# taz.de -- ADAC und Kartellamt schlagen Alarm: Tankrabatt kommt nicht komplett bei Verbraucher:innen an
> Die Steuersenkung gilt – aber die Preise an der Tankstelle sinken nicht
> entsprechend. Die Branche spricht von einem „Übergangseffekt“.
IMG Bild: Was kommt beim Kunden vom Tankrabatt an? Preise an einer Tankstelle in Nordrhein-Westfalen Anfang April
Der seit dem 1. Mai geltende [1][Tankrabatt] ist bislang nicht komplett bei
den Verbraucher:innen angekommen. Das zeigen Zahlen des
Bundeskartellamts und des Autoclubs ADAC. Die Mineralölbranche begründet
das mit dem vorübergehenden Abverkauf von Lagerbeständen, für die der
Tankrabatt noch nicht gegolten hat. Ab Mitte der Woche soll nach Angaben
des Mineralölverbands En2x der Tankrabatt bei den Verbraucher:innen
ankommen.
Der sogenannte Tankrabatt besteht in einer vorübergehenden Senkung der
Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel um 17 Cent. Damit möchte die
Bundesregierung die Spritkosten dämpfen, die nach den [2][Angriffen auf
Iran] und die darauf folgende Sperrung der Straße von Hormus Anfang März
stark gestiegen sind. Durch die Meerenge werden rund 20 Prozent des
Weltmarktvolumens an Öl transportiert. Aufgrund der Knappheit auf dem
Weltmarkt sind die Preise gestiegen.
Hält die Blockade an, werden die Preise weiter steigen. Die Bundesregierung
hat deshalb für die beiden Monate Mai und Juni die Mineralölsteuer gesenkt.
Das kostet voraussichtlich 1,6 Milliarden Euro. Umwelt- und
Verbraucherverbände kritisieren den Tankrabatt scharf, weil er als Signal
zum weiteren Autofahren statt zum Spritsparen verstanden wird. Außerdem
fürchten sie, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung zumindest
teilweise einfach behalten.
Diese Befürchtung bestätigt sich bislang offenbar. „Die Preise sind am 1.
Mai um knapp 13 Cent gefallen und seitdem wieder leicht angestiegen“, sagt
der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt. Nach Angaben des
Bundeskartellamts lagen die Durchschnittspreise am Montagmorgen für Diesel
bei 2,08 Euro pro Liter Diesel, für E5 bei 2,05 Euro und für E10 bei 1,99
Euro. Die Senkung der Mineralölsteuer solle Verbraucher:innen und
Wirtschaft in einer schwierigen Phase entlasten, sagte Mundt. „Die
Mineralölkonzerne sind allenfalls Treuhänder dieser Entlastung, sie ist
nicht für sie bestimmt“, mahnte er.
## Mineralölverband verteidigt Preispolitik der Händler
Nach Angaben des ADAC sind die Preise im Vergleich zum 30. April zuletzt
nur um 10,9 Cent bei Super E10 und 11,1 Cent bei Diesel gesunken. Dabei
waren die Preise kurz vor Start des Tankrabatts teilweise drastisch
gestiegen. Höhere Einkaufspreise auf dem Weltmarkt können nach Auffassung
des ADAC die geringe Senkung nicht erklären. Der Rohölpreis sei niedriger
als Ende April. Deshalb müsste die Tanktarife eigentlich um mehr als 17
Cent sinken, sagt der ADAC.
Der Mineralölverband En2x verteidigt die Preispolitik der Händler. „Ein
Großteil des Tankrabatts ist weitergegeben worden“, sagte ein Sprecher von
En2x der taz. Dass die Senkung die Verbraucher:innen nicht komplett
erreicht hat, sei ein „Übergangseffekt“. „Wir haben ein langes,
verkehrsreiches Wochenende hinter uns“, sagte er. Durch höhere Preise an
den Tankstellen sei ein „Leerstand“ der Lager verhindert worden.
