URI: 
       # taz.de -- ARD-Umfrage zu Wohlstand: Verteilen statt kürzen
       
       > Laut einer Befragung hält eine große Mehrheit den Reichtum in Deutschland
       > für ungerecht verteilt. Auch eine Umverteilung wird parteiübergreifend
       > begrüßt.
       
   IMG Bild: Wird für die meisten nur ein Foto bleiben: eine Jacht von San Lorenzo bei der „Boot 2026“ in Düsseldorf, Kostenpunkt 9 Mio. Euro
       
       Egal mit welcher Partei im Bundestag sympathisiert wird: Die deutsche
       Bevölkerung hält den Wohlstand im Land für ungerecht verteilt. Das ergab
       eine am Montag veröffentlichte repräsentative [1][Befragung des
       Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD]. Die
       Ergebnisse wurden jeweils nach Parteipräferenz, Alter, Einkommen und
       Bundesländern ausgewertet. Die meisten der 2.000 Teilnehmer:innen waren
       sich einig: Rund 80 Prozent finden, wer in Deutschland viel oder wenig hat,
       ist unfair.
       
       Während der Abstand zwischen Armen und Reichen in Deutschland größer wird,
       diskutiert die schwarz-rote Bundesregierung über Kürzungen im Sozialstaat.
       Wenn es nach der Bevölkerung geht, ist laut der ARD-Befragung eigentlich
       Umverteilung von Wohlstand gefragt: Eine entsprechende Vermögenssteuer wird
       von zwei Dritteln befürwortet – unabhängig vom eigenen Einkommen und Alter.
       
       Selbst die CDU-Wählerschaft, deren Partei eine entsprechende Steuer bisher
       ablehnt, spricht sich mit 62 Prozent deutlich dafür aus. Auch Monica
       Wüllner, stellvertretende Bundesvorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels
       CDA, stimmt dem zu. Man dürfe bei Reformen nicht nur von Kürzungen
       sprechen. „Man muss sich auch anschauen, wie das bei höheren Vermögen
       aussieht“, sagt Wüllner der taz.
       
       So auch beim Thema Erbschaftsteuer. Mehr Abgaben auf hohes Erbe hält ein
       Großteil für sinnvoll. Allein bei AfD-Sympathisant:innen weicht die Meinung
       ab, knapp zwei Drittel halten eine höhere Erbschaftssteuer für eine
       schlechte Idee.
       
       ## CDU- und AfD-Wähler:innen wollen Leistungskürzungen
       
       Für Verena Bentele, Präsidentin beim Sozialverband VdK, ist klar: „Die
       Menschen erwarten einen starken Sozialstaat und eine gerechtere
       Finanzierung.“ Was die Regierung zurzeit mache, gehe klar an der
       Lebensrealität der Menschen vorbei. Bentele appelliert, die Sorgen der
       Menschen ernst zu nehmen. „Sie erwarten zu Recht, dass starke Schultern
       mehr tragen als schwache“, sagt Bentele.
       
       Kürzungen bei den Sozialversicherungssystemen lehnt die Mehrheit der
       Befragten hingegen ab. Anhänger:innen der Grünen, der Linken und der
       SPD sind dafür auch bereit, mehr zu bezahlen. Für die Alternative, nämlich
       Leistungskürzungen, stimmten Wähler:innen der Unionsparteien und der AfD
       ab.
       
       Auch Reformvorschläge wurden abgefragt: Eine eindeutige Mehrheit von 90
       Prozent unterstützt die Idee, dass auch Beamt:innen, Selbstständige und
       Politiker:inen in die gesetzliche Rente einzahlen sollten. Der Ansatz,
       die gesetzliche Rente auf ein Minimum zu reduzieren, so wie es vergangene
       Woche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angedeutet hatte, wird abgelehnt –
       auch von den eigenen Parteianhänger:innen. Falsch finden die meisten den
       ebenfalls in [2][CDU-Kreisen] beliebten Vorschlag, das Rentenalter zu
       erhöhen.
       
       ## Für wen gilt der Sozialstaat?
       
       Ein anderes Reformmodell, nämlich das Rentenalter an die Beitragsjahre zu
       koppeln, hält hingegen die Mehrheit der Befragten für eine gute Idee. Das
       dürfte Vizekanzler [3][Lars Klingbeil (SPD)] freuen, der eben das
       vorschlug: Wer später anfängt, muss auch länger arbeiten. Die jüngeren
       Befragten im Alter von 16 bis 29 stehen dem eher gemischt gegenüber, nur
       eine knappe Mehrheit ist dafür. Mit steigendem Alter wächst aber die
       Zustimmung für den Beitragsjahrevorschlag.
       
       Doch für wen soll der Sozialstaat gelten? Wer hat Anspruch? Ein Drittel ist
       der Meinung, dass Migrant:innen erst, wenn sie in Deutschland länger
       gearbeitet haben, einen Anspruch bekommen sollen. Die Details zeigen:
       Dieser Meinung sind vor allem AfD- (90 Prozent), CDU/CSU- (79 Prozent), und
       SPD-Anhänger:innen (63 Prozent). Monica Wüllner von der CDA hält das für
       fragwürdig: „Sozialleistungen sind der Minimalanspruch, der für alle hier
       lebenden gelten muss.“ Ob durch Sachleistungen oder Geld, darüber könne man
       reden.
       
       27 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/grafiken/ard-umfrage-deine-meinung-zaehlt-100.pdf
   DIR [2] /Rentenplaene-von-Katherina-Reiche/!6169755
   DIR [3] /Reformrede-des-SPD-Vorsitzenden/!6165700
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Clara Dünkler
       
       ## TAGS
       
   DIR Reichtum
   DIR Umverteilung
   DIR Vermögensteuer
   DIR Wohlstand
   DIR Social-Auswahl
   DIR Einkommensverteilung
   DIR Rente
   DIR talkshow
   DIR Sozialstaat
   DIR Erbe
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Regionaler Wohlfahrtsindex: Wie wohlhabend ist Berlin?
       
       Erstmals wurde der Regionale Wohlfahrtsindex (RWI) für das Land Berlin
       berechnet. Ungleichheiten bestehen vor allem beim Einkommen.
       
   DIR Höheres Rentenalter: Deutsche arbeiten schon heute länger und sterben früher
       
       Neue Daten: Im Vergleich mit Nachbarn leben die Deutschen nach
       Renteneintritt nicht mehr lange. Die Linke schlussfolgert: Bloß nicht noch
       mehr ackern.
       
   DIR Wohlstandsverteilung in Deutschland: Bis alles brennt
       
       81 Prozent finden die Wohlstandsverteilung ungerecht. Die Politik sollte
       froh sein, dass die Menschen politische Mittel fordern – und nicht einfach
       alles anzünden.
       
   DIR Aktuelle Stunde zu Sozialkürzungen: Alle gegen die CDU
       
       Es hagelt Kritik im Bundestag, nachdem ein Dokument mit Kürzungsvorschlägen
       etwa in der Jugendhilfe geleakt wurde. Laut SPD ein „Alleingang“ des
       Kanzleramts.
       
   DIR Gerechte Erbschaftssteuer: Fairness gibt es nicht
       
       Die einen erben, andere nicht. Das ist ungerecht und daran ist nur schwer
       etwas zu ändern. Aber wie wäre es, Erbschaften als Einkommen zu besteuern?