# taz.de -- Rücktritt in Bosnien-Herzegowina: Rausgemobbt
> Mit Hilfe von US-Lobbyfirmen soll der bosnische Serbenführer Milorad
> Dodik seinen politischen Feind Christian Schmidt gezielt geschwächt
> haben.
IMG Bild: Bosnisches Business: Der US-amerikanische Geschäftsmann Donald Trump Jr. (2. v. l.) am 7. April 2026 in Banja Luka
Für Milorad Dodik ist es die perfekte Erzählung: Der deutsche Ex-Minister
Christian Schmidt räumt seinen Posten als Hoher Repräsentant in Bosnien und
Herzegowina wohl auf Druck der USA. Mit keinem Politiker geriet Schmidt so
offen und dauerhaft in Konflikt wie mit dem bosnisch-serbischen
Nationalisten, der Schmidt jahrelang als Präsident der Republika Srpska
(RS) – der mehrheitlich serbischen Entität im Land – nicht anerkannt hat.
Höhepunkt des Konflikts war ein Gerichtsverfahren, weil Dodik
Entscheidungen des Hohen Repräsentanten und Verfassungsgerichtshofs in der
RS aushebeln wollte. Das Gericht verurteilte Dodik zu einem sechsjährigen
Amtsverbot und einem Jahr Haft, die aber in eine Geldstrafe umgewandelt
wurde.
Doch trotz des Urteils haben Dodiks Worte weiterhin politisches Gewicht.
„Er entschied über alles, und die Institutionen folgten ihm. Deshalb wird
er auch den Abgang Christian Schmidts nutzen, um seinen Weg zurück in ein
politisch aktives Leben aufzubauen“, sagt Tanja Topic vom Büro der
Friedrich-Ebert-Stiftung in Banja Luka, Hauptstadt der RS. Den Abgang von
Schmidt feiert Dodik. Es dürfte ein weiterer Schritt in Richtung Sezession
sein.
Daran arbeitet Dodik nämlich schon länger. Bis vor Kurzem standen er und
sein engstes Umfeld noch unter Sanktionen der USA. Diese wurden im
[1][Oktober 2025 von Washington aufgehoben]. In Banja Luka wird das als
Ergebnis intensiver und vor allem teurer Lobbyarbeit der RS-Regierung
verstanden. [2][Verträge von teils mehreren Millionen Euro wurden mit
Lobbyfirmen] unterschrieben, zum Teil über Vertretungen der Republika
Srpska im Ausland, etwa in Wien. Die vereinbarten Ziele reichten von
Aufhebung der Sanktionen, Schwächung des Hohen Repräsentanten und sogar der
Unabhängigkeit der Republika Srpska.
## Putins Mann in Bosnien
Der Abgang von Schmidt wird als weiterer Erfolg Dodiks interpretiert. Er
vertrete schon lange die These von der Entstehung einer neuen Weltordnung,
in der die serbische Teilrepublik eine wichtigere Rolle einnehmen würde.
Für die Politologin Tanja Topic ist das „politischer Pragmatismus und eine
skrupellose Durchsetzung persönlicher Interessen“ eines engen Kreises von
Politikern. „Morgen könnte es genauso gut Nähe und Verbindung zu jemand
anderem sein. Da gibt es keine Emotionen und keine Sentimentalität – diese
sind Russland vorbehalten“, so die Politologin. Dem Kreml gegenüber
inszeniert sich Dodik gern als verlässlicher Partner. Er trifft sich
regelmäßig mit Wladimir Putin, auch nach Beginn des Angriffskriegs gegen
die Ukraine, und kritisiert die Sanktionen gegen Russland. Moskau wiederum
unterstützt Dodiks Linie gegen den Hohen Repräsentanten verlässlich.
Wichtig sei es für Dodik und seinesgleichen, stets zu zeigen, dass man
bedeutende internationale Freunde hat. Das werde dann, je nach Bedarf,
geschickt für den innenpolitischen Gebrauch verpackt, sagt Topic.
