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       # taz.de -- Zurückweisungen an deutschen Grenzen: Keine Angst vor Gerichten
       
       > Die Union folgt dem augenscheinlichen Volkswillen in der Migrationsfrage
       > und lässt das Recht links liegen. Trump und Orbán lassen grüßen.
       
   IMG Bild: Auf einem Protest gegen die Entscheidung zur Kürzung von Integrations- und Sprachkursen
       
       Er sei ein „Fan“ vom Innenminister „Alex“ Dobrindt, schrieb Ex-SPD-Chef
       Sigmar Gabriel unlängst. „Im schwierigen Feld der Migration“ habe er keine
       Angst vor Verwaltungsgerichten. Es brauche „solche Typen“ heute. Damit
       spielt der Sozialdemokrat auf die von dem CSUler Alexander Dobrindt – und
       Kanzler Friedrich Merz – heute vor genau [1][einem Jahr eingeführten
       Zurückweisungen Asylsuchender an den deutschen Grenzen an.]
       
       Es war ein lustvoll inszenierter Bruch mit dem als ehern geltenden
       Grundsatz, dass alle ankommenden Schutzsuchenden Anspruch auf eine Prüfung
       eines Asylantrags haben. Dobrindt setzte sich darüber hinweg. Es war eine
       demonstrative Willensbekundung, sich bei der versprochenen
       „Migrationswende“ von nichts aufhalten zu lassen – auch nicht von der
       Justiz.
       
       Denn bald darauf [2][siegten drei somalische Geflüchtete vor dem
       Verwaltungsgericht Berlin]. Sie waren am Bahnhof Frankfurt (Oder) durch die
       Bundespolizei kontrolliert worden. Obwohl sie Asyl beantragen wollten,
       schickte die Polizei sie zurück nach Polen. Das Gericht entschied: Das
       EU-Recht verpflichtet Deutschland, zumindest zu prüfen, welcher Staat für
       ein Asylverfahren zuständig ist. Davor ist eine Abschiebung nicht zulässig.
       
       Dobrindt aber machte weiter. Zehntausende wurden seither zurückgewiesen,
       darunter mindestens 1.200 Schutzsuchende. Der Bundesinnenminister verwies
       auf einen womöglich noch ausstehenden Gerichtsentscheid in der Hauptsache.
       Die Eilentscheidung gelte schließlich nur für die Kläger:innen.
       
       Die Sache zeigt die populistische Drift der Union, die sich selbst so gern
       „Rechtsstaatspartei“ nennt. Andere Dinge aber sind ihr wichtiger geworden.
       Der angebliche Volkswillen wird über das Recht gestellt. „Exekutiven
       Ungehorsam“ nennt das die Rechtswissenschaft. Wer so handelt, hat sich
       anwehen lassen vom [3][Regierungsstil der Trumps] und Orbáns. Auch von
       ihnen ist zu hören, dass es heute „solche Typen braucht“, die keine Angst
       vor Gerichten haben, sondern tun, was das Volk eben will. Man darf ihnen
       das nicht glauben.
       
       6 May 2026
       
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