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       # taz.de -- Biopic über Michael Jackson: Bad
       
       > Der neue Film über Michael Jacksons Leben bestätigt die Regel seines
       > Genres: Biopics taugen meistens nichts. Wieso gelingen sie so selten?
       
   IMG Bild: Jaafar Jackson als Michael Jackson in einer Szene aus „Michael“
       
       Michael Jackson war nicht nur ein Superstar, er war ein Heiliger. Er
       spendete sein Geld an Krankenhäuser, rettete Schimpansen aus
       Tierversuchsklinken und brachte die rivalisierenden Gangs Bloods und Crips
       mit Musik und Tanz zusammen. Er wollte die Welt zu einem besseren Ort
       machen. Und er saß stundenlang an der Bettkante kranker Kinder. Nein!
       NEIN!!! Nicht so, wie Sie das denken, auf eine unschuldige, heilige Art,
       wie Jesus eben.
       
       Das ist zumindest der [1][Michael Jackson], den uns das neue Biopic
       „Michael“ von Antoine Fuqua verkaufen will. Es gleicht einer retouchierten
       Verfilmung seines Wikipediaeintrags: von seiner tragischen Kindheit in
       Gary, Indiana, die vom tyrannischen Vater Joseph ([2][Colman Domingo])
       geprägt ist, über die Zeit mit seinen Brüdern in den Jackson 5 bis zum
       Hyper-Mega-Ultra-Superstar auf der „Bad“-Tour 1988. Das wachende Auge des
       Michael Jackson Estate – des Nachlasses von Michael Jackson, der sein
       Vermögen und seine Rechte verwaltet –, das spürt man bei jeder Szene dieses
       PR-Films.
       
       Biopics sind selten gut. „Control“ über den [3][Joy-Division]-Sänger Ian
       Curtis, das semibiografische „All that Jazz“ über den Choreografen und
       Regisseur Bob Fosse, oder das Bob-Dylan-Biopic „I’m Not There“ gehören zu
       den wenigen Ausnahmen. Denn sie fallen nicht in die Biopic-Falle, stumpf
       ein ganzes Leben nacherzählen zu wollen. Davon lösen sie sich und behandeln
       ihr Sujet wie echte, ambigue Menschen, die Fehler machen, und nicht wie
       kleine Engelchen.
       
       Eine andere Falle, in die Biopics tappen, ist, dass es ihr größtes Ziel zu
       sein scheint, eine Kopie des Originals zu erstellen. Geht es den Machern
       darum, eine gute Geschichte zu erzählen? Oder nur darum, jemanden täuschend
       echt imitieren zu wollen? Und was soll davon der Mehrwert sein?
       
       ## Ausgezeichneter Müll
       
       Die Darsteller in Biopics werden erstaunlich oft mit Oscars ausgezeichnet,
       auch wenn die Filme Müll sind. Vielleicht weil man bei ihnen messen kann,
       wie sehr sie den real existierenden Person gleichen. Aber auch schlechte
       Imitationen, wie die Rami Maleks als Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“
       (eine der furchtbarsten Biopics), haben den Preis schon erhalten.
       
       Dass Jaafar Jackson, der Michaels Neffe ist und ihn im Film darstellt,
       unglaublich aussieht und tanzt, ist eines der wenigen Dinge, an denen man
       sich in dem Film entlanghangeln kann. Und ähnlich sieht er ihm – natürlich.
       Doch reine Ähnlichkeit rechtfertigt nun mal keine über zwei Stunden
       Laufzeit.
       
       In „I’m Not There“ von Todd Haynes zum Beispiel spielen sechs verschiedene
       Schauspieler_innen Bob Dylan, darunter auch der Afroamerikaner Marcus Carl
       Franklin oder Cate Blanchett. Das soll die Komplexität des Sängers und
       seiner Musik spiegeln und wird Dylan viel gerechter als das nasal
       sprechende Double Timothée Chalamet in [4][„A Complete Unknown“].
       
       Biopics, so auch „Michael“, sind oft seelenlose Cashgrabs, anspruchslose
       Filme für Fans. „Seine Geschichte geht weiter“ steht, bevor die Credits
       laufen, noch auf der Leinwand, was einen zweiten Teil fürchten lässt. Aber
       stimmt, nach „Bad“ 1988 ist der Wikipediaeintrag auch nur bis zur Hälfte
       gelesen. 1993 zum Beispiel gab es [5][die ersten Missbrauchsvorwürfe des
       damals 13-jährigen Jordan Chandler]. Auch die seltsame Beziehung zu
       Macaulay Culkin wurde im Film noch nicht nachgespielt.
       
       Oder die „Freundschaften“ mit Wade Robson und James Safechuck, die ihre
       Geschichten in der markerschütternden Doku [6][„Leaving Neverland“]
       erzählen und Jackson brutale sexualisierte Gewalt vorwerfen. Das Jacksons
       Estate streitet diese Vorwürfe natürlich ab. In einem zweiten Teil gäbe es
       aber zumindest die Möglichkeit zu erwähnen, dass es diese Vorwürfe gab.
       Wahrscheinlicher ist jedoch, dass das unsägliche Whitewashing weitergeht.
       
       28 Apr 2026
       
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   DIR [5] https://en.wikipedia.org/wiki/1993_Michael_Jackson_sexual_abuse_allegations
   DIR [6] /Dokumentation-Leaving-Neverland/!5579077
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Valérie Catil
       
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