# taz.de -- SPD und CDU koalieren in Rheinland-Pfalz: Kitapflicht kommt, Klimaschutzgesetz bleibt
> Nach nur sechs Wochen steht in Rheinland-Pfalz fest: Es gibt eine große
> Koalition. Die Ministerien sind schon aufgeteilt – mit kleinen
> Überraschungen.
IMG Bild: Sichtlich erleichtert: Verhandlungsführer Gordon Schnieder (CDU) und Alexander Schweitzer (SPD)
Es seien lange Tag und kurze Nächte gewesen, sagt Gordon Schnieder am
Mittwochnachmittag in Mainz. Als Verhandlungsführer für die CDU hatte er
gemeinsam mit dem amtierenden SPD-Ministerpräsidenten [1][Alexander
Schweitzer] in den letzten sechs Wochen über die zukünftige Regierung in
Rheinland-Pfalz verhandelt. Beide Männer sehen tatsächlich ein bisschen
müde aus, als sie verkünden: SPD und CDU einigen sich auf die erste große
Koalition in Rheinland-Pfalz. Zuvor war aus den Verhandlungen fast nichts
nach außen gedrungen. Jetzt steht ein gut 100-seitiger Koalitionsvertrag
fest.
Der neue Ministerpräsident wird damit [2][Gordon Schnieder]. Er holte
[3][mit der CDU bei der Landtagswahl 31 Prozent] der Stimmen und löste
damit die SPD ab, [4][die 35 Jahre lang stärkste Kraft im Land war.]
Schweitzer hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, nicht unter einer
CDU-geführten Regierung einen Ministerposten zu übernehmen. Trotzdem führt
er für die SPD die Verhandlungen mit der CDU, darum habe ihn seine Partei
gebeten. Zuletzt regierte er mit einer Ampelkoalition aus SPD, Grünen und
FDP. Wie es nun für Schweitzer weitergehen wird, wolle er gerne verraten,
„aber noch nicht heute“.
Am 18. Mai konstituiert sich der neue Landtag und Gordon Schnieder wird
wohl zum Ministerpräsidenten gewählt. Dass nun SPD und CDU eine Regierung
bilden, ist wenig überraschend – bereits im [5][Wahlkampf deutete sich eine
solche Koalition an]. Zudem hatten beide die Zusammenarbeit mit der AfD
ausgeschlossen. Damit ist rechnerisch Schwarz-Rot die einzige Option im
Mainzer Landtag – mal abgesehen von einer Minderheitsregierung.
Am Mittwoch gaben Schweitzer und Schnieder nun die Schwerpunkte des
Koalitionsvertrags bekannt und damit, welche Themen die Regierung in den
nächsten Jahren prägen werden. Dabei fallen fünf Fachministerien an die
SPD, vier an die CDU. Hinzu kommt ein neues CDU-geführtes Ministerium für
Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport, Ehrenamt und Medien, welches zur
Staatskanzlei gehören wird.
Welche Personen die Ministerien künftig führen werden, wolle man in der
kommenden Woche verraten, sagte Schnieder. Vorher sollen beide Parteien dem
Koalitionsvertrag zustimmen. Die SPD plant dafür am Samstag einen
Parteitag. Bei der CDU entscheidet am selben Tag der Landesparteiausschuss.
## Neue Ordnung in den Ministerien
Bei der Aufteilung der zugeteilten Ministerien gab es einige
Überraschungen. So fällt das Finanzministerium an die SPD. Dafür war schon
bisher die SPD-Finanzministerin Doris Ahnen zuständig, die an den
Koalitionsverhandlungen beteiligt war.
Allerdings hatte Schnieder bereits im Wahlkampf deutlich gemacht, dass
seiner Meinung nach Staatskanzlei und Finanzministerium zusammengehören.
Anders also als in Berlin, wo mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) und
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Posten nicht von der gleichen
Partei besetzt sind. Darauf angesprochen verwies Schnieder auf den
Kompromiss, den man in den Verhandlungen eben eingegangen sei. Schweitzer
ergänzte: Das Finanzministerium solle kein „Blockadehaus“ sein.
## Ein Jahr Kita soll Pflicht werden
Zum ersten Mal seit 35 Jahren verliert die SPD dafür das
Bildungsministerium. Vermutlich auch, weil Bildung ein zentrales
Wahlkampfthema der CDU war. Sie forderte im Wahlkampf eine
Grundschulgarantie, ein „verpflichtendes“ Kita-Jahr und ein
Deutschland-Ticket für alle Schülerinnen und Schüler. Die SPD kostenfreie
Schulbücher.
Jetzt habe man sich auf ein „verbindliches“ letztes Kita-Jahr geeinigt. Das
heißt laut Schnieder: „Es ist im Rahmen dessen, was verfassungsrechtlich
machbar ist“. Im Wahlkampf hatte bereits die SPD darauf verwiesen, dass ein
verpflichtendes Kita-Jahr nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Zudem
sollen verbindliche Sprachtests ausgedehnt werden. Allerdings „nicht von
heute auf morgen, sondern schrittweise“. Das hatte allerdings bereits die
SPD in der vergangenen Legislatur beschlossen. Während die
Lernmittelfreiheit kommen soll, gilt das für das Deutschland-Ticket
hingegen nicht.
Auffallend außerdem: Klima und Umwelt finden sich in getrennten Ressorts.
Umwelt- und Landwirtschaftspolitik sollten künftig in einem Haus vereint
werden, das hatte Schnieder schon im Wahlkampf gefordert. Klima fällt in
das Ministerium für Wirtschaft und Energie.
Das von der rheinland-pfälzischen Ampel verabschiedet Klimaschutzgesetz
wollte die CDU zurücknehmen. Im Koalitionspapier wird jetzt deutlich: Das
Gesetz bleibt. Man habe „Eine kluge Einigung erreicht“ so Schweitzer. Ob
das Land Rheinland-Pfalz bis 2040 klimaneutral werden kann, wie es das
Gesetz vorsieht, wolle man allerdings „deutlich früher“ als 2031 prüfen.
Sollte die Klimaneutralität bis dahin nicht erreichbar sein, wolle man das
„Ziel verändern“, so Schweitzer.
30 Apr 2026
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## AUTOREN
DIR Jana Laborenz
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