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       # taz.de -- Theaterstück von Zombies in Hannover: Es gibt kein richtiges Leben im toten
       
       > Zombies sind die Minderheit und die Teigknetsimulation führt ein
       > Eigenleben: Toshiki Okadas Satire „Sliding Away“ am Staatstheater
       > Hannover funktioniert.
       
   IMG Bild: Ein bisschen Autofetischismus gehört dazu, wenn es um Stereotype in Deutschland geht: Zombies am Auto vereint in „Sliding Away“
       
       Gesellschaftliche Diversität und ihre Abbildung auf, vor sowie hinter der
       Theaterbühne sind asymmetrisch. Darf zur Abmilderung dieser Situation ein
       Mensch ohne Behinderung auch mal einen mit Behinderung darstellen? Dürfte
       ein alter, weißer Regisseur ein Stück inszenieren, das aus der Perspektive
       einer jungen Schwarzen Frau erzählt?
       
       Wer einen Publikumsflop im Spielplan braucht, lässt diese aktuelle
       Repräsentationsdebatte im achtsamen Realismus um alle Fettnäpfchen herum
       diskutieren. Wie dieses Thema und dafür Zuschauer:innen ins Theater zu
       holen sind, dafür hat der Autor und Regisseur Toshiki Okada eine
       schlau-lustige Idee: Stellvertretend für die Menschen holt er Zombies auf
       die Bühne, die sich mit einem Filmdreh als Minderheit sichtbar machen, über
       einige Vorurteile aufklären und sich selbst ein bisschen empowern wollen.
       
       Unter dem Titel „Sliding away“ ist das ein großer Spaß am Staatstheater
       Hannover. Auch wenn sich [1][die Bühnenfiguren bei allen Zombies]
       entschuldigen müssen, dass wider die reine Repräsentationslehre hier
       Menschen die Zombies darstellen müssen, da keine wankenden, blutsaugenden
       Gestalten im durchaus diversen Hannoveraner Ensemble herumgeistern, um das
       Theater in einen Raum der lebenden Leichen zu verwandeln.
       
       Aber das sei schon ein Klischee, kritisieren die Zombies. Dadurch, dass sie
       von Menschen erschaffen worden sind – erst für den haitianischen
       Voodoo-Kult, dann für ein Film- und Literaturgenre – seien sie schon Opfer
       von struktureller Gewalt. Sie würden nie als Individuen mit Gefühlen
       wahrgenommen, seien nur stereotyp als monströse Objekte in der Popkultur
       präsent sowie als Animateure unserer Angst vorm Tode verschrien. „Und
       Menschen wollen andauernd Metaphern aus uns machen.“ Etwa für
       „unreflektierte Unterwerfung unter den Konsumismus“, dieses innerlich tot,
       äußerlich noch nicht gestorben sein.
       
       Es gibt kein richtiges Leben im toten. Aber die Zombies geben zu, Menschen
       auch als Metaphern für „Egoismus, für Heuchelei, für das Aussetzen von
       Urteilsvermögen, für eine erschreckend geringe Empathiefähigkeit“ zu
       behandeln. Aber sie hegten keinen „physiologischen Ekel gegenüber
       Menschen“. Es sind dieser Perspektivwechsel, durch die Anderen auf sich
       selbst zu blicken, und das fantastische Ensemble, die den Abend reizvoll
       machen.
       
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       nach Klängen für die seelischen Abgründe der Zombies. Ein kauzig versonnen
       agierender Jan Meeno Jürgens und der mit seiner Joker-Bösewichtelei
       herausragende Jirka Zett geben Regieassistenten.
       
       Das Filmset zeigt ein Autowrack als zerbeultes Denkmal des
       [2][zeitgenössischen Autofetischismus], aus dem sich auch die Praxis
       speist, Blechkisten als Lebens- und Schutzraum vor Zombieattacken zu
       nutzen. Aber leider werden solche Szenen nicht, ja, es wird gar keine Szene
       gedreht. Die restliche Filmcrew wurde von irgendeinem Erdloch verschluckt.
       Also feiert Okada statt Handlung seine Spielästhetik. Jede Figur hat eine
       eigene Haltung, kommt hängeschulterig, stolzgerade oder zappelig verbogen
       daher.
       
       Daraus entwickelt sich eine Choreografie der Arme und Hände, der Beine und
       Hüften, was den ganzen Körper ständig in Bewegung hält. Eigentümlich ist
       die Asymmetrie zwischen verbalem und physischem Ausdruck. Wenn von der
       Tragödie die Rede ist, dass Zombies nicht ins Kino gehen, weil sie sich in
       Zombiefilmen nicht wiedererkennen, rotieren die Hände des Sprechenden
       quirlend durch die Luft, gehen ins Schütteln über. Arme flattern oder
       wedeln. Zucken. Schlenkern. Rudern. Verkrampfen zur Teigknetsimulation.
       
       ## Den Körper von der Bedeutung der Sprache befreien
       
       Diese überbetonten und zerdehnten Alltagsgesten oder Ticks führen ein
       Eigenleben. [3][Was in vorherigen Arbeiten Okadas] gern als Ausdruck
       unterdrückter Regungen interpretiert wurde, die der Körper unabhängig von
       den sich selbst und der Welt entfremdeten Menschen ausagiert. Jetzt erklärt
       Okada im Programmheft, warum er den Schauspielkörper von der Bedeutung der
       Sprache befreit: „Dann erscheint er merkwürdig – und auch komisch.“
       Vielleicht wurde seine Regiekunst bisher überschätzt.
       
       Es geht nicht um ein neues Tanztheater der physisch-psychischen
       Ambivalenzen, sondern um die körperlich spaßige Verschnörkelung eines
       ironisch bis satirisch amüsierenden Textes. Das funktioniert bestens. Es
       lebe die Asymmetrie zwischen der ausgetüftelten Form und behaupteten
       Bedeutungstiefe.
       
       14 May 2026
       
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