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       # taz.de -- Mehr Ermittlungsbefugnisse für Polizei: Kabinett macht Weg frei für KI-Fahndung
       
       > Die Bundesregierung will der Polizei erlauben, Datensätze per KI zu
       > analysieren und online abzugleichen. Am Ende könnte sogar Palantir
       > eingesetzt werden.
       
   IMG Bild: „Wollen modernste digitale Produkte entwickeln“: CSU-Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
       
       Die Bundesregierung will der Polizei erlauben, Daten massenhaft
       auszuwerten, um so Kriminelle und Terroristen schneller zu fassen. Die am
       Mittwoch im Kabinett beschlossenen Gesetzentwürfe sehen auch den Einsatz
       von KI-Programmen vor und könnten den Weg für umstrittene Programme wie
       Palantir ebnen. Entsprechend scharf fällt die Kritik von
       Bürgerrechtler*innen und Opposition aus.
       
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bundesjustizministerin
       Stefanie Hubig (SPD) versuchten am Mittwoch, die Bedenken zu zerstreuen.
       Hubig sagte: „Selbstverständlich gilt auch weiterhin: Entscheidungen im
       Strafverfahren werden immer von Menschen getroffen, nicht von KI-Agenten.“
       Und Dobrindt betonte, es gehe nicht darum, neue Datenbanken über
       Bürger*innen anzulegen, sondern darum, mit Kriminellen und den stetig
       steigenden Datenmengen Schritt zu halten.
       
       Konkret sieht das Paket aus insgesamt zwei Gesetzentwürfen vor, dass die
       Bundes- und Landespolizeibehörden künftig ihre eigenen Daten mit
       KI-Programmen durchsuchen und mit frei zugänglichen Daten im Internet
       abgleichen dürfen. Bei Letzterem geht es meist um Fotos von Verdächtigen,
       denen dann per Internetabgleich Namen zugeordnet werden können, etwa indem
       Social-Media-Profile durchforstet werden. Auf diese Weise hatten
       Journalisten [1][die seit Jahrzehnten untergetauchte RAF-Terroristin
       Daniele Klette 2024 in Berlin aufgespürt]. Die Polizei darf das bisher
       nicht.
       
       Allerdings ist unklar, ob der biometrische Gesichtsabgleich tatsächlich
       möglich ist, ohne dass die Behörden dabei eine eigene Datenbank aus frei
       verfügbaren Fotos aus dem Netz aufbauen. Das wäre höchstwahrscheinlich
       rechtswidrig. Ein Gutachten [2][der Organisation Algorithm Watch] hatte
       2025 gezeigt, dass es ohne eine solche Datenbank aber absehbar Monate bis
       Jahre dauern würde, eine einzelne Anfrage abzuarbeiten. Wie Dobrindt und
       Hubig dieses Problem umgehen wollen, ist unklar.
       
       ## Idee: Einfach EU umdribbeln
       
       Dass sie prinzipiell zu „kreativen“ Lösungen bereit sind, zeigt sich im
       Gesetzentwurf darin, dass künftig in bestimmten Fällen der biometrische
       Abgleich mit Netzdaten an Firmen im Nicht-EU-Ausland ausgelagert werden
       kann. Dafür wäre zwar ein richterliches Einverständnis nötig, de facto
       ließen sich so aber wohl deutsche Datenschutzregeln genauso umgehen wie die
       KI-Verordnung der EU.
       
       Ebenfalls vorgesehen ist im Entwurf, den Online-Datenabgleich auch dem
       Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zu erlauben. Die Behörde
       soll damit die Identität von Asylbewerber*innen feststellen dürfen,
       wenn diese keine Papiere haben.
       
       Bürgerrechtler*innen sind über die Pläne erbost. Die Vorsitzende des
       Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins, Angela Furmaniak, sprach
       gegenüber der taz von einem „höchst problematischen“ Vorhaben und
       „unverhältnismäßigen Eingriff in das Recht auf Privatsphäre“.
       
