# taz.de -- Nach US-Zinsentscheid: Blick auf EZB gerichtet
> Steigende Energiepreise als Folge des Irankriegs blähen die Inflation
> auf. Heute entscheidet die Europäische Zentralbank, wie sie darauf
> reagiert.
IMG Bild: Die Inflation in Deutschland liegt im April 2026 um 2,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat
dpa | Nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) richtet
sich der Blick heute auf die Europäische Zentralbank. Steigende
Energiepreise infolge des Irankrieges könnten die Inflation weiter anheizen
und damit die EZB zum Handeln zwingen.
Der EZB-Rat wird in der heutigen Sitzung nach überwiegender Einschätzung
von Analysten noch keine Zinserhöhung beschließen. Stattdessen dürfte die
Notenbank abwarten, bis mehr Daten zu den Kriegsfolgen vorliegen. Der für
Sparer und Banken wichtige Einlagenzins dürfte bei 2,0 Prozent bleiben. Die
Entscheidungen werden am Nachmittag (14.15 Uhr) bekannt gegeben.
An den Finanzmärkten war zuletzt die Erwartung gewachsen, dass die EZB im
Jahresverlauf die Leitzinsen für den Euroraum erhöhen werde. [1][Steigende
Inflationsraten schmälern die Kaufkraft] der Menschen. Höhere Zinsen würden
Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen
kann. Zugleich besteht aber die Gefahr, dass Zinserhöhungen die Wirtschaft
im Euroraum belasten, die wegen des Irankrieges ohnehin unter Druck steht.
## Fed hält Leitzins stabil
Die Fed hatte sich am Mittwoch für die dritte Zinspause im laufenden Jahr
entschieden. Elf der zwölf Mitglieder des Zentralbankrates stimmten für die
Beibehaltung des Zinses bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Lediglich der Berater von
US-Präsident Donald Trump, Stephen Miran, votierte wie bei den vorherigen
Sitzungen für eine Senkung. Außergewöhnlich war, dass zudem drei Mitglieder
sich gegen eine künftige Zinslockerung sträuben. Dies dürfte auch als
demonstratives Zeichen gegen Trump gewertet werden, der seit Monaten auf
Zinssenkungen pocht.
[2][Die dritte Zinspause in diesem Jahr] rückte angesichts einer
Überraschung von Noch-Fed-Chef Jerome Powell in den Hintergrund: Dieser
will auch nach dem planmäßigen Ende seiner Amtszeit Mitte Mai im Vorstand
der US-Notenbank Federal Reserve bleiben.
Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und
damit einen Kompromiss zwischen Teuerungsrate und möglichst starker
Vollbeschäftigung finden. Das Problem derzeit: Lockert die Fed das
Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie
vermeiden. Zuletzt erhöhte die Notenbank ihre Erwartungen an die
Teuerungsrate von 2,4 auf nun 2,7 Prozent im laufenden Jahr. Sie liegt
damit deutlich über ihrem eigenen Zwei-Prozent-Ziel.
[3][2025 hatte die Fed aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins dreimal]
um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei ihren ersten beiden
Sitzungen dieses Jahres legte sie dann Pausen ein. Angesichts der
unsicheren Weltlage bei zeitgleich hoher Inflation rücken Zinssenkungen in
weite Ferne.
30 Apr 2026
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