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       # taz.de -- Polnischer Journalist kommt frei: „Darf ich zurück nach Belarus?“
       
       > Nach fünf Jahren schwerer Lagerhaft in Belarus ist der polnische
       > Journalist und Aktivist Andrzej Poczobut freigekommen. Angeblich habe er
       > „Hass verbreitet“.
       
   IMG Bild: Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk begrüßt den polnisch-weißrussischen Journalisten Andrzej Poczobut (M)
       
       Viele Polen können es nicht fassen, als sie am Dienstagabend die Bilder vom
       Gefangenenaustausch am Grenzübergang in Białowieża in den TV-Nachrichten
       sehen. Der kleine, hagere Mann, der da aus Belarus langsam über die Grenze
       geht und sich auf polnischer Seite einer kleinen Gruppe von Politikern und
       Journalisten nähert – das soll der einst so energiegeladene polnische
       Aktivist Andrzej Poczobut sein?
       
       Der 53-jährige Korrespondent der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza
       wirkt neben Premier Donald Tusk, der den politischen Häftling nach fünf
       Jahren harter Lagerhaft in die Arme schließt, wie ein todkranker,
       gebrechlicher Greis. Doch Poczobut hält seinen belarussischen Reisepass
       krampfhaft fest: „Darf ich zurück?“, soll er Tusk als Erstes gefragt haben.
       „Darf ich zurück nach Belarus, wenn ich will?“
       
       Bartosz Wieliński, Poczobuts Freund und als stellvertretender Chefredakteur
       der Gazeta Wyborcza auch sein Vorgesetzter, kann nur schwer seine Tränen
       zurückhalten: „So ist er eben. Wir müssen das akzeptieren. Kaum auf unserer
       Seite angekommen, hat er nicht etwa um neue Schuhe gebeten oder um ein
       Handy für sich selbst, sondern um Polnisch-Sprachkurse für die Kinder und
       Jugendlichen der Polonia in Belarus.“
       
       Wieliński war an der Grenze, um Poczobut zu identifizieren. Der polnische
       Geheimdienst, der den Austausch von politischen Häftlingen in Belarus –
       drei Polen und zwei Moldauer – gegen Spione und Kriminelle, die in Polen
       festgenommen worden waren – zwei Russen, zwei Belarussen und ein Kasache –,
       jahrelang vorbereitet hatte, wollte sich keinen Doppelgänger unterschieben
       lassen. Beteiligt an der Aktion waren auch polnische Politiker und
       Diplomaten aus den USA, Rumänien und der Republik Moldau.
       
       ## Schon dreimal saß er im Gefängnis
       
       Verhaftet worden war der Jura-Dozent und Journalist, der auf Belarussisch,
       Polnisch und Russisch für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften
       geschrieben hat, Ende März 2021 – zusammen mit anderen Angehörigen der
       polnischen Minderheit in Belarus. Angeblich habe Poczobut mit seinen
       Artikeln und seinem Engagement für die Minderheit den „Nazismus
       rehabilitieren“ wollen. Nach zwei Jahren in Untersuchungshaft in Grodno
       verurteilte ihn ein Gericht im Februar 2023 zu acht Jahren verschärfter
       Lagerhaft in der Strafkolonie in Nowopołock.
       
       Er habe Hass verbreitet, zu Sanktionen gegen Belarus aufgerufen und sich
       zum Schaden seines Vaterlandes engagiert. Schon im Oktober 2022 war
       Poczobut auf die belarussische Terroristenliste gesetzt worden. Angeblich
       habe die polnische Minderheit den Protest gegen die Wiederwahl Lukaschenkos
       zum Präsidenten angestachelt, sodass das Regime die Organisation
       illegalisierte.
       
       Insgesamt saß Poczobut dreimal im Gefängnis: zum ersten Mal 2011 wegen
       angeblicher Beleidigung von Präsident Alexander Lukaschenko, ein Jahr
       später noch einmal für neun Tage und zum dritten Mal – ab März 2021 – für
       gleich fünf Jahre. Außerhalb von Belarus erkannten ihn mehrere
       Menschenrechtsorganisationen als politischen Häftling an und verlangten
       seine sofortige Freilassung. Polen versuchte ihn über diverse diplomatische
       Kanäle freizubekommen.
       
       Schon seit einiger Zeit spielen die USA eine gewisse Rolle bei den
       Freilassungen politischer Häftlinge in Belarus. Auch im Falle Poczobuts
       wird spekuliert, dass das „Argument“, das Lukaschenko überzeugte, aus den
       USA gekommen sei. Experten deuten an, dass es um die Lockerung von
       Sanktionen gegen den Stickstoff-Dünger-Export gehen könnte. Weder Poczobut
       noch Wieliński oder ein polnischer Politiker haben sich bislang dazu
       geäußert. Zurzeit wird Poczobut im Krankenhaus des polnischen
       Innenministeriums gründlich untersucht. Seine Frau Oksana ist bei ihm.
       Möglicherweise kehrt das Ehepaar, das mit Sohn und Tochter in Grodno lebt,
       am 1. Mai wieder nach Belarus zurück.
       
       29 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gabriele Lesser
       
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