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       # taz.de -- Stromtrasse für Offshore-Windparks: Langeoog sorgt sich ums Trinkwasser
       
       > Unter Langeoog soll eine Offshore-Stromleitung verlegt werden.
       > Inselbewohner fürchten um ihre Trinkwasserversorgung. Auch Naturschützer
       > sind besorgt.
       
   IMG Bild: Soll von Stromleitungen unterquert werden: Insel Langeoog
       
       Der Plan, eine Stromtrasse unter der Nordseeinsel Langeoog
       hindurchzuführen, macht Umweltschützern und Inselbewohnern Sorgen. Die
       Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) warnt vor „erheblichen
       Risiken für Natur, Trinkwasserversorgung und Tourismus“. Die Gemeinde
       Langeoog befürchtet, dass das Trinkwasserreservoir unter der Insel
       gefährdet werden könnte. Bis Ende April sind die [1][Planunterlagen für das
       Projekt „Balwin5 Seeseite“ einzusehen].
       
       Bei dem Projekt geht es darum, den Strom mehrerer Windparks auf See an Land
       zu transportieren. Die Netzbetreiber Amprion und Tennet haben sich dafür
       einen Korridor ausgesucht der unter dem östlichen Teil der Insel Langeoog
       hindurchführt.
       
       Das Problem aus Sicht der Inselbewohner: Die Leitung soll im „gesteuerten
       Horizontalspülbohrverfahren“ dicht unter oder auch durch eine sogenannte
       Süßwasserlinse unter der Insel führen. Wegen des Reservoirs kann Langeoog
       bisher auf eine Trinkwasserleitung vom Festland verzichten.
       
       In einer solchen Linse sammelt sich das Regenwasser, das auf der Insel
       versickert. Sie ist umgeben von Salzwasser, das vom Meer her in den
       sandigen Boden dringt. Durch seine geringere Dichte schwimmt das Süßwasser
       auf dem Salzwasser.
       
       ## Gutachten bescheinigen Unbedenklichkeit
       
       Langeoog hat mehrere Süßwasserlinsen: Aus einer wird über mehrere Brunnen
       Trinkwasser gefördert, die im Osten wurden bisher nicht angezapft. „Aktuell
       spielen die östlichen Süßwasserlinsen für die Trinkwasserversorgung keine
       Rolle für die öffentliche Wasserversorgung“, teilt der
       Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband mit. Sie könnten jedoch als
       Alternative relevant werden, wenn sich die Rahmenbedingungen für die
       Wassergewinnung im Westen der Insel änderten.
       
       Der Wasserverband fordert deshalb ein Beweissicherungsprogramm: Die
       Stromnetzbetreiber sollen dokumentieren, ob und wie der Leitungsbau das
       Süßwasserreservoir beeinflusst.
       
       Amprion und [2][Tennet] haben Gutachter beauftragt, die im Voraus mögliche
       Effekte abschätzen sollten. Die Ingenieurgesellschaft Burmeier kam zu dem
       Schluss, bei der Tunnelbohrung unterhalb von Langeoog im Süß- und
       Salzwasser sei weder ein signifikanter Einfluss auf die Dimensionen der
       Süßwasserlinse noch auf die chemisch-physikalische und biologische
       Beschaffenheit des Grundwassers zu erwarten.
       
       Allerdings seien lokal geringfügige Änderungen der
       Grundwasserbeschaffenheit durch den Eintrag von Bohrspülung oder
       Filtratwasser oder durch den Temperaturanstieg in der Nähe der
       Stromleitungen nicht vollständig auszuschließen. „Da diese jedoch lokal
       begrenzt und/oder nur temporär zu erwarten sind, wird hierdurch die
       Süßwasserlinse in ihrer Gesamtheit nicht beeinträchtigt“, stellen die
       Ingenieure fest.
       
       „Das sind Gutachten, die auf Modellrechnungen beruhen“, warnt Langeoogs
       Bürgermeister Onno Brüling (CDU). Aus seiner beruflichen Erfahrung wisse
       er, wie wenig solche Modelle bisweilen mit der Wirklichkeit zu tun hätten.
       „Für uns ist das Risiko nicht absehbar“, sagt Brüling. Wenn sich Amprion
       und Tennet so sicher seien, sollten sie für die Wasserversorgung bürgen,
       findet der Bürgermeister.
       
       Brüling versichert, seine Gemeinde sei nicht gegen den Klimaschutz und die
       Energiewende. „Das ist für uns ganz wichtig“, sagt er. Zugleich dürfe aber
       eine so wichtige Ressource wie das Trinkwasser nicht gefährdet werden.
       „Wenn ich nicht darauf aufmerksam machen würde, würde ich etwas falsch
       machen“, sagt der Bürgermeister.
       
       Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste kritisiert, die geplante
       Kabeltrasse mitten im Weltnaturerbe Wattenmeer betreffe zentrale
       Schutzgebiete. „Wenn man von vornherein gesagt hätte, wir beeinträchtigen
       das Wattenmeer so wenig wie möglich, hätte man die Kabeltrasse auch
       anderswo planen können, etwa in der Nähe der Jade-Fahrrinne“, findet Ulrich
       Birstein, der stellvertretende SDN-Vorsitzende. Damit müsste die Leitung
       allerdings viel länger werden.
       
       Die Planer beriefen sich auf das „überwiegende öffentliche Interesse“ an
       der Windparkanbindung, um in einem wertvollen und empfindlichen Naturraum
       zu bauen. „Das ist ein Totschlagargument“, findet Birstein. Dabei seien
       viele der Windparks noch gar nicht erschlossen.
       
       Die [3][Ausbauziele sind allerdings gewaltig] und sorgen für einen gewissen
       Zeitdruck. Die installierte Leistung vor der deutschen Küste soll von 9,7
       Gigawatt Ende vergangenen Jahres auf 30 Gigawatt bis 2030 steigen, um die
       Republik von fossiler Energie unabhängiger zu machen.
       
       Die Baustelle, die die Stromleitung an Land aufnimmt, liegt im
       Vogelschutzgebiet „Ostfriesische Seemarsch zwischen Norden und Esens“.
       Birstein warnt: „Auch ein vorübergehender Eingriff ist erst mal ein
       Eingriff.“
       
       Ein Gutachten des Oldenburger Büros IBL-Umweltplanung für den
       Planfeststellungsbeschluss gelangt dagegen zu dem Fazit: „Eine
       Beeinträchtigung der gebietsspezifischen Erhaltungsziele und des
       Schutzzwecks kann ausgeschlossen werden.“ Das [4][Vogelschutzgebiet] als
       solches werde nicht beeinträchtigt.
       
       1 May 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.strassenbau.niedersachsen.de/startseite/aufgaben/planfeststellung/aktuelle_grossere_verfahren/525-kv-hgu-offshore-netzanbindungssystem-konverterplattform-balwin-epsilon-werderland-abschnitt-seetrasse-fur-den-bereich-der-12-sm-grenze-bis-anlandungspunkt-ostbense-balwin5-nor-9-4-249890.html
   DIR [2] /Staat-beteiligt-sich-an-Netzausbau/!6151229
   DIR [3] /Nach-europaeischem-Nordsee-Gipfel/!6149020
   DIR [4] /FFH-Gebiet-soll-Industrieanlage-werden/!6160862
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gernot Knödler
       
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