Dem Verband zufolge hätten Tankstellen draufzahlen müssen, wenn sie die
Steuersenkung sofort weitergegeben hätten – weil die eingekauften Bestände
noch ohne Rabatt beschafft wurden. Wann genau dieses Benzin und dieser
Diesel abverkauft sind, kann der Verband nicht sagen. Das werde innerhalb
dieser Woche der Fall sein, sagte der Sprecher.
Er weist den Vorwurf zurück, dass die Konzerne die Steuersenkung behalten.
„Von den 1,6 Milliarden Euro bleibt bei uns nichts hängen“, sagte der
Sprecher. Daten etwa von Einkaufs- und Abgabepreisen, anhand derer die
Konzerne das nachvollziehbar belegen können, werden allerdings nicht
vorbereitet. „Das ist letztlich nicht zu beweisen. Es gibt die Daten
nicht“, sagte er. „Der Verdacht wird nicht auszuräumen sein.“
Die Bundesregierung mahnte am Montag eine komplette Weitergabe des
Tankrabatts an. Sie hat vor der Einführung die Warnungen ignoriert, dass
die Mineralölkonzerne Teile der Steuersenkung einstecken. Genau das war
bereits während des dreimonatigen Tankrabatts in der Energiepreiskrise 2022
geschehen.
[3][Die Bundesregierung hat das Kartellrecht verschärft], um
missbräuchliche Spritpreiserhebungen der Mineralölkonzerne zu verhindern.
Das wirkt allerdings nicht kurzfristig, denn Untersuchungen des Kartellamts
gegen Unternehmen dauern lange und sind schwierig. Erst in der vergangenen
Woche hat die Behörde einen herben Dämpfer erhalten. Das Oberlandesgericht
Düsseldorf hat in einem Eilverfahren eine im vergangenen Frühjahr begonnene
Untersuchung zur Rolle von Preisinformationsdiensten im
Kraftstoffgroßhandel vorläufig gestoppt.
Das Bundeskartellamt wollte dem Verdacht nachgehen, dass Unternehmen die
Preisbildung beeinflussen, indem sie den Diensten nicht alle Preise melden.
Die Richter:innen stellten infrage, ob die Behörde überhaupt
verpflichtende Auskunftsanfragen an Unternehmen stellen dürfe. Das
Bundeskartellamt hat beim Bundesgerichtshof Rechtsmittel gegen das
Düsseldorfer Urteil eingelegt.
4 May 2026
## LINKS
DIR [1] /Steuerfreie-1000-Euro-Entlastungspraemie/!6173634
DIR [2] /Schwerpunkt-Iran-Krieg/!t5613610
DIR [3] /Kosten-fuer-Benzin-und-Diesel/!6162707
## AUTOREN
DIR Anja Krüger
## TAGS
DIR Schwerpunkt Iran-Krieg
DIR Benzinpreise
DIR Verbrenner
DIR Reden wir darüber
DIR Social-Auswahl
DIR Tankrabatt
DIR Schwerpunkt Iran-Krieg
DIR wochentaz
DIR Entlastungspaket
DIR Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Entlastung von Bürger*innen: 9-Euro-Ticket war 2022 eine kosteneffiziente Hilfe vom Staat
Sozialer Wert und klimafreundlich: Warum Wissenschaftler*innen die
Fahrkarte als kurzfristige Maßnahme empfehlen – nur nicht unbedingt auf
Dauer.
DIR Entlastung in der Energiekrise: Warum der Tankrabatt genau richtig ist
Wir brauchen mehr Großzügigkeit im Kleinen für die utopische Transformation
im Großen. Ein bisschen Gießkannenprinzip schadet dabei gar nicht.
DIR Tankrabatt beschlossen, Preise steigen: Union, SPD und AfD machen Mineralöl-Konzernen eine Freude
Bundestag und Bundesrat winken den Tankrabatt durch. Die Konzerne machen
umgehend das Erwartbare: Sie erhöhen massiv die Preise für Diesel und
Benzin.
DIR Hohe Benzinpreise: Bitte kein neuer Tankrabatt!
Politiker:innen überschlagen sich mit Vorschlägen für billigeren
Sprit. Gezielte Hilfen für ärmere Autofahrer wären allerdings sinnvoller.