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       # taz.de -- NSDAP-Datenbanken von Spiegel und Zeit: Die Nazi-Dateien sind hilfreich – und keine Gegenwartsflucht
       
       > Datenbanken über NSDAP-Mitglieder erleichtern die Ahnenforschung enorm.
       > Solche Recherchen können auch für heutigen Rechtsextremismus
       > sensibilisieren.
       
   IMG Bild: Begeisterte Frauen jubeln Adolf Hitler auf dem Bückeberg zu, 1935
       
       Das ist ein Fortschritt für die Aufarbeitung der NS-Geschichte: Pünktlich
       zum 81. Jahrestag der Befreiung von der Nazi-Herrschaft hat nun auch
       [1][Der Spiegel] eine leicht durchsuchbare Datenbank mit Millionen
       Mitgliedskarten der [2][NSDAP] online gestellt. [3][Die Zeit] hatte eine
       ähnliche Internetseite Anfang April veröffentlicht. Beide Redaktionen haben
       mithilfe von künstlicher Intelligenz die überlieferten Mitgliedskarteien
       der Nazi-Partei aufbereitet, die das US-Nationalarchiv im März im Netz
       publiziert hatte.
       
       Es ist legitim, dass nur AbonnentInnen von Spiegel und Zeit die Datenbanken
       nutzen können. Zwar gehören die Karteikarten dem Staat. Aber die
       Datenbanken der JournalistInnen bieten einen echten Mehrwert: Wer im
       Bundesarchiv die Daten seiner Vorfahren finden will, muss dafür einen
       [4][schriftlichen Antrag] stellen und in der Regel lange auf das Ergebnis
       warten. Auch das hat viele bisher von solchen Recherchen abgehalten. Im
       [5][Bestand des US-Archivs] kann jedeR online suchen, aber die Seite ist
       oft überlastet und zu langsam. Selbst wenn die Suche erfolgreich ist,
       landet man oft bei einem Dokument mit mehreren Tausend Seiten
       digitalisierten Mikrofilmen. Bis man den gewünschten Eintrag gefunden hat,
       können Stunden vergehen.
       
       Die beiden Redaktionen haben die Daten in wochenlanger Arbeit so
       aufbereitet, dass die Recherche viel einfacher ist. Besonders die
       Spiegel-Suche funktioniert sehr gut, teils besser als die der Zeit. Die oft
       schwer leserlichen handschriftlichen Einträge sind meist transkribiert.
       Erst so können Laien sie entziffern.
       
       Diese Aufbereitung der Akten ist aufwendig, sie ist eine journalistische
       Leistung und dafür darf auch Geld verlangt werden. Wer nicht zahlen will,
       kann die NS-Kartei ja über die staatlichen Archive einsehen.
       
       ## Zu viel versprochen
       
       Allerdings verspricht Der Spiegel in der Überschrift seiner Seite mit der
       Datenbank zu viel: „Finden Sie hier heraus, was Ihre Familie unter Hitler
       getan hat“. Erstens ist die NS-Mitgliederkartei nicht vollständig. Rund 20
       Prozent der ursprünglich 14 Millionen Karten existieren nicht mehr. Wenn
       der Großvater in der Datei nicht auftaucht, lässt sich nicht völlig
       ausschließen, dass er doch NSDAP-Mitglied war. Zweitens handelt es sich
       eben nur um eine Kartei der Partei. Viele derjenigen, die sich „unter
       Hitler“ zum Beispiel in der Wehrmacht die Hände schmutzig gemacht haben,
       gehörten aber nicht der NSDAP an. Von 1933 bis 1937 nahm die Partei wegen
       des großen Ansturms überhaupt keine und bis 1939 nur eingeschränkt
       Neumitglieder auf.
       
       Gern wird eingewendet, viele Mitglieder seien [6][keine überzeugten Nazis]
       gewesen, sondern Mitläufer, die beispielsweise ihren kleinen Beamtenposten
       retten wollten. Nun ja: „alle Beigetretenen haben sich angepasst und damit
       indirekt [7][das Regime gestützt], mindestens haben sie einen Antrag
       unterschrieben und Beiträge gezahlt“, wie Der Spiegel schreibt.
       
       Wer wirklich herausfinden will, was die Vorfahren in der Nazi-Zeit
       getrieben haben, muss weiter recherchieren. Das Bundesarchiv hat auch
       Personalakten der SS zum Beispiel. In Landesarchiven etwa finden sich
       Dokumente aus den „Entnazifizierungsverfahren“ nach 1945. Oder vielleicht
       wissen auch noch lebende Verwandte etwas? Gerade ein Treffer in der
       NSDAP-Kartei könnte ein Anstoß für weitere Recherchen sein.
       
       ## Lehren aus der Geschichte für die Gegenwart
       
       Es wurde der Vorwurf erhoben, solche Nachforschungen dienten nur „der
       emotionalen Entlastung weißer Deutscher“ und seien ein „[8][Spektakel zur
       Gegenwartsflucht]“, also Ablenkung vom Rassismus heute. So pauschal ist
       diese Kritik in keiner Weise belegt.
       
       Wahrscheinlich läuft es eher umgekehrt: Erinnerungskultur und Engagement
       gegen Rassismus in der Gegenwart schließen sich nicht aus. Nicht umsonst
       wettern heutige Rechtsradikale wie der AfD-Politiker Björn Höcke genau
       gegen diese Erinnerungspolitik. Wer sich mit der Verstrickung der eigenen
       Familie in das NS-Regime auseinandersetzt, könnte sensibler werden für
       autoritäres Denken und Rechtsextremismus in der Gegenwart. Wenn nicht nur
       anonyme Männer auf Schwarzweißfotos, sondern der eigene Großvater Teil des
       Systems war, verändert das womöglich den Blick auf die Geschichte – und auf
       die Verantwortung in der Gegenwart.
       
       8 May 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.spiegel.de/geschichte/nsdap-archiv-finden-sie-heraus-was-ihre-familie-unter-hitler-getan-hat-a-4b37a614-a790-4798-92e2-be6a921da384
   DIR [2] /NSDAP/!t5014055
   DIR [3] https://www.zeit.de/wissen/2026-04/nsdap-mitgliederkartei-karteikarten-familienmitglieder-suche
   DIR [4] https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/personen-und-familienforschung/#c51285
   DIR [5] /Digitalisierte-NSDAP-Akten/!6163716
   DIR [6] /NSDAP-Mitgliederkartei/!6172388
   DIR [7] https://www.spiegel.de/geschichte/nsdap-mitgliederkartei-die-wichtigsten-fakten-ueber-die-nazi-datenbank-a-6c7882bb-68a6-448f-86e6-52fb78e6e7fe
   DIR [8] /US-Archiv-und-Nazivergangenheit/!6161514
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jost Maurin
       
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       Die National Archives der USA haben die Mitgliedsdatei der NSDAP online
       gestellt. Die Nutzung stößt an Grenzen und beweiskräftig ist sie auch nicht
       immer.