# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Luftalarm in Kyjiw trotz Waffenruhe
> Russland will den Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg mit einer
> Parade feiern. Eine dafür verkündete Waffenruhe steht schon in der ersten
> Nacht auf der Kippe.
IMG Bild: Russland möchte ungestört seine Parade zum Sieg im Zweiten Weltkrieg feiern wie hier am 9. Mai 2025 – dieses Jahr könnten ukrainische Drohnen stören
## Luftalarm in Kyjiw nach Inkrafttreten der von Russland ausgerufenen
Waffenruhe
Wenige Stunden nach Inkrafttreten der von Russland ausgerufenen einseitigen
Waffenruhe ist in der ukrainischen Hauptstadt Luftalarm ausgelöst worden.
Die Sirenen ertönten am Freitagmorgen für mehrere Minuten, wie AFP-Reporter
berichteten. Nach Behördenangaben war der Alarm wegen eines drohenden
Raketenangriffs ausgelöst worden.
Trotz der von Moskau angekündigten Feuerpause hatten die Ukraine und
Russland zuvor Angriffe der Gegenseite gemeldet. Russland habe „nicht
einmal einen symbolischen Versuch unternommen, eine Waffenruhe an der Front
einzuhalten“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am
Freitagmorgen im Onlinedienst X. „Wie bereits in den vergangenen 24 Stunden
wird die Ukraine auch heute entsprechend reagieren.“ Die ukrainische
Luftwaffe erklärte, sie habe in der Nacht 56 russische Drohnen nahe der
Front abgeschossen.
Russland meldete derweil zahlreiche Drohnenangriffe aus der Ukraine. Seit
Inkrafttreten der einseitigen Waffenruhe seien 264 Drohnen abgefangen
worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.
Die von Russland ausgerufene Waffenruhe war um 00.00 Uhr (Ortszeit,
Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) in Kraft getreten und soll bis Samstag gelten.
Anlass für die zweitägige Feuerpause sind die russischen
Gedenkfeierlichkeiten zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.
Anders als in den vergangenen Jahren sollen dieses Jahr auf dem Roten Platz
[1][keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät bei der Parade
auffahren].
Moskau hatte mit einem „Vergeltungsschlag“ auf Kyjiw gedroht, sollte die
Ukraine die Gedenkfeier stören. Russland forderte ausländische Botschaften
in der ukrainischen Hauptstadt zur Evakuierung auf. (afp)
## „Waffenruhe“ beginnt mit ukrainischen Attacken auf Russland
In der Nacht der von Moskau einseitig ausgerufenen Waffenruhe hat die
Ukraine schwere Drohnen- und Raketenangriffe auf russisches Gebiet
gestartet. Es gebe Zerstörungen durch Drohnentrümmer in mehreren Städten
der Region Rostow, teilte der Gouverneur des südrussischen Gebiets, Juri
Sljussar, bei Telegram mit. Seinen Angaben nach wurden in den Städten
Rostow am Don, Taganrog und Bataisk sowie in einem Landkreis Einschläge
registriert. Tote und Verletzte gebe es nicht, betonte er. In der Region
gab es auch Raketenalarm.
Nach Angaben Sljussars wurden in Rostow mehrere private Wohnhäuser und ein
Lkw beschädigt. In einem Verwaltungsgebäude sei ein Brand ausgebrochen.
Ukrainische Telegram-Kanäle veröffentlichten derweil zahlreiche Videos aus
der Stadt, die schwere Brände zeigen, die demnach bis in den Morgen
anhielten. Bei einem der getroffenen Objekte soll es sich um einen
Rüstungskonzern handeln. Unabhängig konnten diese Berichte zunächst nicht
bestätigt werden.
## Raffinerie im Visier
Aus der knapp 300 Kilometer nordöstlich von Moskau gelegenen Stadt
Jaroslawl wurden ebenfalls Einschläge gemeldet. Nach Angaben des
Internetportals „Astra“ war einmal mehr die dortige Raffinerie im Fokus der
Attacken. Auf im Internet verbreiteten Videos und Bildern sind schwere
Brände zu sehen. Gouverneur Michail Jewrajew bestätigte zwar den Beschuss,
machte aber keine Angaben zu Schäden.
In zahlreichen russischen Regionen herrschte in der Nacht Luftalarm.
Angegriffen wurde dabei laut offiziellen Angaben auch Moskau. Bürgermeister
Sergej Sobjanin meldete den Abschuss von 25 Drohnen, die Richtung
Hauptstadt geflogen seien. Über Folgen der Attacke wurde zunächst nichts
bekannt.
In der Nacht zum Freitag begann hatte eine einseitig von Moskau ausgerufene
Waffenruhe begonnen, die zu den Feierlichkeiten rund um den Tag des Sieges
am 9. Mai halten und speziell die Militärparade in Moskau schützen soll.
Eine zuvor von Kyjiw verkündete und bereits ab dem 6. Mai geltende
Waffenruhe hatte Russland ignoriert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr
Selenskyj kündigte daraufhin „spiegelbildliche“ Aktionen an. (dpa)
## Gedenken zum Kriegsende in Berlin ohne russische Fahnen und Uniformen
Für die Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des
Kriegsendes an den drei sowjetischen Ehrenmalen hat die Polizei wegen des
Ukrainekrieges Uniformen und russische Fahnen verboten. Für Freitag und
Samstag wurden an den Ehrenmalen im Treptower Park, nahe dem Brandenburger
Tor und in Schönholz [2][Flaggen und Symbole mit Bezug zu Russland,
militärische Uniformen und Abzeichen, Marsch- und Militärlieder sowie
Symbole zur Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine untersagt].
Ausnahmen gelten für Diplomaten, Veteranen des Weltkriegs und Vertreter von
einigen Staaten.
Die Polizei argumentierte, wegen des Russland-Ukraine-Krieges sei mit einem
Aufeinandertreffen unterschiedlicher politischer Positionen zu rechnen.
Ziel sei es daher, Provokationen, Einschüchterungen und gewalttätige
Auseinandersetzungen zu verhindern und ein würdevolles Gedenken zu
gewährleisten.
Verschiedene russische und deutsche Gruppen und Initiativen erinnern mit
Kundgebungen und Demonstrationen am Freitag und Samstag an das Ende des
Zweiten Weltkriegs in Europa und die Befreiung von der Nazi-Herrschaft im
Mai 1945. Auch Kränze werden üblicherweise niedergelegt.
Russische oder deutsche Mitglieder des prorussischen und nationalistischen
Motorradclubs „Nachtwölfe“ sind wie in den vergangenen Jahren zu dem
Gedenktermin aus Osteuropa nach Deutschland gefahren. Voraussichtlich
wollte die Gruppe der Motorradfahrer am heutigen Freitag von Sachsen aus
kommend durch Brandenburg fahren, wie die Polizei bereits angekündigt
hatte. Man werde sie im Blick haben und entsprechend reagieren, hieß es.
Unklar war, ob die Gruppe wieder nach Berlin fahren will, um Kränze
niederzulegen. In den vergangenen Jahren hatte die Berliner Polizei sie
dabei sehr eng begleitet. Die Fahrt im langen Motorradkorso mit Fahnen und
Abzeichen wurde untersagt, was der Club kritisiert hatte. (dpa/bb)
8 May 2026
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