# taz.de -- Friedrich Merz und der Irankrieg: Desillusioniert von der „Drecksarbeit“
> Kürzlich bejubelte der Kanzler das US-israelische Vorgehen in Iran, jetzt
> sieht er alles anders. Das offenbart seine außenpolitische
> Kurzsichtigkeit.
IMG Bild: Immer schön den Durchblick behalten, Kanzler Friedrich Merz im Bundestag
Die Lernkurve des Kanzlers ist bemerkenswert. Vor neun Monaten bezeichnete
Friedrich Merz die Angriffe Israels auf iranische Atomanlagen noch [1][als
notwendige „Drecksarbeit“,] die Israel für seine westlichen Verbündeten
erledige. Der völkerrechtswidrige Angriff auf Iran liege auch im deutschen
Interesse, behauptete er. [2][Nun zeigt er sich „desillusioniert“]: Die USA
und Israel hätten sich geirrt. Das „Problem“ mit Iran sei nicht innerhalb
weniger Tage gelöst worden, wie sie es versprochen hatten. Ach!
Welche Illusionen hatte der Mann? Hat Merz ernsthaft den Beteuerungen aus
Washington und Tel Aviv geglaubt, die Probleme mit Iran ließen sich durch
einen Krieg [3][in kurzer Zeit „lösen“]? Schon im Januar zeigte Merz sich
ja zuversichtlich, „[4][die letzten Tage und Wochen]“ des Regimes seien
angebrochen. Da hatte das Regime die Proteste auf den Straßen des Landes
gerade blutig niedergeschlagen. Experten warnten, massives Bombardement
werde das Regime eher noch festigen. Doch Israels Premier Netanjahu fand in
Donald Trump einen Dummen, der ihm glaubte, dieses Rezept könne zum Erfolg
führen. War Merz etwa auch so naiv?
Es waren leider keine humanitären, menschen- oder völkerrechtlichen
Bedenken, die zum Sinneswandel des Bundeskanzlers geführt haben, sondern
der Blick auf die Energiepreise, die weltweit in die Höhe schnellen. Und
noch immer schreckt Merz davor zurück, gegenüber Israels Premier Netanjahu
andere Saiten aufzuziehen, dabei hat der sich das Desaster mit eingebrockt.
Im Gegenteil: Deutschlands Außenminister findet es „unangebracht“, [5][auch
nur das Assoziierungsabkommen der EU mit Israel zu stoppen]. Das Ausbleiben
jeglicher Konsequenzen animiert Israels Regierung dazu, in Libanon weiter
Krieg zu führen.
Die iranische Führung habe die USA gedemütigt, ätzt Merz nun. Doch das gilt
auch für Europa und Deutschland. Nun scheint es im deutschen Interesse zu
liegen, mit dem iranischen Regime zu verhandeln. Solch eine Kehrtwende
spricht nicht für außenpolitischen Tiefgang und Prinzipien, sondern für
ziemliche Planlosigkeit.
28 Apr 2026
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DIR [5] /EU-Aussenministertreffen-in-Luxemburg/!6172738
## AUTOREN
DIR Daniel Bax
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