# taz.de -- Die Wahrheit: Wohnungen zu Golfplätzen!
> In einer der wohlhabendsten Gegenden Irlands verteidigen die Anwohner
> ihren grünen Lochsport bis aufs Blut gegen den schnöden Teufel
> Wohnungsbau.
Warum soll man Wohnhäuser bauen, wenn man stattdessen einen Golfplatz haben
kann? In Dún Laoghaire südlich der irischen Hauptstadt Dublin sollen bis
2030 gut 23.000 neue Wohnungen entstehen, so hat der Wohnungsbauminister
James Browne angeordnet, um die eklatante Wohnungskrise etwas abzumildern.
Die Bezirksverwaltung kam deshalb auf die törichte Idee, zwei Golfanlagen
im Ortsteil Stepaside in Bauland umzuwidmen.
Da haben sie die Rechnung ohne die Anwohner gemacht. Mehr als 300 Menschen
legten Einspruch gegen die Pläne ein. „Wie können Sie es wagen“, schrieb
einer, „das Gefüge der Gegend zu zerstören?“ Wer weiß, was für Gesindel in
die neuen Häuser einziehen und die Hauspreise verderben könnte?
„Angesichts des enormen Bevölkerungswachstums in der Gegend brauchen wir
mehr denn je Golfplätze“, erklärte ein junger Mann bar jeder Logik.
Stepaside sei überfüllt, meinte auch ein Ehepaar. „Die Menschen hier
brauchen Freizeiteinrichtungen und keine Häuser, Wohnungen und
Appartements.“
Ein Mann sagte, dass er für keines der Ratsmitglieder stimmen werde, sollte
der Vorschlag nicht zurückgezogen werden. „Ich werde meine Frau anweisen,
dies ebenfalls nicht zu tun.“ In Stepaside hat der Mann noch zu bestimmen.
Wäre ja noch schöner, wenn die Stepford-Gattinnen eine eigene Meinung
hätten.
## Wohlhabendste Gegend
Dún Laoghaire gilt als eine der wohlhabendsten Gegenden Irlands. Hier
findet man die höchsten Immobilienpreise und das höchste Einkommensniveau
des Landes. Sieben Abgeordnete wohnen in dem Wahlkreis. Und die haben
wahrlich Probleme genug, hat man ihnen doch gerade die Preise in der
Kantine und der Bar des Parlaments erhöht.
Eine Mittagssuppe kostet nun drei Euro statt wie bisher 2,70 Euro, und der
Preis für einen Teller Räucherlachs stieg von zehn auf 11,50 Euro. Für den
frittierten Tintenfisch mit Zitronen-Knoblauch-Aioli muss man jetzt sogar
9,50 statt acht Euro hinblättern. Das ist natürlich immer noch weit
weniger, als Normalsterbliche in den Restaurants in der Nachbarschaft
berappen müssen. Die Parlamentsverpflegung ist so günstig, weil die
Betriebskosten wie Miete, Strom und Versicherungen zentral für das gesamte
Gebäude bezahlt werden.
Die Abgeordneten werden also auf Kosten der Steuerzahler ernährt, damit sie
nicht darben müssen. Ihr Grundgehalt beträgt nur knapp 120.000 Euro im
Jahr, aber hinzukommen Spesen für die Anreise. Manche Abgeordnete aus den
entlegenen Teilen der riesigen Insel kassieren für ihren weiten Weg mehr
als 30.000 Euro im Jahr.
Zum Glück kann man sich im Parlament nach wie vor günstig betrinken, denn
der Preis für Wein wurde nicht erhöht. Die Kosten für ein Glas
parlamentarischen Merlot oder Sauvignon Blanc liegen weiterhin bei 6,60
Euro. Betrachtet man die Parlamentsdebatten, liegt der Verdacht nahe, dass
so mancher Abgeordnete reichlich Gebrauch davon macht.
4 May 2026
## AUTOREN
DIR Ralf Sotscheck
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