# taz.de -- FC Bayern vor Halbfinale in Königsklasse: Mehr Kontrolle im Chaos
> Nach der Fußballshow in Paris gab es Kritik an den Defensivreihen.
> Münchens Coach Vincent Kompany will für das Rückspiel aber nur an Details
> feilen.
IMG Bild: Soll nun für mehr Kontrolle und Struktur sorgen: Im wilden Hinspiel war das für Aleksandar Pavlović (rot) nur selten möglich
[1][Luis Enrique] war in den vergangenen Tagen nicht besonders gut gelaunt.
So jedenfalls war der Eindruck aus der Ferne, den der Trainer von Paris St.
Germain erweckte. Und das lag nicht an den Leistungen seiner Mannschaft,
sondern an der Sicht der Dinge von außen. Auch Vincent Kompany, sein
Kollege vom FC Bayern, war damit beschäftigt, seine Taktik, seinen
Spielstil zu verteidigen. Der ist schon ein bisschen riskant, aber er hat
eben – [2][wie das 4:5 aus Sicht der Münchner im Halbfinal-Hinspiel der
Champions League] in der vergangenen Woche – hohen Unterhaltungswert. Oder
wie es Bayern-Sportvorstand Max Eberl ausdrückte: „Salopp gesagt, pervers
geil.“
Vielleicht gehört es zu den Gesetzmäßigkeiten des Fußballs, sich nur im
ersten Moment der Kunst hinzugeben, um dann gleich wieder zu nörgeln. Um
dann das herauszuheben, was nicht so gut ist, statt sich am Schönen zu
erfreuen. Wenn viele Tore fallen, rückt immer die Defensive in den Fokus.
Oder die Taktik. „Wir können auch andere Spiele haben, in denen die
Defensive dominiert. Die gehen 1:0 mit Eckballtoren aus“, sagte Eberl am
Wochenende – und an seinem Gesichtsausdruck war zu erkennen, dass er davon
nicht viel hält.
Enrique ließ Kritiker wissen, dass es nicht wichtig sei, jede Meinung zu
respektieren, vor allem, „wenn es eine beschissene Meinung ist“. Kompany
hat sich etwas gewählter ausgedrückt, aber womöglich hat er insgeheim dem
Kollegen recht gegeben. Für die insgesamt elf Gegentore, die die Bayern in
den vergangenen drei Spielen kassierten, gibt es ja auch gute Erklärungen,
aber keine Ausreden. Es sei „eine spezielle Phase mit speziellen Spielen,
die wir zu bewältigen haben“, sagte Eberl.
Jedenfalls werden beide Trainer einen Teufel tun und im Rückspiel an diesem
Mittwoch in München anders auftreten. „Wir wollen nicht verlieren, was uns
stark macht“, sagte Kompany. „Am Ende wollen wir nur gewinnen, wir nutzten
die Mittel, die wir haben.“ Aber klar, auch das hob er hervor, gebe es
„Details, die wir besser machen müssen“, um zu gewinnen und das Finale in
Budapest zu erreichen. „Die Mannschaft hat in Paris gezeigt, dass sie
Rückschläge einstecken kann“, sagte Bayern-Chef Jan-Christian Dreesen im
Interview auf der vereinseigenen Homepage. Die eigene Arena sei schwer zu
stürmen. „Und genau das soll Paris vom Anpfiff an zu spüren bekommen.“
Eines der von Kompany angesprochenen Details ist, die Außenverteidiger
nicht derart alleine zu lassen, wie es Josip Stanišić in Paris passiert
ist. Dass er im Laufduell mit dem sehr schnellen Khvicha Kvaratskhelia
nahezu chancenlos sein würde, war klar. Er hätte da mehr Unterstützung
benötigt, aber Michael Olise hat diesen Part in Prinzenpark eher
vernachlässigt, sich – erfolgreicher – auf seine Offensivaktionen
konzentriert. Auf der anderen Seite klappte die Verteidigung etwas besser,
allerdings arbeitete der nimmermüde Luis Díaz auch engagiert nach hinten.
Ein kleiner Vorteil für die Bayern mag in diesem Rückspiel sein, dass
Achraf Hakimi verletzt ausfällt. Und mit Blick auf eine mögliche
Verlängerung am Mittwoch, dass [3][die Mannschaft von Kompany] im
Prinzenpark in der Schlussphase fitter, dynamischer wirkte als PSG.
Ein anderes Detail betrifft das Mittelfeld, das in Paris, auf beiden
Seiten, oft nur Zuschauer beim schnellen Hin und Her war, weil der Ball
nicht im Zentrum, sondern schon in der Defensivreihe verteilt wurde. Eberl
sprach von einem „doch sehr offenem Visier“. Struktur ins Chaos zu bringen,
das wird die Aufgabe von Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović sein.
Eberl bemühte einen Rückblick in die vergangene Saison, erinnerte an die
1:4-Niederlage beim FC Barcelona in der Gruppenphase der Champions League.
Auch im Oktober 2024 war der Stil vom damals noch neuen Bayern-Trainer
Kompany als viel zu riskant kritisiert worden. Und anschließend „haben wir,
glaube ich, acht Spiele zu null gehabt“, stellte der Sportvorstand fest. Es
waren zwar nur sieben, aber die Niederlage hatte Kompany damals zum Anlass
genommen, das Risiko etwas zu minimieren, ohne das Gesamtkonzept zu
verändern. Manchmal, sagt Eberl, passieren in einem Spiel „Dinge, die nicht
zu planen sind“. Denn: „Fußball ist ein Fehlersport.“ Und wer weniger
Fehler macht, gewinnt – in der Regel.
6 May 2026
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## AUTOREN
DIR Elisabeth Schlammerl
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