# taz.de -- Nazis verkaufen Parteizentrale: Die Heimatlosen
> Der Neonazipartei Die Heimat geht es finanziell schon lange schlecht. Nun
> steht ihre Parteizentrale in Berlin zum Verkauf.
IMG Bild: Antifa-Demo gegen Veranstaltung der Partei Die Heimat in Köpenick
Es ist die zentrale Immobilie der extremen Rechten in Berlin: die
[1][Parteizentrale der Neonazipartei Die Heimat, einst NPD in der
Seelenbinderstraße 42 in Köpenick]. Seit mehr als 25 Jahren hat die
Neonazipartei hier ihren Sitz. Doch damit ist wohl bald Schluss.
Eine Annonce, in der das Haus ab sofort zum Verkauf angeboten wird, fand
sich kurzzeitig auf der Plattform Immobilienscout, ist inzwischen aber
wieder gelöscht. Zu sehen waren dort Fotos des Innenhofs sowie von
Räumlichkeiten im Gebäude, von Wohn- und Büroflächen, nicht aber die
Außenfassade – wohl auch, um mit dem Verkauf keine Aufmerksamkeit zu
erregen. Der Kaufpreis für die Immobilie samt des 736 Quadratmeter großen
Grundstücks beträgt demnach 1,5 Millionen Euro.
Auf eine entsprechende taz-Anfrage bestätigte der Heimat-Vorsitzende Peter
Schreiber die Pläne, Berlin zu verlassen. Es gehe um eine „strategische
Neuaufstellung“ der Partei, erklärte er. Man wolle „gebundenes Kapital an
anderer Stelle zielgerichteter“ einsetzen, um „künftige Projekte
effizienter voranzubringen“.
Oliver Igel (SPD), Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, zeigte sich
erfreut über den Verkauf. Die Nachricht sei „interessant und gleichzeitig
überraschend“, sagte Igel der taz. „Wäre es nicht toll, aus dem Standort
nun ein Zentrum für Demokratie- und Bildungsarbeit zu machen?“
Igel verwies darauf, dass sich der Bezirk schon vor Jahren an den Bundestag
wandte, wo die Parteienfinanzierung beaufsichtigt wird, und Interesse an
einer Übernahme der Immobilie bekundete. Der NPD war Anfang 2024 wegen
ihrer verfassungsfeindlichen Ausrichtung die staatliche
Parteienfinanzierung entzogen worden. Zudem musste sie dem Bund
beträchtliche Zuschüsse aus der Parteienfinanzierung zurückzahlen. Igels
Hoffnung war, dass das Grundstück durch Forderungen des Bundestages an den
Staat zurückfällt. Laut Bundestagsverwaltung hat die Heimat immer noch eine
offene Rückforderung von 213.314 Euro beim Bund.
## Partei im Niedergang
Auch wenn die Partei nun selbst den Verkauf anstrebt, steht der Verlust
sinnbildlich für ihren Niedergang. Saß die NPD zwischenzeitlich in den
Landtagen von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, in verschiedenen
Kommunalparlamenten und mit einem Sitz auch im Europaparlament, befindet
sich Die Heimat, wie sie seit 2023 heißt, seit Jahren im Sinkflug –
verdrängt von der AfD und mit Konkurrenz des noch extremeren Dritten Wegs.
Ihre Bundesparteizentrale hatte die NPD im Jahr 2000 bezogen. Zu dieser
Zeit galt der Bezirk Treptow-Köpenick als einer der Hotspots der extremen
Rechten in Berlin, die NPD saß hier auch in der
Bezirksverordnetenversammlung. [2][Der im vergangenen Jahr verstorbene
frühere Parteivorsitzende Udo Voigt], der bis zuletzt in Köpenick lebte,
hatte die Zentrale als „national befreite Zone“ bezeichnet.
Entsprechend waren von dem Gelände schon mal „Sieg Heil“-Rufe zu vernehmen.
Immer wieder kam es auch zu Angriffen in der Nachbarschaft. Zuletzt erst
Anfang dieses Jahres, als Neonazis einen Pressevertreter vor dem Haus
attackierten. Die Immobilie diente der Partei nicht nur für die
Parteiarbeit, sondern bot auch die Möglichkeit zur Vernetzung und war
Austragungsort für zahlreiche Rechtsrock-Konzerte.
