# taz.de -- Kunst der Woche: Urlaub mit Partygirls
> Die St. Mattäus Stiftung zeigt Andrés Galeanos Himmelsstudien, MK Kaehne
> interessiert in der Gruppenausstellung von CRS.Art im Bikini am Zoo.
IMG Bild: Die hyperrealistische Plastik „Jeanne mit Gorilla“, aufgenommen im Atelier des Künstlers
Es geht um konzeptuelle, analytische Arbeiten, mal von mimetischer
Perfektion, mal von deutlichem DIY-Touch. Das kommt vom Material, mit dem
Andrés Galeano seine Collagen gestaltet: anonymen Urlaubsfotos, die er auf
Flohmärkten und alten Fotoalben findet. Warum Urlaubsfotos? Weil er dort
den Himmel findet, der nicht nur sein zentrales Motiv ist, sondern auch das
von Urlaubsfotos.
„Himmelsstudien“ heißt seine als Hommage an die Amateurfotografie
konzipierte Ausstellung. Trotzdem blitzt Urlaubsglück höchstens am Rand der
vielen Himmel auf, auf die er die Fotos reduziert und in Farbverläufen von
Azurblau und bis zum Rot des Sonnenuntergangs abstrahiert. In den
Farbstudien lässt sich das Wesentliche des modernen Urlaubs und wie der
Sehnsucht nach Transzendenz erkennen.
Galeano arbeitet mit den Formaten 9 x 13 cm und 10 x 15 cm, die er zwei
Serien zuordnet, „Circular Skies“ und „Vertical Skies“. Eine Ausnahme sind
zwölf, entlang ihres jeweiligen Regenbogens zu einem einzigen „Oval
Rainbow“ aneinandergereihte Fotos. Den Eindruck der Amateurfotografie
verstärkt auch der interessante Ausstellungsort, nämlich die Büroetage von
Bischof Christian Stäblein im Evangelischen Zentrum Berlin. Die
[1][Ausstellung ist ein Offspring des Kunstprogramms der Stiftung St.
Matthäus], das durch die Ausstellungen in der St. Matthäikirche hinter der
Neuen Nationalgalerie berühmt ist.
Kann man sich in das Bild einer Fußsohle verlieben, das eigentlich eine
Skulptur ist? Warum MK Kaehnes hyperrealistische Plastik, die von Ron
Mueckscher Präzision ist, ein Bild sein soll, ist eine schwierige Frage.
Aber klar ist, dass man unwillkürlich ein prachtvolles barockes Gemälde
sieht, das in detailverliebter Perfektion eine junge Frau mit Namen Jeanne
zeigt, die einen riesigen Stoffgorilla umarmt.
Vielleicht liegt es an dem Glassturz, der „Jeanne mit Gorilla“ (2026)
rahmt, am aufwendig gestalteten Sockel, an der Inszenierung als
Ausstellungsstück und damit am Konzept und der Frage nach dem Bild und
seiner Verräumlichung. Hinter „Jeanne mit Gorilla“ hängt bei CSR.Art im
Bikini in der Budapester Straße, MK Kaehnes Fotografie „Partygirls“ (2025):
Aufgebrezelt steht Jeanne mit Freundin in einer Tiefgarage vor einem teuren
Schlitten, mit Luftballons in der Hand.
Aber die Luftballons sind keine, sondern harte Abgüsse in Epoxidharz.
Eigentlich egal, denn sie sind nur fotografiert. Tatsächlich aber wichtig,
denn die Abstraktionsleistung liegt bei MK Kaehne nicht in der
Zweidimensionalität des Bildes, sondern in der dreidimensionalen
Installation. Wenn Kaehne seine Installation so lebensecht wie nur möglich
gestaltet und Luftballons durch ihre plastische Replik austauscht, dann um
uns in unseren Gewissheiten bezüglich der Kunst und unseren Sehgewohnheiten
des Alltags ins Stolpern zu bringen. Die Gruppenausstellung bei CSR. ART
heißt denn auch „Real?! Zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit.“
28 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] https://stiftung-stmatthaeus.de/ausstellungen/himmelsstudien/
## AUTOREN
DIR Brigitte Werneburg
## TAGS
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