# taz.de -- Charles III. auf Staatsbesuch in den USA: Als der König den gefühlten König in die Schranken wies
> Der britische König Charles III. hat Trump in Washington die Leviten
> gelesen. Das gelang ihm, weil er – im Gegensatz zum US-Präsidenten –
> nicht gewählt ist.
IMG Bild: Von wegen „No Kings“: US-Präsident Trump empfängt König Charles in Washington
Viel war im Vorfeld herumgemäkelt worden, gerade in Großbritannien. König
Charles III., rieten viele, solle lieber nicht in die USA zum Staatsbesuch
reisen. Das werde doch bestenfalls ein Kniefall vor Donald Trump, der seine
Freunde permanent beschimpft und beleidigt. Und überhaupt, wie peinlich ist
das denn, so ein Besuch direkt nach dem Epstein-Skandal und dem erzwungenen
Titelentzug für Königsbruder Andrew.
Aber nun ist König Charles III. doch in die USA zum Staatsbesuch gereist.
Und am Dienstag hat er etwas geleistet, was kein britischer König vor ihm
je getan hat: Er hat vor dem US-Kongress [1][eine hochpolitische Rede
gehalten] und dabei Donald Trump in die Schranken gewiesen.
King Charles III. hat nicht in erster Linie, wie Queen Elizabeth II. in
ihrer eigenen [2][kurzen Kongressrede] 35 Jahre zuvor, die militärische
Stärke der USA gewürdigt, die Militärallianz beider Länder gepriesen und
das Völkerrecht betont. Er hat viel weiter ausgeholt.
Er hat die jahrhundertealten und bleibenden Freiheitswerte hochgehalten,
die der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika vor 250 Jahren
zugrunde lagen, „oder, wie wir im Vereinigten Königreich sagen: neulich
erst“. Die Werte der Aufklärung, der Rechtsstaatlichkeit, der
Gewaltenteilung, der Menschenrechte – alles entstanden, wie der Brite
betonte, in der Nachfolge der alten englischen Freiheitsideale, die zuerst
in der Magna Charta 1215 niedergeschrieben wurden und die amerikanischen
„Revolutionäre“ inspirierten.
## Die beschworenen Ewigkeiten
Die Interpretation, wem diese Worte wohl gelten könnten, musste Charles
III. gar nicht selbst liefern. Das blieb dem tosenden Applaus überlassen,
der seine Ansprache immer wieder unterbrach. Immer wieder standen die
Kongressabgeordneten auf und klatschten.
Manchmal sogar alle. Manchmal nur die Hälfte. Manchmal fast alle, außer
Leuten wie Vizepräsident J. D. Vance direkt hinter ihm, der keine Hand
rührte, als Charles III. zu großem Beifall „unnachgiebige Entschlossenheit
für die Verteidigung der Ukraine und ihr so mutiges Volk“ forderte und
diese Notwendigkeit in eine alte Tradition des anglo-amerikanischen
gegenseitigen Beistands stellte.
„Schulter an Schulter durch zwei Weltkriege, den Kalten Krieg, Afghanistan,
und Schlüsselmomente unserer gemeinsamen Sicherheit“, und dann die
Nato-Solidarität mit den USA nach den Terroranschlägen des 11. September,
die sich dieses Jahr zum 25. Mal jähren. „Amerikas Worte sind gewichtig und
bedeutsam, seit der Unabhängigkeit. Die Taten dieser großen Nation sind
noch wichtiger“, mahnte der Staatsgast eines Präsidenten, der Worte gerne
mit Taten verwechselt.
250 Jahre Unabhängigkeit, 400 Jahre gemeinsame Geschichte, 800 Jahre
Rechtstradition und sogar die Hunderte Millionen Jahre zurückliegende Ära,
als die Appalachen in den USA und die schottischen Highlands eine einzige
Bergkette bildeten – was ist gegen all diese vom König beschworenen
Ewigkeiten schon ein Donald Trump, der in diesem Jahr bloß 80 wird und
sowieso nur ein paar Jahre regiert?
## Der Urururururgroßvater
Ein gewählter Präsident hätte keine solche Ansprache halten können. Nicht
nur, weil kein gewählter Präsident die USA daran erinnern kann, das sein
Urururururgroßvater sie „neulich erst“ in die Unabhängigkeit entließ,
sondern auch, weil ein gewählter Präsident keine höhere Legitimität als ein
anderer gewählter Präsident beanspruchen kann. Sie sind beide bloß gewählt,
also auch nur von einem Teil ihrer jeweiligen Bevölkerung.
Ein König ist von niemandem gewählt und vertritt daher die gesamte
Bevölkerung gleichermaßen, und – das ist zentral – er kann in größeren
Zeiträumen denken, Traditionen überparteilich verkörpern und damit
Politiker mit begrenzter Amtszeit und parteilicher Färbung auf ihr wahres
Mittelmaß zurechtstutzen.
Die Kunst bei Trump besteht darin, das so zu tun, dass er es nicht merkt.
Charles III. ist dies wohl gelungen. Er huldigte bei seinem Staatsbesuch
Trump, wo es der Show diente, aber in der Substanz wies er ihn zurecht.
Beim Staatsempfang im Weißen Haus am Montag [3][schenkte der König dem
überraschten Präsidenten] die golden aussehende große Schiffsglocke eines
britischen Weltkriegs-U-Boots, das wirklich [4][„HMS Trump“] hieß, und
sagte ihm: „Falls du uns erreichen willst – einfach klingeln.“ Wie ein
überwältigtes kleines Kind kletterte Trump bei einer Preisverleihung dann
zu Charles aufs Podium, um anzustoßen.
Über gewählte Politiker lästert Trump viel, oft auch in deren Gegenwart.
Könige liebt und respektiert er, er wäre gerne selbst einer. „Two Kings“
[5][tweetete das Weiße Haus] zur Begrüßung von Charles III. „No Kings“
lautet die Protestparole gegen Trumps autoritäre Neigungen in den USA. Aber
zwischen diesem Präsidenten und diesem König dürfte den immer zahlreicheren
Amerikanern, die das Ende von Trump herbeisehnen, die Wahl nicht
schwerfallen.
29 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.youtube.com/watch?v=XI6YuTE5Qek
DIR [2] https://www.youtube.com/watch?v=egpyaH_QS7w
DIR [3] https://www.youtube.com/watch?v=DtI6Uovpg8U
DIR [4] https://en.wikipedia.org/wiki/HMS_Trump
DIR [5] https://x.com/WhiteHouse/status/2049208884280062270
## AUTOREN
DIR Dominic Johnson
## TAGS
DIR talkshow
DIR Reden wir darüber
DIR Schwerpunkt USA unter Trump
DIR König Charles III.
DIR Monarchie
DIR Britisches Königshaus
DIR GNS
DIR Fracking
DIR Schwerpunkt USA unter Trump
DIR Großbritannien
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Anti-Trump-Aktivistin Rayellen Smith: Die Drohungen kommen näher
Rayellen Smith hat bei den No-Kings-Protesten 50.000 Menschen auf die
Straßen gebracht. Nun gerät die Aktivistin in Trumps Visier.
DIR „No Kings“-Proteste in den USA: Erfrischender Energieschub gegen Trump
Klar: Ein paar Demonstrationen halten Trumps Pläne nicht auf. Aber sie
können der Auftakt dafür sein, sich endlich effektiv zu organisieren.
DIR Krönung von Charles III: Im Reich des magischen Denkens
Zwischen gesunkener politischer Bedeutung und gestiegener öffentlicher
Erwartung: Wird der neue britische König Charles III diesen Spagat
hinkriegen?