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       # taz.de -- Wettrennen ins All: Die FDP baut eine Mondbasis
       
       > Unsere Kolumnistin bekommt Besuch vom einem Zeitreisenden. Der erzählt,
       > wie es mit der Raumfahrt in 100 Jahren aussieht – inklusive echter
       > Revolution.
       
   IMG Bild: Das Objekt der Begierde: der Mond
       
       Vor Kurzem war ich bei einer Veranstaltung der Universität Stuttgart, bei
       der Wissenschaftler*innen und Science-Fiction-Autor*innen über
       verschiedene Zukunftstechnologien diskutieren. Mein Gesprächspartner dort
       forscht an einem riesigen Aluminiumschirm im Weltall, der Sonnenlicht von
       der Erde fernhalten soll, um [1][die Klimakatastrophe] zu verlangsamen. Ein
       paar Wochen später erzähle ich von dieser Idee bei mir am Küchentisch, zu
       Besuch ist mein Freund Felix aus dem Jahr 2126.
       
       „Hat sich ein Supervillain gefunden, der das finanziert?“, frage ich ihn.
       
       „Natürlich nicht“, sagt er.
       
       „Und wie geht das New Space Race aus? Letzte Woche ist eine
       Blue-Origin-Rakete explodiert. Hat SpaceX den Markt komplett übernommen?“
       
       „Das ist, als würde dich jemand fragen, ob die ganze Welt nur noch BMW
       fährt, weil die A-Klasse in den 1990ern den Elchtest nicht bestanden hat.
       Auch wenn die berühmten Firmenbosse euch glauben lassen, es gäbe nur zwei
       Player in der Branche: Der Markt für Raumfahrt ist riesig und nicht die
       Unternehmen planen die Missionen, sondern die Politik.“
       
       „Wie geht’s also weiter?“
       
       „In den nächsten 20 Jahren entstehen drei Mondbasen: jeweils eine [2][von
       der Nasa, der CNSA] und der FDP.“
       
       Ich starre ihn an.
       
       „Du weißt doch, dass alte weiße Männer mit zu viel Geld und fragilem Ego
       ihr Vermögen lieber in astronomische Projekte stecken, anstatt es für
       Bildung und die Gemeinschaft auszugeben.“
       
       „Ja, aber …“ Mir fehlen die Worte.
       
       „Als die FDP sich endgültig auflöst, gibt es plötzlich eine Menge dieser
       Typen, die ein neues Projekt brauchen. Die Mission ‚Männer im Mond‘ (MiM)
       sorgt dafür, dass neben dem amerikanischen und dem chinesischen am Habitat
       noch ein drittes auf dem Mond errichtet wird, in einer zuvor entdeckten
       Pol-Lavaröhre nahe dem Nobile-Krater.“
       
       „Und was machen die da?“
       
       „Die Nasa will dort eine Startrampe für [3][Reisen zum Mars] und darüber
       hinaus bauen. China sieht den Mond selbst als Ziel und erforscht
       Technologien und Infrastruktur, um dort zu bleiben. Und die MiMs wollen wie
       immer Geld verdienen. Sie erschließen den Mond touristisch mit
       Hotelresorts, Low-Gravitiy-Golfplätzen, Sterneküche bei Sauerstoffmangel
       und Luxusimmobilien für Personen, die der Strafverfolgung auf der Erde
       entgehen wollen.“
       
       „Funktioniert das?“
       
       „Eine Weile schon. Die Mondbasen wachsen, werden so gut wie autark und
       etablieren sich als Relais zwischen Erde und Missionen im weiteren
       Sonnensystem. Aber als Ende der 2080er wegen internationaler Spannungen
       über Monate alle Flüge zur Erde ausfallen, kommt es zur Krise. Die 2.000
       Bediensteten der MiMs haben keine Lust mehr, ihre Ressourcen zu
       rationieren, während die kaum hundert Luxusmondbewohner so leben, als gehe
       sie der um sie herum drohende Weltraum nichts an. Eine sehr kurze und
       blutige Revolution später wird die mondbasisdemokratische anarchische
       Republik Luna gegründet. Die anderen Basen werden annektiert, um Kontrolle
       über deren Technologie und Ressourcen zu erlangen. Im Jahr 2094 wird Luna
       in die UNO aufgenommen.“
       
       „Und heute …, also 2126?“, frage ich.
       
       „Zwei Wochen Mondröhre gibt’s als Pauschalurlaub. Und auf dem Mars stehen
       gerade zwei Pioniersiedlungen. Doch wer die einmal betritt, wird zum
       Marsmenschen und darf nicht mehr auf die Erde zurück. Das soll eine
       Eskalation wie auf dem Mond verhindern. Da oben sind alle Menschen gleich.“
       
       10 Jun 2026
       
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