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       # taz.de -- In Hotels untergebrachte Wohnungslose: Hamburger Behörden feiern eigenes Versagen als Erfolg
       
       > Jahrelang hat die Stadt Hamburg Menschen in heruntergekommenen Hotels
       > untergebracht. Nun räumte sie sie. Wo die Betroffenen jetzt sind, ist
       > unklar.
       
   IMG Bild: Könnte auch schön sein: Obdachloser in einem Hotelzimmer
       
       Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat zwei Hotels räumen lassen, in denen es
       zuvor wohnungslose Menschen untergebracht hatte. 19 Menschen, darunter
       sechs Kinder, mussten die Unterkünfte auf der Reeperbahn verlassen. Nach
       Informationen der taz sind mindestens drei von ihnen nach der Räumung
       wieder auf der Straße gelandet. Einige der Menschen lebten schon seit einem
       Jahr in den Hotels.
       
       Die Räumung geht auf einen Kontroll-Einsatz des Bezirksamtes mit der
       Polizei, dem Jobcenter und anderen Hamburger Behörden, bei dem „erhebliche
       Bau- und Brandschutzmängel“ festgestellt wurden. Es fehlten Rauchmelder und
       Fluchtwege. Stromleitungen lagen offen.
       
       [1][Die Behörden lobten sich anschließend in einer Pressemitteilung] dafür,
       gegen Sozialleistungsmissbrauch und unzulässige Unterbringungen vorgegangen
       zu sein. Dabei hatte die Stadt genau diese Hotelzimmer selbst angemietet.
       
       Auf die Frage, ob die Hotels vor einer Nutzung für Wohnungslose nicht auf
       Mängel geprüft wurden, sagte eine Sprecherin des Bezirksamts: Das habe sie
       sich auch gefragt. Sie verwies dann auf die Sozialbehörde, die die Verträge
       mit den Hotels abgeschlossen hat. Die wiederum teilte mit, man sei bei
       Vertragsabschluss davon ausgegangen, dass die Hotels ordnungsgemäß
       genehmigt seien. Sie hätten ihre Leistungen schließlich „auf dem freien
       Markt angeboten“.
       
       ## Stadt muss sich um Notfälle kümmern
       
       Wo die 19 betroffenen Menschen nun leben, konnte keine der Behörden sagen.
       Drei der Betroffenen kamen eine Woche nach der Räumung ins CaFée mit Herz
       nahe der Reeperbahn. Laut der dort tätigen Sozialarbeiterin Annette Kaiser
       sagten sie, sie hätten noch keinen Ersatz gefunden und seien wieder auf der
       Straße.
       
       Das Bezirksamt erklärte, die Betreiber der geräumten Hotels hätten sich
       noch am Tag der Räumung darum kümmern sollen, die Menschen anderswo
       unterzubringen. Sie seien zivilrechtlich für die untergebrachten Personen
       verantwortlich. Das Bezirksamt bot ihnen an, die Betroffenen in einer
       Notunterkunft in der Friesenstraße unterzubringen – auch die Familien mit
       Kindern. Dem Bezirksamt zufolge lehnten sowohl die Betroffenen als auch die
       Betreiber das Angebot ab.
       
       Die Hotelbetreiber selbst wollten sich nicht äußern. Bei telefonischen
       Anfragen wurde aufgelegt, und eine Anfrage der taz per Mail blieb bis
       Redaktionsschluss unbeantwortet.
       
       Die Stadt Hamburg ist verpflichtet, wohnungslose Menschen unterbringen. Sie
       vermittelt sie in Unterkünfte des städtischen Sozialunternehmens Fördern &
       Wohnen, dem Hauptunterbringer der Stadt. Dort fehlen jedoch oft Plätze. In
       solchen Fällen verweist die Stadt Einzelpersonen an die Notunterkünfte
       Frauenzimmer und Pik As.
       
       Familien und Einzelpersonen mit besonderen Bedarfen, etwa psychisch
       Erkrankte, bringt die Stadt seit 2022 auch in Hotelzimmern unter. Dafür
       schließt sie Rahmenverträge mit den Hotels ab. Ende vergangenen Jahres
       lebten 561 Haushalte in solchen Hotels.
       
       In der Hamburger Wohnungslosenhilfe wird die Qualität vieler dieser
       Betriebe kritisch gesehen. Thorsten Bassenberg, Gründer des Vereins
       Bergedorfer Engel, kümmert sich um obdachlose Menschen auf der Reeperbahn.
       Er sagt: „Viele Menschen meinen, für Obdachlose reicht die zweite Wahl. Da
       tut’s dann auch ein Wohnwagen oder eine Holzbude.“
       
       Ronald Kelm ist Krankenpfleger und versorgt seit zehn Jahren ehrenamtlich
       Obdachlose in Hamburg. Er sagt: „Viele dieser Unterkünfte sind
       heruntergekommene Bruchbuden.“ Er habe Bilder aus einem Hotelzimmer auf der
       Reeperbahn gesehen: herabhängende Tapeten, Flecken an der Wand, Brandlöcher
       im Boden. Ob das Zimmer zu einem der geräumten Hotels gehörte, wisse er
       nicht.
       
       Für Kelm ist die Räumung der Hotels auf der Reeperbahn Teil eines größeren
       Problems. Er spricht vom „Geschäftsmodell Obdachlosigkeit“: Hotelbetreiber,
       Sicherheitsdienste und Caterer [2][verdienten an der Unterbringung von
       Wohnungslosen]. Und die Stadt, die Menschen an diese Betriebe vermittle und
       ihre Unterbringung bezahle, schaue nicht genau hin.
       
       Carola Ensslen, fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion in der
       Bürgerschaft, findet den Einsatz der Hamburger Behörden grundsätzlich
       richtig. Man hätte sich nur viel früher anschauen müssen, auf wen man sich
       da einlasse. „Leute wollen Profit schlagen aus der Wohnungsnot und bieten
       Bruchbuden für viel Geld an“, sagt sie. Es fehle an Plätzen in ordentlichen
       öffentlichen Unterkünften. [3][Die Stadt habe in den vergangenen Jahren
       viele Unterkünfte geschlossen] und sich die Notlage damit selbst
       eingebrockt.
       
       Die taz stand in Kontakt mit fünf städtischen Behörden. Sie alle verwiesen
       bei einigen Nachfragen auf jeweils andere Behörden. Die Schulbehörde etwa,
       zu der das Jugendamt gehört, antwortete auf Nachfrage nach den sechs
       betroffenen Kindern, dass das Bezirksamt Hamburg-Mitte für Rückfragen
       zuständig sei, das allerdings auch nicht mehr wusste. Das Amt war mitunter
       tagelang nicht erreichbar.
       
       Ronald Kelm sagt, die [4][Bürokratie in der Wohnungslosenhilfe] kotze ihn
       an: „Was wir hier in Hamburg machen, ist nichts anderes als
       Elendsverwaltung.“
       
       11 May 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/bezirke/mitte/aktuelles/pressemitteilungen/behoerden-gehen-gemeinsam-gegen-sozialleistungs-missbrauch-und-unzulaessige-unterbringungen-vor-1168546
   DIR [2] /Unterbringung-von-Wohnungslosen/!6157534
   DIR [3] /Hamburg-schliesst-Schutzunterkunft/!6153280
   DIR [4] /Wohnungsnot-und-Sozialpolitik/!6138931
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Giosue Tolu
       
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