# taz.de -- NPD-Demo in Braunschweig am 1. Mai: Provokation gegen die Gewerkschaften
> Die NPD will den Tag der Arbeit in Braunschweig für sich vereinnahmen.
> Die Grünen fordern ein Demoverbot, die Stadt aber sieht keine
> Möglichkeit.
IMG Bild: Alle Jahre wieder provozieren Nazis an ihrem Lieblingsort Braunschweig, wie hier 2021 – dabei kann die Stadt gar nichts dafür
Das Bündnis gegen rechts hat in Braunschweig gerade gut zu tun: Erst vor
zwei Wochen hatten sich Reichsbürger die Stadt für ihr „großes Treffen der
Bundesstaaten“ ausgesucht und forderten eine Rückkehr zur Verfassung des
Kaiserreichs von 1871. „Die waren allerdings eher ein Karnevalsverein“,
sagt Malte Stahlhut von der IG Metall, der dabei war.
Teilnehmende hatten sich [1][als Abgesandte ihrer jeweiligen imaginierten
Fürstentümer] verkleidet. Statt der angemeldeten 1.500 kamen am Ende rund
300 Reichsbürger*innen; das Bündnis gegen rechts hatte etwa 600
Gegendemonstrant*innen organisiert.
Nun folgt gleich die nächste rechte Demo – mutmaßlich weniger malerisch.
Die NPD will den 1. Mai in Braunschweig feiern, gleich im Anschluss an die
Demo der Gewerkschaften. Die NPD? Ja, während sich der Großteil der
Neonazi-Partei 2023 in „Die Heimat“ umbenannt hat, haben sich einige
Landesverbände abgespalten und [2][firmieren weiter unter dem alten Namen].
Die NPD Hamburg ruft seit Wochen über Social Media unter dem Motto „Tag der
Deutschen Arbeit. 1. Mai – seit 1933 arbeitsfrei“ zu dem Event auf.
Auch wenn zuletzt die [3][rechtsextreme Szene versucht hat,] in der Stadt
Fuß zu fassen: Eigentlich ist Braunschweig keine rechte Hochburg. Bei den
vergangenen Kommunalwahlen im Herbst 2021 gingen nur 4 Prozent (und 2
Sitze) an die AfD, andere klassisch-rechte Parteien sind gar nicht
vertreten. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr holte die AfD zwar
13,3 Prozent. Das ist aber immer noch 4,5 Prozentpunkte weniger als der
Durchschnitt in Niedersachsen und 7,5 Prozentpunkte weniger als im
Bundesdurchschnitt.
## Demo führt vorbei am Familienfest
Braunschweig zieht die Rechten allerdings [4][durch seine Geschichte an:]
Der Freistaat Braunschweig hatte als eines der ersten Länder der Weimarer
Republik eine Regierung unter Beteiligung der NSDAP. Außerdem hatte der
Freistaat 1932 schließlich Hitler den Weg zur Deutschen Staatsbürgerschaft
ermöglicht – eine Voraussetzung für seine Wahl zum Reichskanzler. Auch die
Partei Die Rechte hatte diese symbolträchtige Stadt schon Ende 2024 zur
Mobilisierung auserkoren.
Nun also die NPD. Die Grünen-Fraktion im Rat hat am Montag einen offenen
Brief an den Bürgermeister geschrieben, in dem sie sich gegen die
Genehmigung der Demo auf ihrer aktuellen Route ausspricht. Der Aufzug der
Neonazis, so die Kritik der Grünen, „soll gezielt an zentralen Orten der
demokratischen 1.-Mai-Veranstaltungen vorbeiführen“.
Am Europaplatz zum Beispiel scheint eine Kundgebung geplant zu sein –
zeitgleich findet im benachbarten Bürgerpark das „Internationale
Familienfest“ des DGB statt, zu dem laut Gewerkschaft in den vergangenen
Jahren bei gutem Wetter bis zu 8.000 Menschen gekommen seien, vor allem
Familien mit kleinen Kindern. „Die bewusste Routenführung der Neonazis
beweist klar, dass diese zur Störung und Einschüchterung dient, um die
friedlichen Veranstaltungen massiv zu beeinträchtigen und den öffentlichen
Raum für sich zu vereinnahmen“, schreiben die Grünen.
Die Stadt müsse alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um den
Neonazi-Aufmarsch deutlich einzuschränken. Möglichkeiten gebe es, ist die
Fraktion überzeugt – Städte wie Leipzig und Berlin hätten schließlich
erfolgreich Versammlungen verhindert, bei denen „erkennbar die öffentliche
Sicherheit oder Ordnung gefährdet“ war.
Die Stadt verweist auf die Versammlungsfreiheit – Anmelder seien frei
darin, über den Ort oder die Strecke seines Aufzugs zu entscheiden. Die
Braunschweiger Polizei verweist auf ihr Sicherheitskonzept und ist
überzeugt, alle Veranstaltungen sicher voneinander trennen zu können.
Die genaue Route wird von Stadt und Polizei am Mittwoch nicht bestätigt.
Laut Informationen der Grünen führt die NPD-Demo aber auch noch am
Gewerkschaftshaus des DGB vorbei. Das steht zwar erst seit den Fünfzigern
an diesem Ort, ist aber dennoch ein symbolisch interessanter Ort für die
NPD, die sich in ihrem Motto auf den „ersten nationalen Tag der Arbeit“
beruft; den nämlich hatte 1933 die NSDAP für den 1. Mai ausgerufen und noch
gemeinsam mit den Gewerkschaften begangen. Schon am 2. Mai wurden alle
Gewerkschaftshäuser besetzt und die Gewerkschaften gleichgeschaltet.
„Wir sehen das durchaus als Provokation“, so Malte Stahlhut von der IG
Metall. Die Stadt sieht dennoch ihre Hände gebunden: „Provokationen sind
sehr häufig Teil eines Versammlungsgeschehens“, so ein Pressesprecher. „Vor
dem Hintergrund des Grundrechts der Versammlungsfreiheit sind diese
regelmäßig zu ertragen.“
Die Gewerkschaft greift vor diesem Hintergrund zur Selbsthilfe. Die
eigentliche Demo des DGB sollte um 13 Uhr bereits vorbei sein; nun hat man
das Programm aber noch ergänzt. Ab 12 Uhr wird parallel zur Demo eine
Kundgebung vor dem Gewerkschaftshaus abgehalten. Und auch der Demozug
selbst wird ab 12.50 vom Konrad-Adenauer-Platz am Bürgerpark aus noch
weiter zum Gewerkschaftshaus ziehen. „Wir werden mehr sein als die. Wir
sind viele“, ist Stahlhut überzeugt. Geübt haben sie kürzlich ja schon, die
Braunschweiger*innen.
29 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.belltower.news/reichsbuergerinnen-in-braunschweig-kaisertreue-spiegelwelt-165497/
DIR [2] /Rechtsextreme-Partei-Die-Heimat/!5962610
DIR [3] /Neuer-Nazi-Kiez-in-Braunschweig/!6005166
DIR [4] /Aktivist-klagt-wegen-Volksverhetzung/!6059805
## AUTOREN
DIR Lotta Drügemöller
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