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       # taz.de -- Met-Gala in New York: Klassenkampf und hochgeschlitzte Langeweile
       
       > Während sich die Met Gala demonstrativ unpolitisch gab, feierten
       > Amazon-Mitarbeiter und Gewerkschaftsaktivisten einen Anti-Ball gegen
       > obszönen Reichtum.
       
   IMG Bild: Chris Smalls, ehemaliger Vorsitzender der Amazon Labor Union hatte versucht, die Met Gala mit Protestschild zu betreten
       
       Ausgerechnet das schwarze Kleid der „Madame X“, John Singer Sargents
       berühmtes Porträt der aus Louisiana stammenden Pariser Gesellschaftsdame
       Virginie Amélie Avegno Gautreau (1883/84), diente Lauren Sánchez Bezos als
       Vorlage für ihr Outfit der diesjährigen Met Gala.
       
       Wie die Halbzeitshow des Super Bowl gilt die alljährliche
       Benefizveranstaltung des New Yorker Metropolitan Museum als eine Art
       Lackmustest der amerikanischen Gesellschaft. Während sich das [1][Motto des
       Vorjahres „Superfine: Tailoring Black Style“] noch als restpolitisches
       Statement zum DEI- und Bildungsabbau der Trump-II-Regierung lesen ließ
       (auch wenn das Thema sicherlich schon vor der Präsidentschaftswahl 2024
       feststand), [2][ist das diesjährige Thema „Fashion Is Art“ demonstrativ
       unpolitisch]. Es lehnt sich an die ebenfalls am Montagabend eröffnete
       Ausstellung „Costume Art“ des Costume Institute an, die sich dem
       bekleideten Körper in der Kunst sowie ausgewählten Modeentwürfen im Dialog
       mit ihr widmet, untergebracht in den neuen Condé Nast Galleries des
       Museums.
       
       Neben den regulären Peinlichkeiten (Alexa Chung mit Monet-Seerose an
       hochgeschlitzter Langeweile) und den kompletten Absurditäten des Abends
       ([3][Heidi Klum als, ja was eigentlich?] Karyatide? Der Geist der
       verstorbenen Freiheitsstatue? Beyoncé mit einem angeblich 50 Millionen
       Dollar wertvollen 342-Karat-Diamanten von Chopard, Schauspielerin Sarah
       Paulson mit Dollar-Schein-Augenbinde) lag besondere Aufmerksamkeit auf der
       Kleiderwahl der Bezos-Milliardärsgattin. Mit 10 Millionen US-Dollar traten
       die Bezos als diesjährige Hauptsponsoren der Gala auf.
       
       Das Haus Schiaparelli steckte Sánchez Bezos in Madame X’ Kleid. Eine
       kunsthistorisch interessante Entscheidung, da sowohl Maler als auch Motiv
       sich durch das Bild Ruhm und Anerkennung in der feinen Pariser Gesellschaft
       des späten 19. Jahrhunderts erhofften. Beides sollte ihnen dort verwehrt
       bleiben. Das Gemälde wurde aus der Öffentlichkeit des Pariser Salons
       zurückgezogen: zu viel nackte Haut, zu unverhüllt ehrgeizig, zu obszön und
       kontrovers die Frau. Nachfolgend konzentrierte sich Sargent lieber auf
       Porträtkundschaft in Großbritannien und den USA.
       
       Angesichts des obszönen Reichtums der Gala und dem Zustand der Welt kam es
       in der Stadt zu begleitenden Protesten. Unter dem Motto „Labour Is Art“
       versammelten sich Gewerkschaftsmitglieder und Amazon-Mitarbeiter zum „Ball
       without Billionaires“ im Meatpacking District in feinster New Yorker
       Ballroom-Tradition und zelebrierten Luxus-Drag, während die Schickeria sich
       in Hochkultur versuchte.
       
       6 May 2026
       
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