# taz.de -- Missbrauchsverdacht im Krankenhaus: Nacktfotos von betäubten Kindern
> Ein Anästhesist wird beschuldigt, über Jahre hinweg sexualisierte Fotos
> von bewusstlosen minderjährigen Patientinnen gemacht zu haben.
IMG Bild: Produziert eine Situation der Hilflosigkeit: Narkose
Vor dem Landgericht Hannover hat der Prozess gegen einen Arzt begonnen, der
beschuldigt wird, jahrelang heimlich Nacktfotos von minderjährigen
Patientinnen gemacht zu haben. Der jetzt 52-Jährige war als Anästhesist im
Krankenhaus in Neustadt am Rübenberge beschäftigt, in der Region Hannover.
Die Anklage umfasst elf Taten über einen Zeitraum von September 2010 bis
Juli 2024. Die Opfer waren fast alle zwischen 8 und 13 Jahre alt, einmal
traf es eine 22-Jährige. Die Beschreibung der Taten ähnelt sich: Meist
befinden sich die Mädchen in Rückenlage auf einer Liege, augenscheinlich
bewusstlos, einen Tubus im Mund. Oft fotografierte er „nur“ die nackte
Brust in verschiedenen Ausschnitten – mit Gesicht oder ohne. In einigen
Fällen aber auch die Vulva oder das Gesäß.
Daraus ergibt sich auch einer der härteren Anklagepunkte: Im Falle einer
Achtjährigen soll er außerdem die Genitalien berührt haben, um die
kindliche Vulva besser ins Bild zu kriegen. Ursprünglich hätten es noch
mehr Anklagepunkte sein sollen – aber nicht in allen Fällen konnten die
Opfer ermittelt werden. Andere Fälle wurden aus juristischen Gründen
aussortiert.
Auch im privaten Umfeld, bei Freundinnen der eigenen Tochter, soll der Arzt
übergriffig geworden sein. Die Anklage nennt zwei Fälle, in denen er
Mädchen dazu gebracht hat, sich auszuziehen und sexualisierte Posen
einzunehmen. Ein Opfer war erst fünf Jahre alt und wurde im Kinderzimmer
seiner Tochter fotografiert. Drei weitere Mädchen im Alter von sieben bis
acht Jahren, die nackt auf einer Schaukel posierten, sind nicht sicher
identifiziert.
## Im Urlaub nackte Kinder gefilmt
Aufgeflogen war der Mann nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft, weil
er im Sommer 2024 in Kroatien in einem FKK-Camp nackte Kinder mit seinem
Handy filmte. Der Sicherheitsdienst hielt ihn fest, die kroatische Polizei
fand auf seinem Mobiltelefon eine Reihe von Bildern, die offensichtlich aus
seinem Arbeitsbereich im Krankenhaus stammten und meldete dies den
deutschen Behörden.
Diese durchsuchten seine Wohnung und seinen Arbeitsplatz und stellten eine
stattliche Sammlung aus kinder- und [1][jugendpornografischen Bilddateien]
sicher, darunter auch Videos die [2][Kindesmissbrauch] zeigen.
Der lange Tatzeitraum sorgt allerdings für zusätzliche juristische
Herausforderungen. Im Laufe der Jahre wurden die betreffenden Strafgesetze
mehrfach geändert – und zwar sowohl was die Beschreibung der Tatbestände
betrifft als auch den Strafrahmen.
Der, sagt Rechtsanwältin Susanne Frangenberg, die eine der Nebenklägerinnen
vertritt, sei natürlich gerade bei den älteren Taten ohnehin frustrierend
niedrig. Trotzdem verspreche sich ihre Mandantin von diesem Prozess
zumindest ein bisschen Gerechtigkeit.
Verteidiger Daniel Brunkhorst betont, wie reuig und einsichtig sich sein
Mandant gezeigt habe: Er bemühe sich schon seit Februar, mit allen Opfern
Schmerzensgeldvereinbarungen zu schließen und Gespräche zum
[3][Täter-Opfer-Ausgleich] zu führen. Außerdem, auch das wurde schon vor
Monaten bekannt, habe er sich umgehend in psychologische Behandlung begeben
und seine Approbation zurückgegeben – er wird also nicht mehr als Arzt
arbeiten.
Das Krankenhaus in Neustadt, das zum Klinikverbund der Region Hannover
gehört, hatte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe umgehend von dem
Mitarbeiter getrennt. Das Ganze habe bei Belegschaft und Klinikleitung
„große Betroffenheit und tiefe Bestürzung ausgelöst“, schreibt der
Pressesprecher auf taz-Anfrage noch einmal.
Man habe damals umgehend reagiert und nicht nur mit den
Strafverfolgungsbehörden umfassend kooperiert, sondern auch [4][Hilfs- und
Unterstützungsangebote] für die betroffenen Familien, aber auch die eigenen
Mitarbeiter organisiert. Außerdem wurden noch einmal alle Richtlinien und
Prozesse im OP-Bereich kritisch überprüft und alle Mitarbeitenden erneut
sensibilisiert.
Der beschuldigte Arzt will sich beim nächsten Verhandlungstermin, am 27.
Mai, zu den Vorwürfen äußern. Bis zum 16. Juni sind bisher weitere vier
Verhandlungstermine angesetzt.
16 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Bayerischer-Antrag-gegen-Missbrauch/!6127689
DIR [2] /Kindesmissbrauch-Prozess-in-Braunschweig/!6163844
DIR [3] /Mediation-nach-sexueller-Gewalt-Lohnt-es-sich-mit-Taetern-zu-reden/!6168482
DIR [4] https://beauftragte-missbrauch.de/themen/hilfeangebote-fuer-betroffene-von-sexualisierter-gewalt
## AUTOREN
DIR Nadine Conti
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