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       # taz.de -- Urteil zum Kulturstaatsminister: Der schwankende Weimer
       
       > Ein Gericht untersagt Wolfram Weimer die Einstufung eines Buchladens als
       > linksextrem. Ein Rücktritt wäre jetzt angemessen.
       
   IMG Bild: Dem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wurden die Leviten gelesen
       
       Ja, darf man denn jetzt gar nichts mehr sagen? Darf man schon. Aber
       zumindest für Minister gelten klare Grenzen. Das sollte dem
       Kulturstaatsminister eigentlich bekannt sein. Doch Wolfram Weimer braucht
       da offenbar Nachhilfe vom Berliner Verwaltungsgericht. [1][Das hat ihm am
       Donnerstag untersagt], die Betreiber des Berliner Buchladens „Zur
       schwankenden Weltkugel“ als „politische Extremisten“ zu bezeichnen. [2][Den
       hatte er zusammen mit zwei weiteren Läden von der Preisträgerliste des
       Deutschen Buchhandlungspreises ausgeschlossen].
       
       Das Gerichtsurteil liest sich wie eine praxisorientierte Schnelleinführung
       ins Levitenlesen. Weimer habe den Rahmen des für amtliche Äußerungen
       geltenden Sachlichkeitsgebots verlassen, heißt es da. Und er müsse sich das
       Fehlen einer hinreichenden Tatsachengrundlage für seine Äußerung vorwerfen
       lassen. Vor seine Einstufung der Buchläden als linksextrem hätte Weimer die
       ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Tatsachenermittlung im Rahmen
       der rechtlichen Grenzen ausschöpfen müssen. Was er offenbar nicht getan
       hat. Denn die alleinige Berufung [3][auf verfassungsschutzrelevante
       Erkenntnisse], trage die zuspitzende Bewertung als politische Extremisten
       nicht.
       
       Kurz zusammengefasst: Wer als Minister extreme Urteile fällt, muss sie
       nicht nur gut begründen können, sondern vor allem Ahnung von der Materie
       haben. Ansonsten: Klappe halten! Deutlicher geht es kaum. Und es gibt jede
       Menge Politiker:innen, die wegen deutlich geringerer Verstöße gegen den
       Anspruch an ihr Amt von eben diesem zurückgetreten sind. Hätte Weimer ein
       Gespür für politische Kultur, würde er spätestens jetzt abtreten.
       
       Aber ein Rücktritt gehört in der Regel leider nicht zur Praxis
       konservativer Geister. Erst recht nicht, wenn sie zu den Best Buddys des
       Bundeskanzlers zählen. Weimer und Friedrich Merz sind so eng miteinander
       verbandelt, dass ein Abtritt des Ministers unweigerlich auch einen weiteren
       Schatten auf seinen Chef werfen würde. Also bleibt Weimer im Amt,
       schwankender noch als die Weltkugel [4][des engagierten linken Buchladens].
       Aber wer die Welt nicht mehr versteht, findet auch keinen Grund zur
       Selbstreflexion.
       
       30 Apr 2026
       
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