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       # taz.de -- Gutachten zu Migration und Wohnen: Wo Armut und Diskriminerung zusammenwirken
       
       > Migrantische Menschen wohnen im Schnitt in kleineren Wohnungen und geben
       > mehr für Miete aus. Expert*innen fordern gezielte Förderung für
       > Stadtteile.
       
   IMG Bild: Wenig Platz, viel Diskriminierung, Wohnrealitäten von migrantischen Menschen
       
       Wer in deutschen Städten eine Mietwohnung sucht, hat es schwer – ganz
       besonders trifft das Menschen mit Migrationshintergrund. Wie massiv diese
       Gruppe auf dem Immobilienmarkt zu kämpfen hat, zeigt das Jahresgutachten
       des Sachverständigenrats Integration und Migration (SVR), das am Dienstag
       vorgestellt wurde. Die schlechteren Wohnbedingungen seien „häufig“ auch auf
       rassistische Diskriminierung zurückzuführen, sagte die stellvertretende
       SVR-Vorsitzende Birgit Glorius.
       
       Die Statistiken und Studien, die der Bericht anführt, zeichnen ein klares
       Bild: Menschen mit Migrationshintergrund wohnen im Schnitt auf 14
       Quadratmetern Fläche weniger pro Person als Menschen ohne
       Migrationshintergrund. Von letzteren lebt mehr als die Hälfte im Eigenheim,
       während es unter Menschen mit Migrationshintergrund nicht einmal ein
       Drittel ist. Und: Zugewanderte und ihre Kinder geben im Schnitt einen
       größeren Teil ihres Einkommens für die Miete aus.
       
       Für die massive Schlechterstellung von Ausländer*innen und Deutschen
       mit Migrationsgeschichte sehen die Autor*innen zwei Gründe. Zum einen
       sind das sozioökonomische Einflüsse: Menschen mit Migrationshintergrund
       verdienen im Schnitt weniger und haben niedrigere Bildungsabschlüsse.
       Beides geht unabhängig von Migrationsgeschichte mit schlechteren
       Wohnbedingungen einher.
       
       Andererseits ist die schlechtere Wohnsituation direkt und indirekt
       [1][Ergebnis von Diskriminierung]. Indirekt, weil auch Armut und
       schlechtere Ausbildung auf Diskriminierung zurückführbar sind. Direkt, weil
       Mieter*innen bei der Wohnungssuche [2][den rassistischen Vorurteilen von
       Vermietern] unmittelbar ausgeliefert sind.
       
       ## Arme und Reiche bleiben zunehmend unter sich
       
       Im Hintergrund wirkt zudem die [3][insgesamt angespannte Lage] auf dem
       deutschen Wohnungsmarkt, die die Mieten nach oben treibt und
       Vermieter*innen viel Macht über Mietende verschafft. Der
       SVR-Vorsitzende Winfried Kluth sagte dazu: „Für Menschen mit
       Zuwanderungsgeschichte wirken sich diese Engpässe oft besonders stark aus,
       weil sie über weniger finanzielle Mittel verfügen oder als Neuzugewanderte
       neu in den Markt eintreten.“
       
       Eine Tendenz zur Segregation nach Herkunft sehen die Autor*innen in
       Deutschland zwar kaum. Gestiegen sei aber die soziale Segregation: so
       blieben Arme und Reiche zunehmend unter sich. Auch zwischen Stadt und Land
       gibt es deutliche Unterschiede. Ausländer*innen und Menschen mit
       Migrationshintergrund leben ganz überwiegend im urbanen Raum.
       
       Basierend auf ihren Ergebnissen fordern die Autor*innen, den Blick
       insbesondere auf jene Wohngegenden zu richten, in denen sich Armut und ein
       hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund verschränken. Dort
       müssten Kitas und Schulen mit Förderprogrammen genauso ausgebaut werden wie
       medizinische und soziale Einrichtungen.
       
       ## Geflüchtete besonders betroffen
       
       Deutliche Veränderungen brauche es auch bei der Unterbringung von
       Geflüchteten. Derzeit werden diese abhängig von Bevölkerungszahl und
       Steueraufkommen auf Länder und Landkreise verteilt. In der Folge finden
       sich viele Asylbewerber*innen in ländlichen Regionen wieder, wo es
       kaum Jobs und Sprachkurse für sie gibt. Stattdessen brauche es einen
       Verteilmechanismus, der die Bedürfnisse der Geflüchteten mit
       berücksichtige, so der SVR.
       
       Die Grünen-Migrationspolitikerin Filiz Polat sagte der taz: „Die Studie
       bestätigt, was viele Menschen längst erleben: Auf einem angespannten
       Wohnungsmarkt entscheidet oft Einkommen und Herkunft darüber, wer überhaupt
       eine Wohnung findet.“ Es brauche deshalb endlich „einen wirksamen Schutz
       vor Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt“.
       
       Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger, sagte der
       taz zu den Ergebnissen des Gutachtens: „Statt diese Realität anzuerkennen,
       werden Menschen mit Migrationsgeschichte politisch immer wieder zu
       Sündenböcken gemacht.“ Und die Mietenpolitische Sprecherin der Fraktion,
       Caren Lay, sagte: „Die unbezahlbaren Mietpreise müssen gedeckelt, illegale
       Mieten und die rassistische Diskriminierung bekämpft werden.“
       
       12 May 2026
       
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