Credibility, wenn du dich
zu Gaza äußerst. Aber als Pop- oder Schlagersängerin gehst du ein großes
Risiko ein, es dir mit deinen Fans, deinem Label oder deinen
Geschäftspartnern zu verscherzen.“
Für ihr geplantes Benefizkonzert bemühten sich Maidline Aurie, Chima und
ihre Mitstreiter bewusst um ein sehr breites Spektrum an Künstlern und eine
große Bandbreite an Musikstilen. Auch der klassische Violinist Michael
Barenboim, der unter dem Motto „Make Freedom Ring“ selbst regelmäßig
kleinere Benefizkammerkonzerte organisiert, war mit von der Partie. „Mir
persönlich war es ein Anliegen, Leute aus vielen Genres einzubeziehen und
wir sind sehr froh darüber, dass uns das gelungen ist“, sagt Chima.
Zusätzliche Inspiration kam aus England. Keine zwei Wochen vor der
Großkundgebung in Berlin, am 17. September 2025, hatte Brian Eno in London
unter dem Motto [7][„Together4Palestine“ ein großes Benefizkonzert auf die
Bühne der Wembley Arena] gebracht, mit britischen Stars wie Damon Albarn,
James Blake, Bastille, mit palästinensischen Künstlerinnen und Künstlern
wie Saint Levant, Nai Barghouti und dem Oud-Spieler Adnan Joubran sowie
prominenten Gästen wie Hollywoodstar Richard Gere, der
UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese und dem
Holocaust-Überlebenden Stephen Kapos. [8][Das Spektakel wurde im Netz live
gestreamt] und weltweit von rund 200.000 Menschen verfolgt.
## Auch Peter Fox schloss sich dem Line-up an
„Wir hatten ja bereits unabhängig von dem, was es in Großbritannien gab,
die gleiche Idee“, betont Chima. „Aber als wir das gesehen haben, da haben
wir uns gesagt: Hey, da schließen wir uns an.“ So kam es zum Austausch mit
London und dem Titel „Together4Palestine Germany“. Der Aufruf zu einem
deutschen Pendant traf auf offene Ohren. „Im Oktober kam die Wende“, sagt
Maidline Aurie. Dann kamen auch Pierre Baigorry alias Peter Fox, die
Rapperin Nura und PA Sports aus Essen mit an Bord.
Er sei „kein Palästina-Aktivist, sondern ein politisch interessierter
Bürger, der von den Veranstaltern angesprochen wurde“, betont Peter Fox,
der mit Teilen seiner Band Seeed gerne bei dem geplanten Konzert
aufgetreten wäre. Aus seiner Motivation macht er keinen Hehl: „Seit das
Thema mitsamt den aufwühlenden Bildern aus dem Gazastreifen aus den Medien
verschwunden ist, hat sich die Situation der Menschen vor Ort ja nicht
wirklich verbessert“, sagt er. „Kinder können immer noch nicht zur Schule
gehen, eine funktionierende Infrastruktur gibt es in Gaza quasi nicht.“
Und, fügt er hinzu: „Inzwischen wird auch [9][im Westjordanland die
israelische Siedlungspolitik weiter aggressiv vorangetrieben], sodass schon
ziemlich offensichtlich ist, dass die Palästinenser durch Israel mit allen
Mitteln komplett verdrängt und vertrieben werden sollen.“
Im Februar 2026 war das Programm für Together4Palestine komplett, das
Plakat entworfen. Doch dann standen die Veranstalter plötzlich ohne
Veranstaltungsort da. Die Lanxess Arena machte fünf Wochen vor dem
geplanten Termin einen überraschenden Rückzieher und verwies auf
„Sicherheitsbedenken“, auch eine Ausweichlocation sagte ab.
## „Sehr erstaunt über die Absage“
Maidline Aurie, Chima und ihre Mitstreiter waren fassungslos. Man hatte das
Konzert zwei Mal verschoben, doch die Betreiber der Arena seien immer sehr
geduldig und freundlich gewesen. „Deshalb hat es uns sehr erstaunt, dass es
plötzlich diese Vorbehalte gab“, sagt Aurie. „Wir haben dann gefragt: Wie
können wir euch eure Sorgen, Bedenken nehmen?“ Selbst Amnesty
International, die Hilfsorganisation medico international und Peter Fox,
der schon mehrfach in der Arena auftrat, schalteten sich persönlich ein und
sprachen mit den Verantwortlichen. Doch es war nichts zu machen.
Die abrupte Kehrtwende kam kurz nach der Berlinale. Nachdem der
palästinensische Regisseur Abdallah Al-Khatib der deutschen Bundesregierung
bei der finalen Gala-Preisverleihung vorgeworfen hatte, ein „Partner des
Völkermords in Gaza“ zu sein, kam es zum Eklat. Eine [10][Abberufung der
Berlinale-Chefin Tricia Tuttle durch Kultusminister Wolfram Weimer] konnte
wohl nur in letzter Minute verhindert werden, weil sich fast 700
Filmschaffende mit einem offenen Brief hinter sie stellten.
