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       # taz.de -- Grüne und CDU in Baden-Württemberg: Vertrauensverhältnis bleibt ausbaufähig
       
       > Nach zähen Verhandlungen haben sich Grüne und CDU in Baden-Württemberg
       > auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Am Mittwoch soll er vorgestellt
       > werden.
       
   IMG Bild: Cem Özdemir und Manuel Hagel nach dem „erfolgreichen“ Abschluss der Koalitionsverhandlungen
       
       Fast zwei Monate nach der Wahl steht in Baden-Württemberg der
       Koalitionsvertrag zwischen Grünen und CDU. Am Mittwoch soll er der
       Öffentlichkeit präsentiert werden. Der [1][künftige Regierungschef Cem
       Özdemir] sagte: „Das, was wir da erreicht haben, kann sich wirklich sehen
       lassen. Das ist nicht der kleinste gemeinsame Kompromiss.“
       
       Damit gehen wochenlange, zähe Verhandlungen zwischen den Parteien zu Ende,
       die bereits zehn Jahre zusammen regiert haben. Noch vergangene Woche beim
       [2][Abschied von Winfried Kretschmann] wusste Ex-Bundespräsident Joachim
       Gauck nicht so recht, wie er Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU)
       ansprechen sollte. Er begrüßte die „lieben Präsidenten des
       Bundesverfassungsgerichts und die verehrte Präsidentin des
       Bundesgerichtshofs“ und suchte dann unter dem Gelächter des Publikums nach
       Titeln für die beiden Koalitionäre: „Liebe … äh, Özdemir und Hagel …“
       
       Seit diesem Wochenende gilt nun als sicher: Özdemir wird am 13. Mai
       tatsächlich mit den Stimmen von CDU und Grünen zum Ministerpräsidenten
       gewählt und Hagel wird sein Stellvertreter. Die Parteien einigten sich
       darauf, dass die CDU, die bei der Wahl nur wenige tausend Stimmen weniger
       bekommen hatte als die Grünen, sechs Ministerien erhalten. Darunter die
       wichtigen Ressorts Innen und Wirtschaft sowie die bisher grün geführten
       Ministerien Kultus und Verkehr.
       
       Neu dazu kommt für die CDU auch das Amt des Landtagspräsidenten. Ein
       weiteres Zugeständnis der Grünen an den Koalitionspartner. Denn eigentlich
       hat der Wahlgewinner das Vorschlagsrecht und [3][Muhterem Aras galt bisher
       als profilierte Parlamentspräsidentin.] Personalien wurden bisher nicht
       bekannt. Wobei bei den Grünen sicher gilt, dass [4][Finanzminister Danyal
       Bayaz] weiter im Amt bleibt sowie Umweltministerin Thekla Walker und
       Wissenschaftsministerin Petra Olschowski ihre Ressorts behalten. Dazu
       können die Grünen Soziales und Wohnungsbau neu besetzen. Zudem bleibt wie
       von der taz schon im Februar gemeldet, der [5][Tübinger OB-Bürgermeister
       als Staatsrat für Bürokratieabbau im Gespräch.]
       
       Die deutlichen Zugeständnisse an die CDU erklären sich aus dem knappen
       Wahlergebnis vom 8. Mai, bei dem beide Parteien mit der gleichen Zahl an
       Abgeordneten in den Landtag einziehen. Schon bei den Sondierungen wurden
       sehr detaillierte Punkte festgehalten. Darunter auch die Wahlversprechen,
       das letzte Kita-Jahr kostenlos zu machen, Berichtspflichten für Unternehmen
       abzuschaffen und mit einer Milliarde Euro Projekte zum Klimaschutz zu
       fördern. Eine aus der Zeit gefallene Forderung der CDU, die Arbeitszeit für
       Beamte um eine Wochenstunde zu kürzen, wurde abgelehnt.
       
       Nach der Wahl war es für die CDU offenbar schwer, das knappe Ergebnis
       anzuerkennen. Die Partei hatte sich über [6][eine vermeintliche
       Schmutzkampagne der Grünen] beschwert, weil die grüne Abgeordnete Zoe Meyer
       ein acht Jahre altes Video von Manuel Hagel verbreitet hatte, in dem er
       sich unangemessen über eine Schülerin geäußert hatte. Hagel und andere aus
       der Partei sprachen von verlorenem Vertrauen und einem neuen Stil der
       Grünen ohne Winfried Kretschmann.
       
       Tatsächlich ist es die Enttäuschung der Konservativen, einen großen
       Vorsprung in den Umfragen mit einem uninspirierten Wahlkampf verspielt zu
       haben, die die Verhandlungen so erschwert hat. In einzelnen Gruppen habe es
       bei der CDU-Delegation eine „Payback-Stimmung“ gegeben. Die CDU habe
       versucht, in ihre Ressorts mehr Zuständigkeiten zu überführen, um eine
       bessere Ausgangslage für eine Wahl in fünf Jahren zu haben. Auch das
       persönliche Verhältnis zwischen Hagel und Özdemir gilt trotz aller
       Beteuerungen und Duz-Versuche als ausbaufähig.
       
       Keine idealen Voraussetzungen für eine Koalition, die 60 Prozent der
       Wählerstimmen erhalten hat und zum Erfolg verdammt ist. Denn
       Koalitionsalternativen gibt es im neuen Landtag von Baden-Württemberg
       keine. Weder die dramatisch schwachen Sozialdemokraten (5,5 Prozent) noch
       die aus dem Parlament geflogenen Liberalen stehen als Regierungspartner zur
       Verfügung. Eine Zusammenarbeit mit der AfD hatte Spitzenkandidat Manuel
       Hagel immer strikt abgelehnt, was ihm harte öffentliche Kritik vor allem
       vom Landesvorsitzenden der Mittelstandsvereinigung der Partei (MIT)
       einbrachte, der Hagel wegen seines Auftretens und seines Kurses öffentlich
       für das Wahlergebnis verantwortlich machte.
       
       3 May 2026
       
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