Von Beginn an gab es Proteste gegen den Neonazi-Sitz. Mit der Eröffnung
gründete sich im Bezirk ein Bündnis für Demokratie und Toleranz, das dort
jährliche Demokratiefeste veranstaltete. Auch Antifa-Gruppen demonstrierten
gegen die Zentrale. Das Haus überstand auch einen Brandanschlag.
Finanziell sieht es für die Neonazis schon seit vielen Jahren düster aus.
Schulden setzten der Partei bereits in den 2010er Jahren erheblich zu.
Wegen Fehlern im Rechenschaftsbericht der Partei verhängte die
Bundestagsverwaltung 2009 eine Strafzahlung von 1,27 Millionen Euro. 2021
verlor sie dank miserabler Wahlergebnisse im Bund und den Ländern ihren
Anspruch auf staatliche Mittel. [3][Im Januar 2024 folgte dann der
Ausschluss aus der Parteienfinanzierung durch das
Bundesverfassungsgericht].
Somit ist die Partei heute weitgehend auf Spenden und die Beiträge ihrer
Mitglieder angewiesen. Deren Anzahl sinkt allerdings stetig. Hatte die
Partei laut Verfassungsschutzbericht 2021 noch 3.500 Mitglieder, sind es
inzwischen noch etwa 2.500. Expert:innen sprechen von einem „langsamen
Sterben“ der Partei. Ablesbar ist der zunehmende politische
Bedeutungsverlust der faschistoiden Kleinpartei auch an den geringen
Teilnehmerzahlen bei Aufmärschen, wie zuletzt am 1. Mai in Essen, als sich
trotz bundesweiter Mobilisierung nur 200 Neonazis beteiligten.
## Kaum noch Aktive
Mit Blick auf den geplanten Verkauf der Parteizentrale nimmt Ben Hotz vom
örtlichen Zentrum für Demokratie zudem an, die Partei habe „keine Leute
mehr in Berlin, die die Parteistrukturen aufrechterhalten können“. Der
„klassische Aktivenkreis“ sei in Berlin inzwischen eher bei anderen
Gruppierungen zu finden, etwa beim Dritten Weg oder Jungnazigruppen wie
[4][Deutsche Jugend voran (DJV), die am Mittwoch Ziel einer bundesweiten
Razzia wurde].
Die Parteizentrale habe lange „in einem Dornröschenschlaf“ gelegen,
berichtet Hotz. Seit dem vergangenen Jahr hätten die Aktivitäten dort
jedoch wieder zugenommen, etwa in Form von Rechtsrock-Konzerten und
Parteiveranstaltungen. Zudem habe die [5][Partei gezielt versucht,
jugendliche Neonazis, vor allem von der DJV, an die Strukturen der Partei
zu binden, und etwa Schulungen organisiert].
Ob Die Heimat schon eine neue Bleibe in Aussicht hat und wohin sie es nun
verschlägt, ist offen. Denkbar wäre, dass die Partei ihre zentralen
Strukturen nach Sachsen verlegt, denn dort sind die Neonazis geringfügig
besser aufgestellt als in den anderen Landesverbänden. Zudem wohnt der
Parteivorsitzende Schreiber im sächsischen Riesa. Dort findet sich auch der
Sitz des Verlags „Deutsche Stimme“, des zentralen Publikationsorgans der
Partei.
Klar ist aber auch: Eine vergleichbare Immobilie hat die Partei bundesweit
nicht. Für Berlins Antifas ist der geplante Umzug der Partei allerdings
kein Grund, mit ihrem Protest gegen die Neonazis abzurücken. Schon am
kommenden Samstag soll dort wieder ein Rechtsrock-Konzert stattfinden.
„Solche Veranstaltungen bringen alte Kader und junge Neonazis zusammen,
stärken ihre Strukturen und haben direkte Folgen – auch in unseren Kiezen“,
heißt es in einem entsprechenden Aufruf der Antifa Treptow-Köpenick zur
Gegendemonstration. Diese soll am Samstag um 17.30 Uhr S-Bahnhof Köpenick
starten. Mitarbeit: Konrad Litschko
6 May 2026
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## AUTOREN
DIR Nicolai Kary
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