War dieser Eklat für die Betreiber der Lanxess-Arena in Köln eine Warnung,
lieber vorsichtig zu sein? Das Event sei „zu keinem Zeitpunkt bestätigt“
gewesen, erklärt ein Pressesprecher der Lanxess-Arena auf Anfrage der taz,
deshalb sei es gar nicht abgesagt worden. Aus Nachrichten der
Hallenbetreiber an die Künstler, die der taz vorliegen, geht aber hervor,
dass ein mögliches Sicherheitsrisiko und Angst vor „begleitenden
Demonstrationen“ als Gründe angeführt wurden, warum das Konzert für den
eigentlich anvisierten 29. März abgesagt wurde.
Auf die Frage, ob es möglich wäre, das Konzert zu einem anderen Zeitpunkt
am gleichen Ort nachzuholen, geht das Unternehmen jedoch nicht ein. Man
„bitte um Verständnis, dass wir nicht mehr zu internen Booking-Anfragen
kommunizieren können“.
„Wir können nur darüber spekulieren, was die Gründe für die Absage sind und
ob da jemand interveniert hat“, sagt Maidline Aurie. Aber auch die Suche
nach einer Ersatzlocation für den Termin gestaltete sich schwer. „Selbst
die Orte, an die wir ausweichen wollten, haben dann plötzlich abgesagt.“
Chima sagt: „Wir wissen, dass dieses Line-up normalerweise reicht, um eine
große Halle oder Arena zu bekommen. Da würde normalerweise sofort jeder
sagen, das machen wir. Das ist die eine Wahrheit. Die andere Wahrheit ist:
Würde das Ding ‚Together for Ukraine‘ oder ‚Together for Sudan‘ heißen,
dann gäbe es wohl kein Problem“, glaubt er.
Maidline Aurie war Initiatorin des Solidaritätskonzerts „Sound of Peace“,
das knapp einen Monat nach dem russischen Generalangriff auf die Ukraine in
Berlin vor dem Brandenburger Tor stattfand. Rund 50 Musiker gaben sich im
März 2022 dort das Mikro in die Hand, darunter Mark Foster, Clueso,
Silbermond, Sarah Connor, Peter Maffay und Marius Müller-Westernhagen.
Zehntausende Menschen verfolgten das Event mit vor Ort, mehrere Millionen
im Fernsehen. Rund 12,5 Millionen Euro kamen so zusammen. „Von der Idee bis
zur Ausrichtung vergingen drei Wochen“, erinnert sich Maidline Aurie.
## Die Berlinale als Negativbeispiel
Bei der Berlinale habe man jedoch gesehen, was passiere, wenn man die
„falsche“ Fahne schwenke, sagt Chima. Das habe einen „Chillingeffekt“, eine
abschreckende Wirkung. „Ich finde es bemerkenswert, dass dieser
Chillingeffect von der deutschen Regierung befördert wird. Wir haben ja
erlebt, wie der Staat offen interveniert“, erinnert er an den Fall des
[11][Rappers Chefket, der im Oktober 2025 im Berliner Haus der Kulturen der
Welt (HKW) auftreten sollte.]
Das Konzert, das im Rahmen eines Festivals von Jan Böhmermann stattfinden
sollte, wurde abgesagt, nachdem sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer an
einem Palästina-Trikot gestört hatte, das Chefket in einem Video getragen
hatte. Böhmermann behauptete: Er selbst habe die Entscheidung getroffen,
weil er es nicht richtig fand, am Tag des Jahrestags des Hamas-Überfalls
die jüdische Perspektive nicht zu berücksichtigen. Warum ihm das nicht
früher einfiel, sagte er nicht. Nach Weimers Einlassung hatten aus
Solidarität mit Chefket andere Künstler ebenfalls abgesagt.
„Wir sind weiterhin fest entschlossen, dass diese Solidaritätsveranstaltung
stattfindet“, gibt sich Chima unverdrossen. Man habe die Fühler in andere
Städte ausgestreckt und die Hoffnung, einen anderen Veranstaltungsort zu
finden. „Wir haben jetzt schon acht Monate investiert, wir werden einfach
weitermachen. Das ist uns ein persönliches Anliegen.“
## Perspektiven von Israelis einschließen
Den Vorwurf der Einseitigkeit lässt Maidline Aurie nicht gelten: „Wir
stehen für universelle Menschenrechte und gegen jede Gewalt, insbesondere
gegen Zivilisten“, betont sie. Und man wolle bewusst die Perspektiven von
gleichgesinnten Israelis einschließen. „Wir wollen Maoz Inon, dessen Eltern
am 7. Oktober getötet wurden, dabei haben.“ Mit seinem palästinensischen
Freund Aziz Abu Sarah, dessen Bruder in einem israelischen Militärgefängnis
gefoltert wurde und anschließend an den Folgen starb, hat er gemeinsam ein
Buch geschrieben. Im Dezember 2024 hat Inon für sein Engagement den
Deutsch-Französischen Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit
bekommen.
Nur der Titel des Konzerts könnte sich noch ändern. „Wir haben im Team eine
tolle Künstlerin aus dem Libanon, deren Familie infolge der israelischen
Angriffe nun auf der Straße lebt“, sagt Maidline Aurie. [12][Die Situation
dort habe sich extrem verschärft] und brauche mehr Aufmerksamkeit. Gut
möglich, dass das Konzert am Ende deshalb „Together4Palestine & Lebanon“
heißen wird.
28 Apr 2026
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