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       # taz.de -- Kriegsdienstverweigerung: Keinen Bock auf Bundeswehr
       
       > Immer mehr Menschen verweigern den Kriegsdienst. Aber es gibt auch
       > Menschen, die ihre Verweigerung widerrufen und sich bei der Bundeswehr
       > bewerben.
       
   IMG Bild: Schüler und Schülerinnen protestieren gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht
       
       Zwischen Januar und März dieses Jahres sind 2.656 Anträge auf
       Kriegsdienstverweigerung beim zuständigen [1][Bundesamt für Familie und
       zivilgesellschaftliche Aufgaben (Bafza)] eingegangen. Das berichtet die
       [2][Neue Osnabrücker Zeitung]. Das Bundesamt hat der taz diese Zahl
       bestätigt.
       
       Nachdem 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, sanken die Zahlen der
       Verweigerungen zunächst drastisch, steigen seit 2022, vermutlich wegen
       Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, aber wieder stetig an. Im
       vergangenen Jahr zählte das Bafza knapp 3.900 Anträge. Mehr waren es seit
       2011 nie. Diese Marke dürfte in diesem Jahr überschritten werden.
       Hochgerechnet könnte es eine fünfstellige Zahl an
       Kriegsdienstverweigerungen geben. An die Werte der 1980er und 90er Jahre
       würde das allerdings nicht heranreichen. Damals gab es teilweise über
       150.000 Anträge jährlich.
       
       Dass die Zahlen nun wieder steigen, hängt auch mit dem neuen
       [3][Wehrdienstgesetz] zusammen, das seit Jahresanfang in Kraft ist. Alle
       jungen Männer ab dem Jahrgang 2008 müssen demnach einen Fragebogen der
       Bundeswehr beantworten. Ebenso ist eine verpflichtende Musterung
       vorgesehen. Weil dafür aber noch die Kapazitäten fehlen, sollen sie erst ab
       dem kommenden Jahr stattfinden.
       
       „Es bestätigt unsere Annahmen“, kommentierte ein Sprecher der Deutschen
       Friedensgesellschaft Vereinigte Kriegsdienstgegner:innen (DFG-VK) den
       aktuellen Anstieg der Verweigerungszahlen. Das Gesetz sei „schlecht
       gemacht“, und die Verweigerungen ein „klares Signal“. Die DFG-VK, die ihrem
       Namen getreu gegen das Wehrdienstgesetz ist, beobachte darüber hinaus ein
       steigendes Interesse an Beratung.
       
       ## Ausnahmeregelung
       
       Zuletzt wollten demnach viele Männer zwischen 17 und 45 Jahren wissen, ob
       sie ohne Genehmigung für längere Zeit ausreisen dürfen oder nicht. Eine
       entsprechende Passage des Wehrdienstgesetztes hatte Aufmerksamkeit erregt.
       Inzwischen hat das Verteidigungsministerium eine Ausnahmeregelung
       verankert, sodass Ausreisen ohne Genehmigung möglich sind.
       
       Den Kriegsdienst an der Waffe kann gemäß Grundgesetz Artikel 4, Absatz 3
       jeder verweigern, alters- und geschlechtsunabhängig. Im Spannungsfall
       könnte die Bundeswehr alle volljährigen Männer bis ins Alter von 60 Jahren
       einziehen, sofern sie nicht verweigert haben. So sind unter den
       Verweigerern nicht nur die gerade 18-Jährigen, sondern auch ältere Männer
       und Frauen. Wie genau sich die Zahlen verteilen, ist allerdings nicht
       bekannt.
       
       Besonders drängend ist das Thema Wehrdienst dennoch vor allem für junge
       Menschen, das zeigten mehrere Schulstreiks in den vergangenen Monaten,
       denen sich Zehntausende anschlossen. Für den 8. Mai ist der nächste Streik
       angekündigt. Die Organisatoren dieser Demonstrationen – die Medienberichten
       zufolge zur Jugendorganisation der Deutschen Kommunistischen Partei gehören
       – sehen in den steigenden Zahlen der Kriegsdienstverweigerungen den Beleg,
       „dass viele Jugendliche bei der Militarisierung nicht mitmachen wollen“,
       wie ein Sprecher mitteilte.
       
       Es gibt allerdings nicht nur Gegner des Wehrdienstes, auch das zeigen die
       aktuellen Zahlen des Bafza. Demnach haben im ersten Quartal 233 Menschen
       ihre Verweigerung widerrufen, 2025 waren es 781. Bei der Bundeswehr gingen
       in den ersten drei Monaten des Jahres derweil 20 Prozent mehr Bewerbungen
       ein als im Vorjahreszeitraum.
       
       Diese Zahlen dürften auch die Kriegsdienstgegner:innen mit Interesse
       verfolgen. Ob es zu einer Wehrpflicht kommen wird, hängt nämlich maßgeblich
       davon ab, ob sich genug Freiwillige melden. Das Verteidigungsministerium
       will eigenen Angaben zufolge bis „Mitte der 2030er-Jahre“ auf mindestens
       460.000 Soldat:innen inklusive Reserve kommen, notfalls mit einer
       Wehrpflicht.
       
       27 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.bafza.de/
   DIR [2] https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/bundeswehr-zahl-der-verweigerer-steigt-deutlich-50554252
   DIR [3] https://www.gesetze-im-internet.de/wehrpflg/BJNR006510956.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Adrian Breitling
       
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