# taz.de -- Inlandsgeheimdienst in Israel: Unter rechtsextremen Kommando
> Israels Polizeiführung steht ideologisch stramm an der Seite des
> rechtsradikalen Ben Gvir. Nun könnte auch der Inlandsgeheimdienst folgen.
IMG Bild: Stramm auf Rechtskurs: Der Chef des israelischen Geheimdienstes Schin Bet, David Zini
Als David Zini im Oktober Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet übernahm,
warnten Kritiker, der Anhänger der messianischen Siedlerideologie könne die
mächtige Sicherheitsbehörde politisieren. Jetzt könnte genau das begonnen
haben: Zini ließ laut einem Bericht des israelischen Senders Kan 11 jüngst
alle Beförderungen in seiner Behörde einfrieren.
„Das ist nicht etwa ein Reformversuch [1][wegen des Versagens vor dem
Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023], das ist eine Machtdemonstration“, sagt
ein ehemaliger Mitarbeiter des Geheimdienstes der taz. „Es geht darum, die
Führungsebene der Organisation, die ihm Widerstand leistet, in die
Schranken zu weisen.“
In den kommenden Monaten stehen mehrere wichtige Neubesetzungen in der
Führung des Geheimdienstes an. Kritiker befürchten, dass religiöse
Ideologie und Loyalität dabei unter Zini schwerer wiegen könnten als
Kompetenz und Professionalität.
Rund ein halbes Jahr nach Zinis Amtsantritt berichten Geheimdienstler der
Tageszeitung Ha'aretz von einem Klima der Angst sowie einer Vertrauenskrise
zwischen dem Chef und führenden Mitarbeitern. Demnach soll Zini in
Sitzungen regelmäßig Mitarbeiter mundtot machen, die nicht seiner Meinung
sind. Er weigere sich zudem, Gegenargumente anzuhören. Mitarbeiter
beschreiben die Stimmung gegenüber Ha'aretz als „feindselig“.
## Unabhängige Aufarbeitung
Zini hatte im Oktober 2025 seinen Vorgänger Ronen Bar abgelöst, nachdem
dieser Regierungschef Benjamin Netanjahu und dessen Ministern in
Sicherheitsfragen wiederholt widersprochen hatte. So hatte Bar eine
unabhängige Aufarbeitung des Versagens am 7. Oktober gefordert.
Netanjahu will das verhindern. Mit Blick auf Gaza drängte Bar mehrfach auf
Verhandlungen und eine Einbindung der Palästinensischen Autonomiebehörde
als Alternative zur Hamas. Netanjahu lehnt das ab. Vor allem aber wandte
sich Bar ungewöhnlich scharf gegen eskalierende Siedlergewalt im
Westjordanland, die er als „jüdischen Terrorismus“ bezeichnete.
Zini ist in vielem das Gegenteil. Er sei „wie ein Fuchs, der den
Hühnerstall bewachen soll“, schreibt der Geheimdienstexperte Yossi Melman
auf der israelischen Investigativplattform The Seventh Eye. Zinis eigener
Sohn sei von der Schin-Bet-Abteilung für jüdischen Terrorismus beobachtet
worden. Jüngst bezeichnete Zini die beispiellose Welle tödlicher Angriffe
und Pogrome gegen Palästinenser unter den Augen der Sicherheitsbehörden im
Westjordanland als „Reibereien“.
„Zini selbst zählt zum Lager des religiösen Zionismus“, sagt der frühere
Schin-Bet-Mitarbeiter. „Er war auf der orthodox-nationalistischen
Thoraschule Har Hamor und macht daraus keinen Hehl.“ Doch Zinis
Interessenskonflikte beschränken sich nicht nur auf die Politik: Im Februar
wurde sein Bruder wegen mutmaßlicher Beteiligung an einem Schmugglerring
festgenommen, der sich an Lieferungen in den von Israel abgeriegelten
Gazastreifen bereichert haben soll.
## Hinweise werden abgeblockt
In der Schin-Bet-Führung ist laut Ha'aretz seit Zinis Amtsantritt ein
Graben aufgerissen. Auf der einen Seite stehen die altgedienten
Abteilungsleiter, auf der anderen Zini und sein von ihm berufener
Stellvertreter. Anders als die meisten früheren Leiter der Behörde kommt er
von außen und war zuletzt Generalmajor der israelischen Armee. „Ich höre
von Kontakten innerhalb des Schin Bet, dass Zini scheinbar Grundlagen der
Geheimdienstarbeit nicht versteht und keine Anstalten macht, sie zu
lernen“, sagt ein früherer Geheimdienstler.
Stattdessen blocke Zini Hinweise auf problematische Entscheidungen ab,
schreibt Ha'aretz. Mitarbeiter der Rechercheabteilung, deren
Lageeinschätzungen häufig nicht mit Zinis politischen Ansichten
übereinstimmen würden, treibe die Sorge um, Meinungen nicht mehr frei
äußern zu können.
Zini vertraue demnach lediglich seinem Stellvertreter. Auch dessen
Personalie ist fragwürdig: Dieser hatte acht Jahre zuvor seine Arbeit als
Leiter der Gaza-Abteilung des Geheimdienstes eingestellt, laut mehreren
Quellen wegen unprofessionellen Verhaltens und Gefährdung von
Einsatzkräften. Seine Berufung befeuert Befürchtungen, Zini könne bei den
anstehenden Besetzungen ideologische Nähe höher gewichten als
Professionalität.
Neu ist das nicht: Israels Polizei hat eben diese Politisierung bereits
hinter sich. [2][Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir hat
binnen drei Jahren einen Großteil der Polizeiführung mit loyalen Kandidaten
besetzt]. Seitdem ist ein Anstieg tödlicher Gewalt in vernachlässigten
palästinensischen Gemeinden in Israel ebenso zu beobachten wie zunehmende
Gewalt gegen regierungskritische Proteste.
Gelingt es Zini, den Schin Bet ebenso zu ideologisieren, dürften die Folgen
weit drastischer sein. Der Geheimdienst gilt als einer der technisch
fortschrittlichsten Dienste der Welt mit Zugriff auf zahlreiche Werkzeuge
zur Massenüberwachung und einem dichten Netz an Informanten in den
palästinensischen Gebieten. Bereits heute sitzen mehr als 3.500
Palästinenser ohne Anklage aufgrund von Geheimdienstinformationen als
Verwaltungshäftlinge in israelischen Gefängnissen.
5 May 2026
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## AUTOREN
DIR Felix Wellisch
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