Schmidts Amtszeit war von Beginn an auch von einer auffällig engen
Gesprächsachse ins benachbarte Kroatien geprägt. Die dortige Regierung von
Andrej Plenković (HDZ) pocht seit Jahren auf mehr Einfluss der Kroaten in
Bosnien-Herzegowina.
## Nichts tun oder falsch durchgreifen
Als Schmidt im Oktober 2022 Teile der Verfassung und das Wahlgesetz
änderte, kam das vor allem den Forderungen aus Zagreb und der
kroatisch-nationalistischen HDZ BiH entgegen. Die Änderungen verfestigten
die ethnische Teilung, statt Urteile des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte umzusetzen. Diese Urteile verlangen seit Jahren, dass auch
Bürger:innen, die nicht einem der drei „konstitutiven Völker“ – also
Bosniaken, Kroaten oder Serben – angehören, gleichberechtigt für ein
politisches Amt kandidieren können.
Generell hatte es Schmidt nie leicht in Bosnien-Herzegowina. Seine
Unbeliebtheit wurde mit den Jahren auch immer größer. Ein Diplomat
beschrieb es treffend: „Wenn er nichts tut, denken die Leute, es
interessiere ihn nicht. Wenn er dann aber mal durchgreift, ist es meist
zugunsten der Nationalisten.“
Die USA, die auch durch ihre zentrale Rolle beim Dayton-Abkommen 1995 noch
immer viel politisches Gewicht haben, wünschen sich Experten zufolge einen
Nachfolger, der ihren Interessen entgegenkommt. Der wird vom sogenannten
Friedensimplementierungsrat ernannt, in dem neben EU-Mitgliedsstaaten auch
die USA sitzen. Das bosnische Investigativportal [3][istraga.ba] nennt den
italienischen Diplomaten Antonio Zanardi Landi als möglichen Nachfolger. Er
war unter anderem Botschafter in Belgrad und Moskau.
In der EU hofft man wohl darauf, dass zumindest noch bis zu den
Parlamentswahlen im Oktober gewartet wird. Milorad Dodik kann wegen seines
Amtsverbots zwar – Stand jetzt – nicht selbst antreten. Seine Macht hängt
deshalb an loyalen Figuren, über die er die Entität kontrollieren kann –
etwa über Siniša Karan, seinen engen Vertrauten, der nach Dodiks Absetzung
die Präsidentenwahl in der RS gewann.
11 May 2026
## LINKS
DIR [1] /USA-heben-Sanktionen-auf/!6125689
DIR [2] https://efile.fara.gov/docs/7562-Supplemental-Statement-20251030-1.pdf
DIR [3] http://istraga.ba/
## AUTOREN
DIR Dennis Miskic
## TAGS
DIR Milorad Dodik
DIR Republika Srpska
DIR Christian Schmidt
DIR Schwerpunkt USA unter Trump
DIR Milorad Dodik
DIR Bosnien und Herzegowina
DIR Bosnien-Herzegowina
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR US-Streit mit der EU: Trumps Freunde kaufen den Balkan auf
Der US-Präsident macht Geschäfte mit seiner Familie und mit Bekannten.
Damit kommt er Plänen der EU und europäischen Energiegesetzen in die Quere.
DIR Wahlkampf mit und ohne Dodik: Das große kleine Puppentheater
Der kleine Führer der serbischen Minderheit in Bosnien-Herzegowina ist das
Role Model für alle autoritären Herrscher unserer Tage. Auch für Trump.
DIR Machtkampf in der Republika Srpska: Schluss mit lustig für Milorad Dodik
Der Präsident der serbischen Teilrepublik von Bosnien und Herzegowina wird
per Gerichtsbeschluss seines Amtes enthoben. Doch er gibt nicht klein bei.
DIR Verurteilung von Milorad Dodik: Jetzt hofft er auf seine rechten Freunde
Der bosnische Serbenführer Milorad Dodik ist endgültig verurteilt: zu einem
Jahr Haft und sechs Jahren Politikverbot. Akzeptieren wird er das kaum.