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       # taz.de -- Basketball-Dauerstar LeBron James: Der genetisch Auserwählte
       
       > LeBron James sticht auch im Alter von 41 Jahren in den Play-offs bei den
       > LA Lakers noch heraus. Nun wartet der Titelverteidiger Oklahoma City
       > Thunder.
       
   IMG Bild: Immer noch kaum aufzuhalten: LeBron James im Spiel gegen die Houston Rockets
       
       In den frühen Jahren seiner Karriere wurde LeBron James oft Hybris
       vorgeworfen. Da war das großflächige Tattoo, auf dem er sich selbst als den
       „Chosen One“, den Auserwählten, bezeichnete. Da war die einstündige
       Fernsehshow, die er seinerzeit allein inszenierte, um die Entscheidung um
       seinen Mannschaftswechsel bekannt zu geben. Und entsprechend groß war dann
       auch die Schadenfreude, als er mit der angeblich besten Mannschaft aller
       Zeiten, den damaligen Miami Heat, [1][das NBA Finale gegen die Dallas
       Mavericks von Dirk Nowitzki verlor.]
       
       Solche Häme hat James heute nicht mehr zu fürchten. Seine Lebensleistung
       als Basketballspieler und als Persönlichkeit ist 16 Jahre nach der
       „Decision“ unangefochten. James hat die Erwartungen, die er selbst geweckt
       hat, erfüllt, wenn nicht übertroffen. [2][Allein die eher akademische
       Debatte, ob er oder Michael Jordan als größter Spieler aller Zeiten zu
       gelten habe,] bewegt noch die Leute. James selbst beantwortet sie stets
       diplomatisch damit, dass ihre Spielweisen nicht vergleichbar seien und man
       sie getrost beide als „groß“ bezeichnen dürfe.
       
       Was James in diesen Tagen abliefert, ist aber in der Tat unvergleichbar.
       James führte in der ersten Runde der NBA-Play-offs die Los Angeles Lakers
       zu einem dominanten Triumph gegen die Houston Rockets, obwohl weder die
       Buchmacher noch die Experten auch nur einen Cent auf die Lakers gesetzt
       hatten.
       
       Der Triumph von Los Angeles (4:2) war schon deshalb so bemerkenswert und
       überraschend, weil die Lakers ohne ihren derzeitigen Superstar Luka Dončić
       in die Play-offs starten mussten. Der 27-Jährige ist der beste Werfer der
       Liga und sollte das Team anführen, James war mit seinen 41 Jahren in seiner
       23. NBA-Saison lediglich eine Nebenrolle zugedacht.
       
       ## Stärkster Spieler der Serie
       
       Doch James, der am vergangenen Wochenende sein 298. Play-off-Spiel
       absolvierte, konnte nahtlos in die Rolle des Anführers schlüpfen. Er
       brachte mit seinen vier Meistertiteln und zehn Finalteilnahmen die
       natürliche Autorität mit, das Team zu dirigieren. Ein ernster Blick hier,
       ein Kopfnicken da reichte aus, um den jungen Kollegen, inklusive seines
       Sohnes, zu bedeuten, was sie zu tun haben.
       
       Viel beeindruckender ist jedoch, dass James die Führungsposition auch
       spielerisch ausfüllte. Seine Statistiken wiesen ihn als den stärksten
       Spieler der Serie aus. Und er konnte nicht nur in Tempo und Aggressivität
       mit den Spielern mithalten, die halb so alt sind wie er. Er forcierte sogar
       beides und forderte die Kollegen heraus.
       
       Wer gesehen hat, wie sich Dirk Nowitzki nach 21 Jahren in der Liga mit
       einem gründlich ramponierten Körper durch seine letzten beiden Spielzeiten
       quälte, der kann ermessen, wie außergewöhnlich es ist, dass James noch
       immer auf dem allerhöchsten Niveau spielt und das nicht nur für ein paar
       Minuten, sondern mindestens 35 Minuten pro Spiel. James erklärt seine
       Langlebigkeit damit, dass er sich, ähnlich wie sein Pendant im Football,
       Tom Brady, extrem viel Zeit dafür nimmt, sein Kapital, seinen Körper, zu
       pflegen. Das reicht von Kryotherapie über Infrarotsauna bis hin zu
       ausgiebiger Beweglichkeitsgymnastik. Anderthalb Millionen Dollar pro Jahr
       soll er allein für Regeneration und Physiotherapie ausgeben. Auserwählt
       dürfte er aber insbesondere auch in einer Hinsicht sein – [3][die Genetik
       hat es gut mit ihm gemeint.]
       
       Was seinen sportlichen Ehrgeiz angeht, ist der Graubart, wie man ihn in der
       Liga mittlerweile auch nennt, jedoch gelassen geworden. Einen fünften Titel
       anzustreben, wäre vermessen, zumal die Lakers in der zweiten Runde gegen
       Titelverteidiger Oklahoma spielen. James denkt von Spiel zu Spiel und
       versucht dabei, jeden Abend, an dem er noch auf dem Feld stehen kann,
       bewusst zu genießen. Er hat nichts mehr zu beweisen. Und die Debatte, ob er
       größer ist als Jordan, kann er ohnehin nicht gewinnen.
       
       5 May 2026
       
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