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       # taz.de -- Buckelwal wieder in offener See: Timmy ist erstmal frei
       
       > Tagelang war das Rettungsteam mit dem Meeressäuger in Richtung Nordsee
       > unterwegs. Gegen 9 Uhr am Samstagmorgen schwamm Buckelwal Timmy nun aus
       > dem Lastkahn.
       
   IMG Bild: Tagelang war der Lastkahn mit Buckelwal Timmy in Richtung Nordsee unterwegs
       
       dpa/taz | Gegen 9 Uhr am Samstagmorgen verließ Buckelwal Timmy den
       Lastkahn. Der aus einer flachen Ostsee-Bucht an der Insel Poel geborgene
       Buckelwal ist nach Angaben aus dem Team der verantwortlichen
       Privatinitiative und nach Bildern des Livestream-Anbieters News5 in der
       Nordsee freigesetzt worden. Der Wal sei gegen 9.00 Uhr nicht mehr [1][im
       Lastkahn] gewesen, sagte Jens Schwarck, Mitglied der privaten Initiative
       und beim Transport mit dabei, der Deutschen Presse-Agentur. Der Konvoi
       befand sich am Morgen etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerak.
       
       Auf News5-Drohnenaufnahmen war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu
       erkennen – ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ
       sich nicht gesichert sagen. Ob es Senderdaten gebe, sei bisher unklar,
       sagte Schwarck. Es gab zudem keine Angaben dazu, in welchem Zustand sich
       das Tier befand und wie genau es von Bord schwamm oder bugsiert wurde.
       
       Der Lastkahn mit dem mehrfach an deutschen Ostsee-Küsten gestrandeten
       Buckelwal hatte am Freitag nach tagelanger Reise die Nordsee schon fast
       erreicht – drehte jedoch etwa 20 Kilometer vom nördlichsten Punkt Dänemarks
       entfernt ab. An diesem Punkt nahe der Stadt Skagen fließen Kattegat und
       Skagerrak zusammen, weshalb auch vom Eingang zur Nordsee gesprochen wird.
       
       ## Wal verließ Lastkahn stundenlang nicht
       
       Im Bereich dieses Übergangs hatte es über Stunden hohen Wellengang gegeben.
       In ruhigerem Wasser – wieder ein Stück zurück in der Ostsee – wurde am
       Nachmittag das Absperrnetz an der Rückseite des Lastkahns entfernt. Der
       Wasserstand in der Barge sei zunächst nicht verändert worden, hieß es aus
       dem Team der Initiative. Trotz des nun offenen Ausgangs hatte der Wal den
       Lastkahn über viele Stunden nicht verlassen.
       
       Vor dem Freisetzen soll noch ein GPS-Sender angebracht worden sein, mit dem
       sich der künftige Standort des Wals erkennen ließe. Ob das gelang und der
       Sender Daten liefert, war zunächst unklar.
       
       Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der
       Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund
       zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen. Am Dienstag war er vor der Insel
       Poel in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper
       gekoppelt Richtung Nordsee startete.
       
       ## Kann er normal tauchen und fressen?
       
       Als gerettet gilt der Wal auch nach dem Freisetzen nicht. Nach der langen
       Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne,
       hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt. Auch die
       Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul
       gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als
       fit.
       
       Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte:
       „Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im
       Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder
       vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und
       an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.“
       
       ## Senderdaten nicht öffentlich zugänglich
       
       Nach Einschätzung unter anderem von WDC und Internationaler
       Walfangkommission (IWC) hat der Wal kaum langfristige Überlebenschancen.
       Ohne funktionierenden Sender droht allerdings unbemerkt zu bleiben, würde
       das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verenden.
       
       Die Allgemeinheit wird seinen Weg ohnehin nicht verfolgen können: Die
       Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur den Teammitgliedern der
       Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur
       Verfügung gestellt, hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von
       der Meden, gesagt.
       
       ## Was, wenn der Wal in Dänemark erneut strandet?
       
       Das dänische Umweltministerium teilte in diesem Zusammenhang mit, dass man
       gestrandete Meeressäugetiere prinzipiell nicht rette. Strandungen seien
       „ein natürlich vorkommendes Phänomen“ und Wale sollten generell „nicht
       durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört“ werden.
       
       Eine langfristig erfolgreiche Rettung wiederum ließe sich vermutlich daran
       festmachen, dass der Wal in den nächsten Jahren in seinen nördlichen
       Nahrungsgründen, südlichen Paarungsgebieten oder auch dazwischen, während
       seiner Wanderungen, gesichtet und mittels Foto-ID eindeutig identifiziert
       werde, hieß es von WDC. „Das wäre ein klares Indiz dafür, dass er seinem
       natürlichen Verhalten nachkommt.“
       
       ## Anfang März erstmals gesichtet
       
       Der rund zwölf Meter lange Wal war am 3. März im Hafen von Wismar
       (Mecklenburg-Vorpommern) gesehen worden. Helfer entfernen Teile von
       Fischernetz von ihm. Am 23. März wurde er weiter westlich auf einer
       Sandbank vor Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein) entdeckt.
       
       In der Nacht zum 27. März verschwand der Wal aus dem Strandbereich –
       schwamm aber schon am 28. März erneut ins Flachwasser: auf eine Sandbank in
       der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch. Am 29. März ging es bei
       steigendem Wasserstand kurz weiter, wenige Meter weiter verharrte der Wal
       in der Wismarbucht wieder.
       
       Experten versuchten, ihn zum Wegschwimmen zu bringen. Am 30. März zog das
       Tier tatsächlich wieder los – allerdings nur, um am 31. März schon wieder
       eine Flachwasserzone aufzusuchen, diesmal im Kirchsee, einem Teil der
       Wismarbucht vor der Insel Poel. Nach einem Experten-Gutachten sollte das
       geschwächte Tier nun in Ruhe gelassen werden.
       
       ## Landesumweltminister Backhaus duldete die Aktion
       
       Mitte April gab Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus
       überraschend bekannt, dass das Transportkonzept einer privaten Initiative
       geduldet werde. Finanziert wird das Vorhaben von der aus dem Pferdesport
       bekannten Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer
       Walter Gunz. [2][Diese organisierten die letzte Rettungsaktion] – bis zur
       Aussetzung des Wals.
       
       2 May 2026
       
       ## LINKS
       
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