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       # taz.de -- Nachbarschaftliches Klima: Alle reden vom Wetter – oder eben auch nicht
       
       > Als Smalltalkthema ist das Wetter brisant, weiß unser Kolumnist. Aber
       > gern hätte er doch mit dem Nachbarn darüber geplaudert. Und über den
       > Rasensprenger.
       
   IMG Bild: Allemal ein Gesprächsthema: ein Rasensprenger
       
       Es ist lange her, dass man aus Verlegenheit aufs Wetter zu sprechen kam.
       Wenn einem heute nichts mehr einfällt, dann sagt man besser was zu Trump
       oder Nahost – oder man lässt es vorsichtshalber gleich ganz. Die Frage ist
       nur, woran das liegt. Die einen schreckt vermutlich das Klischee, weil sich
       rumgesprochen hat, dass Wetter eben so belanglos sei und man sich dermaßen
       peinlich dann nicht mal beim Smalltalk [1][in der Bäckereischlange] geben
       mag. Kann sein.
       
       Für die anderen hingegen ist das Thema paradoxerweise zu brisant. Wer sich
       in den vergangenen Tagen ins Internet gewagt hat, dürfte diese Geschichte
       so oder so ähnlich mehrfach bezeugen können: Irgendwer postet ein Foto mit
       Kaltgetränk und nacktem Fuß auf dem Balkongeländer – und kriegt postwendend
       den Anschiss, von der Klimakatastrophe wohl nichts mitbekommen zu haben und
       überhaupt ein privilegiertes Arschloch zu sein.
       
       Ich habe zuletzt auch nicht gerne übers Wetter gesprochen, obwohl es mich
       sehr umgetrieben hat. Gestern zum Beispiel habe ich meinen Tag minutiös
       entlang des Regenradars durchgetaktet: bin eine Stunde früher als nötig in
       die Stadt gefahren, um die erste Regenfront in der Bahn abzuwettern, habe
       schnell die Mungobohnenglasnudeln gekauft, die es hier auf dem Dorf nicht
       gibt, und zum Schluss dann richtig Gas gegeben bei der Abendkonferenz, um
       vor dem nächsten Gewitter wieder zu Hause am Acker zu sein.
       
       Es gäbe noch mehr Beispiele über alltagsrelevante Wetterthemen. Dass morgen
       zum Beispiel die Tomaten nicht gegossen werden müssen, dafür beim Aufklaren
       unbedingt der weggespülte Kaffeesatzbannkreis um den Salat erneuert werden
       muss, damit das Projekt [2][nicht dem Schneckenfraß] anheimfällt. Aber das
       führt hier erstens zu weit und interessiert zweitens wahrscheinlich auch
       einfach überhaupt keine:n mehr.
       
       Was hier draußen hingegen sehr viele interessiert, ist die Frage, wer wann
       den Rasen wässert. Während der Hitzewelle über Pfingsten gingen rundum in
       der Nachbarschaft pünktlich zur Abenddämmerung die Sprenger an. Ich habe
       mich allerdings gefragt, warum. Wollen sie Verdunstungsverluste vermeiden
       oder hoffen sie nur, dass niemand die Sauerei mitbekommt, wenn man sie im
       Schutz der Dunkelheit veranstaltet?
       
       ## Es herrscht ein halbseidener Ökokonsens
       
       Den meisten hier würde ich beides zutrauen. Unter uns
       Speckgürtler:innen herrscht nämlich ein so restriktiver wie
       halbseidener Ökokonsens, der sich vor allem auf das Tun der anderen
       kapriziert. „Die Soundsos von gegenüber sind über Ostern schon wieder
       geflogen!“, wurde mir neulich am Zaun berichtet, und ich wusste wirklich
       nicht, was ich dazu sagen sollte. Mein lustiger Spruch über den SUV des
       Denunzianten kam schon beim letzten Mal nicht gut an, und was anderes fiel
       mir jetzt auch nicht ein. Deshalb hab ich nur mit den Schultern gezuckt und
       „Tja …“ gesagt – oder so was in der Art.
       
       Auch, um diesen Moment beschämender Rückgratlosigkeit auszubügeln, wollte
       ich nun wenigstens das Mysterium um den Rasensprenger auflösen und habe
       mich beim ersten Rattergeräusch in die Hecke geschlagen, um ein
       Wettergespräch zu wagen und einfach mal nachzufragen.
       
       Das war schwieriger als gedacht, weil erstens meine Hälfte der
       Wehrbepflanzung von Dornen durchwuchert ist – und weil dann zweitens gar
       niemand da war im Nachbargarten. Nicht mal ein Sprenger, denn das
       verdächtige „Schhhhh-klick-klick-klick“ kam in Wirklichkeit von einer
       völlig anderen Maschine: dem „hocheffizienten Maulwurf- und
       Wühlmausvertreiber mit Ultraschall“ nämlich, den es beim Baumarkt derzeit
       im Angebot gibt. Und dazu fällt mir dann wirklich so gar nichts mehr ein.
       
       5 Jun 2026
       
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