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       # taz.de -- Berliner Antifaschist ist wieder frei: „Nanuk“ wurde aus der Haft entlassen
       
       > Seit anderthalb Jahren sitzt der Berliner Antifaschist Thomas „Nanuk“ J.
       > in Haft, steht in Dresden vor Gericht. Nun hob der Senat seinen
       > Haftbefehl auf.
       
   IMG Bild: Unterstützung für „Nanuk“, am 21. Oktober 2024
       
       Anderthalb Jahre lang saß der [1][Berliner Antifaschist Thomas J.,
       Spitzname „Nanuk“], in Haft – nun ist er wieder in Freiheit. Am Dienstag
       hob der Senat des Oberlandesgerichts Dresden, wo der 49-Jährige derzeit
       [2][mit sechs weiteren Linken vor Gericht steht], seinen Haftbefehl auf.
       Der dringende Tatverdacht gegen Thomas J., dass er an einem vorgeworfenen
       Angriff auf einen Rechtsextremen beteiligt gewesen sei, sei entfallen,
       sagte eine Gerichtssprecherin der taz.
       
       Die Verteidiger*innen von Thomas J., Antonia von der Behrens und Einar
       Aufurth, teilten mit, sie begrüßten, dass Thomas J. „ab heute frei ist“.
       Sie hätten „von Anfang an gesagt“, dass die Vorwürfe gegen ihren Mandanten
       auf den Mutmaßungen eines Kronzeugen beruhten, auf die „weder der
       Haftbefehl noch die Anklage gestützt werden können“.
       
       Thomas J. war bereits [3][am 21. Oktober 2024 in Berlin von Zielfahndern
       festgenommen worden]. Ihm und den sechs Mitangeklagten in Dresden wird
       vorgeworfen, als Teil der sogenannten „Antifa Ost“ seit 2018 mehrere
       Angriffe auf Rechtsextreme in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und teils
       auch im ungarischen Budapest begangen zu haben. Die Opfer wurden teils
       schwer verletzt. Die Anklage führt die Bundesanwaltschaft, der Prozess
       läuft seit vergangenem November. Vor Gericht steht auch der als Mitanführer
       der Gruppe angeklagte [4][Leipziger Johann G].
       
       Thomas J. war von Beginn an nur als Unterstützer der Gruppe beschuldigt. Er
       ist der mit Abstand älteste der Angeklagten. Er soll laut
       Bundesanwaltschaft Kampfsporttrainings für die Gruppe veranstaltet und sich
       an einem Angriff auf den bekannten Eisenacher Rechtsextremisten Leon Ringl,
       Anführer der [5][Kampfsportgruppe Knockout 51] und Szenekneipenbetreiber,
       im Oktober 2019 beteiligt haben.
       
       ## Kronzeuge gibt zu, bei J. nur spekuliert zu haben
       
       Die Vorwürfe basierten auf Aussagen eines Kronzeugen: dem Berliner Johannes
       D. Er war 2021 nach Vergewaltigungsvorwürfen aus der linken Szene verstoßen
       worden und [6][hatte daraufhin bei der Polizei über die Gruppe um Johann G.
       ausgepackt] und mehrere vermeintlich beteiligte Antifaschisten belastet.
       
       Bereits in einem ersten Prozess gegen vier Linke in Dresden – darunter die
       Leipzigerin Lina E., die frühere Partnerin von Johann G. – hatte Johannes
       D. die Angeklagten belastet. Das Quartett war im Mai 2023 schließlich zu
       [7][Haftstrafen von bis zu gut fünf Jahren verurteilt worden].
       
       Zuletzt hatte Johannes D. nun auch im aktuellen Dresdner Prozess gegen
       Thomas J. und die sechs anderen Linken ausgesagt. Laut Verteidigerin
       Antonia von der Behrens hatte Johannes D. dabei aber nun erklärt, dass
       seine Angaben zu Thomas J. und dessen Beteiligung an den angeklagten
       Aktionen nur Annahmen seien und kein direktes Wissen. Weitere Informationen
       zu Thomas J. habe er nicht. Daraufhin hatte die Verteidigung bereits vor
       einer Woche die Aufhebung des Haftbefehls von Thomas J. beantragt. Dem kam
       das Gericht jetzt nach.
       
       Thomas J. selbst hatte [8][zu Prozessbeginn die Anklage als „Konstrukt“
       zurückgewiesen]. Es sei „unlauter“, dass die Vorwürfe gegen ihn allein auf
       „Spekulationen“ eines Kronzeugen beruhten, der sich „in sozialer und
       finanzieller Abhängigkeit der Ermittlungsbehörden befindet“, sagte er. Auch
       sei es überzogen, dass die Bundesanwaltschaft den Fall an sich zog, und die
       behauptete kriminelle Vereinigung „willkürlich“ zusammengestellt habe. Er
       und die anderen würden zu „Staatsfeinden hochstilisiert“. Die Anklage setze
       Antifaschismus ausschließlich mit Gewalt gleich, kritisiert Thomas J.
       
       ## Militanz als Selbstverteidigung
       
       Die taz hatte Thomas J. auch [9][vor Prozessbeginn in der Haft besucht,
       damals noch in der JVA Moabit in Berlin]. Dort hatte er berichtet, wie er
       Anfang der neunziger Jahre zum Antifaschismus kam: als von Rechtsextremen
       bedrohter Jugendlicher in Königs Wusterhausen in Brandenburg. Rechte Gewalt
       sei damals allgegenwärtig gewesen – der Staat aber habe nicht eingegriffen,
       erzählte Thomas J. Auch heute sei auf den Staat kein Verlass, weshalb es
       auf Antifaschist*innen ankomme.
       
       Im Dresdner Prozess sitzen nun weiter drei Angeklagte in Haft: Johann G.,
       Paul M. und [10][Tobias E., den die taz ebenso in Haft besuchte]. Das
       Verfahren wird noch einige Monate weiterlaufen. Parallel findet derzeit
       auch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf [11][ein Großprozess gegen sechs
       junge Antifaschist*innen] statt. Auch hier lautet der Vorwurf, dass
       sie Rechtsextreme in Budapest und Erfurt angegriffen hätten.
       
       28 Apr 2026
       
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