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       # taz.de -- Plädoyer im RAF-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft für Klette
       
       > Im Prozess gegen Daniela Klette fordert die Staatsanwaltschaft eine hohe
       > Strafe. Ob das Gericht auch dem Mordvorwurf folgt, ist fraglich.
       
   IMG Bild: Daniela Klette steht seit März 2025 vor Gericht
       
       Harte Forderung: Im Prozess gegen die mutmaßliche RAF-Terroristin Daniela
       Klette hat am Dienstag und Mittwoch die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer
       gehalten. Sie forderte 15 Jahre Haft für acht Raubüberfälle, einer davon in
       Tateinheit mit versuchtem Mord.
       
       [1][Ursprünglich angeklagt wurde sie wegen 13 Überfällen], in 5 Fällen
       wurde der Vorwurf im Laufe des Verfahrens fallengelassen. Auch der Vorwurf
       des versuchten Mordes ist umstritten. Staatsanwältin Annette Marquardt
       befasste sich in ihrem Plädoyer zunächst ausgiebig mit dem Raubüberfall in
       Stuhr bei Bremen vom 6. Juni 2015, an dem Klette beteiligt gewesen sein
       soll. Der Fall ist gleich in mehrfacher Hinsicht zentral für das Verfahren:
       Er ging schief, die Täter kamen nicht an die 1,1 Millionen Euro im
       Innenraum, mehrere Schüsse fielen und es gelang ihnen nicht, das
       Fluchtfahrzeug in Brand zu setzen, wie sie es geplant hatten.
       
       Die dort gefundenen Spuren brachten die Polizei überhaupt erst auf die Spur
       der von der Boulevardpresse als „RAF-Rentner“ bezeichneten Täter*innen. Die
       mutmaßlichen Komplizen Klettes, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg,
       sind immer noch auf der Flucht. Der Fall begründet auch die Zuständigkeit
       des [2][Landgerichts Verden], an dem dieser Prozess nun seit über einem
       Jahr verhandelt wird.
       
       Und in diesem Raubüberfall steckt auch schon vieles, was dieses Verfahren
       so schwierig macht: Zeugen, die sich nach elf Jahren nicht mehr sicher
       erinnern können oder schon verstorben sind, zum Beispiel.
       
       ## Mordvorwurf wackelt
       
       Staatsanwältin Marquardt ist sich trotzdem sicher, dass die lange
       Beweisaufnahme genug Indizienbeweise zutage gefördert hat, um eine
       Tatbeteiligung Klettes zu belegen. Dass, darauf verweist sie immer wieder
       spöttisch, habe auch mit der Sammelleidenschaft der Angeklagten zu tun.
       Klette hat in ihren fast 30 Jahren im Untergrund offenbar nicht viel
       weggeworfen. Neben Waffen, Tatbekleidung, falschen Ausweisen, Bärten,
       Perücken, Bargeld und Gold fanden sich in der 1,5-Zimmer-Wohnung in Berlin,
       in der Klette im Februar 2024 festgenommen wurde, auch ausgiebige
       Ausspähprotokolle von betroffenen Supermärkten, topografische Karten mit
       einschlägigen Markierungen, sowie Dutzende Zeitungsartikel zu den
       Überfällen.
       
       Überfall für Überfall versuchte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer
       nachzuzeichnen, wie tief Klette in die Vorbereitung und Durchführung der
       Taten verstrickt gewesen war: Als Fahrerin des Fluchtfahrzeugs, als die
       Person, die mit einer Panzerfaustattrappe oder einer Maschinenpistole
       drohte. Aber auch durch das Anmieten von Wohnungen in der Nähe der
       Überfallorte. Oder verräterische E-Mails, in denen sie Freunden ihre
       Abwesenheit zu bestimmten Tatzeiten damit erklärt, sie habe gerade viel zu
       tun und arbeite außerhalb Berlins.
       
       Was die Staatsanwältin auch betont: Wie schwer viele der Opfer und
       Tatzeugen noch Jahre später litten – wie sie mit Schlafstörungen und
       Panikattacken, jahrelangen Therapien und Berufsunfähigkeit zu kämpfen
       hatten. 24 Geschädigte zählt die Staatsanwaltschaft insgesamt.
       
       Dass Klette diese Überfälle als „Geldwegnehmaktionen“ bagatellisiere,
       bezeichnet Marquardt als „unerträglich“. Sie habe ausgerechnet Arbeiter und
       Arbeiterinnen angegriffen, „wie Sie das mit ihren linken Idealen
       vereinbaren, ist mir schleierhaft.“ Auch für das Verteilen, Waschen und
       Anlegen des Geldes sei Klette zuständig gewesen, schlussfolgert die
       Staatsanwältin aus Buchhaltungsnotizen, die man in ihrer Wohnung gefunden
       hat.
       
       Mit „hoher krimineller Energie“, „hochprofessionell“ und „vollem Risiko“
       sei das Trio vorgegangen, erklärt Marquardt. Sie kann es sich gleichwohl
       nicht verkneifen, auch auf die offensichtlichen Stümpereien zu verweisen:
       Einmal soll Klette die Panzerfaustattrappe falsch herum gehalten haben,
       mehrmals hat das Anzünden der Fluchtfahrzeuge nicht geklappt, weil die
       selbst gebastelte Zündvorrichtung versagte.
       
       Juristisch interessant wird allerdings vor allem die Frage, ob das Gericht
       in den Schüssen auf dem Supermarktplatz in Stuhr einen Mordversuch erkennt
       oder nicht. Die Kammer hatte im Laufe des Verfahrens schon einmal den
       Hinweis erteilt, dass dieser Vorwurf eventuell nicht aufrechterhalten
       werden könne. Möglicherweise müsse man hier nur von einem bedingten
       Tötungsvorsatz ausgehen.
       
       Klettes mutmaßlicher Komplize Straub – er soll derjenige sein, der ins
       Innere des Wagens geschossen hat – könnte den Tod des Fahrers zwar in Kauf
       genommen, aber nicht beabsichtigt haben. Außerdem hat er kein weiteres Mal
       geschossen, ist also von der Vollendung der Tat zurückgetreten. Die
       Staatsanwältin beharrt dagegen auf dem Vorwurf des versuchten Mordes. Und
       weil sie gleichzeitig von bandenmäßigem Vorgehen ausgeht, muss sich Klette
       auch diesen Tatvorwurf zurechnen lassen – auch wenn sie nicht selbst
       geschossen hat.
       
       Der Prozess in Verden neigt sich damit seinem Ende zu – am 12. und 13. Mai
       soll die Verteidigung plädieren, Ende Mai ein Urteil verkündet werden. Für
       Klette ist es damit allerdings nicht vorbei. Im März verkündete die
       Generalbundesanwaltschaft, sie [3][wegen dreier RAF-Attentate Anfang der
       90er Jahre anzuklagen.] Die Mitgliedschaft in einer terroristischen
       Vereinigung ist schon verjährt. Ein Termin für diesen weiteren Prozess
       steht noch nicht fest.
       
       29 Apr 2026
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Nadine Conti
       
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