       Auch die Opposition übte Kritik. Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von
       Notz sagte: „Die geplanten neuen Befugnisse ermöglichen tiefe
       Grundrechtseingriffe und betreffen dabei keineswegs nur Personen im
       direkten Fokus von Sicherheitsbehörden, sondern potenziell alle, auch
       gänzlich unbescholtene, Bürger.“ Der Obmann der Grünen im Innenausschuss,
       Lukas Benner, sagte der taz: „Die massive Ausweitung biometrischer
       Abgleiche durch das BAMF steht im krassen Widerspruch zu europäischen
       Bürgerrechten. Und die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara
       Bünger, sagte: „Dieser Weg führt geradewegs in einen digitalen
       Überwachungsstaat.“
       
       ## Sorge vor verstärktem Palantir-Einsatz
       
       Sowohl von Notz als auch Bünger befürchten zudem, dass die Pläne am Ende
       dazu führen könnten, dass die Software Palantir zum Einsatz kommt, die
       unter anderem dem rechtsextremen US-Milliardär Peter Thiel gehört. Von Notz
       nannte es „alarmierend“, dass Dobrindt diese Möglichkeit nicht eindeutig
       ausschließe. Und Bünger sagte: „Rechtsstaatlicher Schutz wird ausgehöhlt,
       wenn private Firmen in Drittstaaten unsere Daten analysieren dürfen.“
       
       Die Polizeien in Bayern, Hessen und NRW nutzen bereits Palantir-Software
       und zahlen dafür Millionen, in Baden-Württemberg ist ihr Einsatz
       kontroverser Gegenstand der Koalitionsverhandlungen. Insbesondere ein viral
       gegangenes [3][autoritäres Manifest des Palantir-Chefs Alex Karp] hatte
       zuletzt erneut [4][Kritik an der Nutzung der US-Software entfacht]. In dem
       Manifest hatte Karp von der kulturellen Überlegenheit des Westens
       geschrieben, der Aufrüstung Deutschlands und Japans – und Investments in
       KI-Waffen und autonome Waffensysteme gefordert.
       
       Praktisch: Die bietet seine Firma neben der antidemokratischen Ideologie
       seiner Chefs auch noch selbst an. Die Firma sackte kürzlich
       Milliarden-Aufträge der US-Regierung ein und hilft den Behörden auch bei
       menschenrechtswidrigen ICE-Abschiebungen. Längst ist sie auch fest verwoben
       mit militärischer Infrastruktur in den USA und weiteren Nato-Ländern.
       
       Die Bundeswehr hat das jüngst für Deutschland ausgeschlossen, weil die
       Palantir-Software die Ansprüche für IT-Sicherheit unterläuft. Vizeadmiral
       Thomas Daum, Chef der Cybertruppe der Bundeswehr, [5][sagte dem
       Handelsblatt], es sei „unvorstellbar“, Mitarbeiter*innen einer
       Industriefirma Zugriff „auf den nationalen Datenbestand“ zu geben.
       
       Von Dobrindt gibt es keine so klare Absage, aber auch kein Plädoyer für
       Palantir-Software. Er sagte am Mittwoch: „Wir wollen nicht auf
       maßgeschneiderte Produkte von außen zurückgreifen – oder nicht
       ausschließlich –, sondern vor allem selber in der Lage sein, auch modernste
       digitale Produkte zu entwickeln.“ Die meisten Bundesländer lehnen die
       Nutzung von Palantir ab und hoffen auf andere Lösungen: etwa eine
       europäische Analysesoftware.
       
       29 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Plaedoyer-im-RAF-Prozess/!6174950
   DIR [2] /Polizeiliche-Gesichtserkennung/!6120871
   DIR [3] /Thesen-des-Palantir-CEO-Alex-Karp-Geschaeftsmodell-Kontrolle/!6170381
   DIR [4] https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/palantir-manifest-polizei-innenminister-bundeslaender-reaktion-kritik-100.html
   DIR [5] https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/software-palantir-fuer-die-bundeswehr-sehe-ich-momentan-ueberhaupt-nicht/100217143.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Frederik Eikmanns
   DIR Gareth Joswig
       
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