URI: 
       # taz.de -- MDR streicht Tatort und Polizeiruf: Ermittlungen eingestellt
       
       > Der MDR pausiert drei Jahre lang beim „Tatort“ und dem „Polizeiruf 110“.
       > Damit fehlt es nun an Teilhabe und ostdeutscher Repräsentation im ÖRR.
       
   IMG Bild: Ende des Tatorts erreicht
       
       Der MDR macht Ernst: auf drei Jahre hin keine neuen Tatorte, kein neuer
       Polizeiruf 110. Gesendet wird noch, was abgedreht ist und eh schon im
       Archiv wartet, aber für neue Filme gilt ein Moratorium. Hinzu kommen
       Kürzungen an vielen anderen Stellen, darunter rund 200 Mitarbeiter*innen,
       die von Kündigungen betroffen sein sollen, TV- und Podcastformate, die
       eingespart werden, auf Social Media werden die Aktivitäten auch
       heruntergefahren, das Mittagsmagazin hat der MDR schon nach nur drei Jahren
       zum NDR abgegeben, und beim Jugendsender MDR Sputnik wird die UKW-Welle
       künftig gestrichen, das Angebot gibt’s dann nur noch digital. Das
       verkündete am Montag der MDR-Intendant Ralf Ludwig bei einer Sitzung des
       Rundfunkrats.
       
       Tja, könnte ein kritischer Geist jetzt einwerfen, wer über seine
       Verhältnisse lebt, muss wohl irgendwann die Gürtel enger schnallen. Aber
       ist es denn wirklich so einfach? Die Geldprobleme des MDR lassen sich
       mindestens teilweise auf die Debatte um die Rundfunkgebühren zurückführen,
       die eigentlich um 58 Cent angehoben werden sollten. Die Länder aber setzten
       die Erhöhungen nicht um, ARD und ZDF zogen vor das
       Bundesverfassungsgericht, Karlsruhe hat noch keine Entscheidung getroffen.
       
       Parallel dazu wurde [1][letztes Jahr der Reformstaatsvertrag
       verabschiedet], der die Öffentlich-Rechtlichen dazu zwingen soll, seine
       Strukturen zu verschlanken und Kosten zu senken. Das hat auch alles
       sicherlich nicht nur schlechte Seiten, denn spricht man mit Mitarbeitenden
       öffentlich-rechtlicher Sender, insbesondere jenen, die noch Lust auf gute
       Inhalte haben und nicht in einer unkündbaren Festanstellung arriviert sind,
       gibt es viel Frust und das Bedürfnis nach Reformen.
       
       Ob gerade Kahlschlag bei den für das Publikum sichtbaren Inhalten
       allerdings der richtige Weg ist, das darf man doch bezweifeln. Insbesondere
       nicht in Bundesländern, bei denen es nach den nächsten Wahlen nicht
       unwahrscheinlich ist, dass [2][eine Partei als Gewinner hervorgehen könnte,
       die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk entweder ganz loswerden], oder,
       noch schlimmer, nach ihrem Gusto und ihrer Ideologie umbauen möchte. Es ist
       natürlich jetzt wichtig, über nötige Reformen zu sprechen und zu zeigen,
       dass der ÖRR auch Kritik hört. Aber wir müssen auch über Sparzwänge
       sprechen, die nicht alternativlos sein müssten, wenn sich Länder nicht
       querstellen würden.
       
       ## Krimis und Weltanschauung
       
       Klar, es bleibt die Frage, ob wirklich jedes letzte Dorf sein eigenes
       Tatort- und/oder Polizeiruf-Ermittlerteam benötigt. Und ob es wirklich so
       viel Mord und Totschlag im Fernsehen braucht, in qualitativ nicht immer
       allzu ambitioniertem Gewand. Und was für Auswirkungen das Überangebot an
       Krimi-Entertainment auf Weltanschauungen einer Gesellschaft hat. Aber:
       Tatort und Polizeiruf sind auch eine Art Experimentallabor für den
       Filmnachwuchs, der seine Skills von den Filmhochschulen hier direkt auf
       besten Sendeplätzen beweisen kann.
       
       Die föderale Struktur befördert außerdem auch, dass die Film- und
       Medienproduktionsbranche eben nicht nur auf Berlin und Potsdam, Köln und
       vielleicht noch Hamburg beschränkt bleibt, sondern Menschen in ganz
       Deutschland in ihr arbeiten und an ihr teilhaben können. Und nicht zuletzt
       bedeutet der Wegfall aller vom MDR produzierten Folgen von Tatort und
       Polizeiruf, Formaten immerhin, die in der gesamten Bundesrepublik
       konsumiert werden, eben auch weniger Repräsentation ostdeutscher
       Realitäten, weniger Raum für ostdeutsche Themen. Wollen wir das wirklich?
       Gerade jetzt? Ich bin mir da nicht so sicher. Aber eines weiß ich: Die AfD
       wird’s freuen.
       
       12 May 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Reformstaatsvertrag-in-Kraft/!6134232
   DIR [2] /Umgang-mit-AfD-im-OeRR/!6084279
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Aida Baghernejad
       
       ## TAGS
       
   DIR Tatort
   DIR Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
   DIR Polizeiruf 110
   DIR Social-Auswahl
   DIR MDR
   DIR talkshow
   DIR Reden wir darüber
   DIR Kürzungen
   DIR Tatort
   DIR Wochenendkrimi
   DIR Medienrecht
   DIR Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR In der Tatort-Sommerpause: Mit dem Nemec hinterm Batić
       
       Wer einen Abend mit Miroslav Nemec verbringt, ist verwirrt. Wer spricht da:
       Der Kommissar oder der Autor?
       
   DIR Sommerpause für den „Tatort“: Und täglich grüßt das Mördertier
       
       Der „Tatort“ verabschiedet sich in die frühen Sommerferien. Warum es sich
       trotzdem lohnt, den Fernseher sonntagabends anzuschalten.
       
   DIR Debatte über Reformen beim ÖRR: Bitte mehr kürzen!
       
       Im Diskurs über die Zusammenlegung von 3sat und Arte kommt der digitale
       Wandel zu kurz. Es braucht mutige Strategien, damit der ÖRR relevant
       bleibt.
       
   DIR Mitteldeutscher Rundfunk reformbedürftig: Ändern und streichen
       
       Der MDR hat Probleme. Die stehen symptomatisch für den Reformdruck der
       Öffentlich-Rechtlichen. Insbesondere Kulturformate haben es schwer.