# taz.de -- Einigung bei Integrationskursen: Dobrindt korrigiert seinen Kurs
> Die Koalition möchte kostenlose Integrationskurse wieder für mehr
> Menschen öffnen. Wie viele tatsächlich teilnehmen dürfen, das hängt vom
> Haushalt ab.
IMG Bild: Kurskorrektur bei Dobrindt, doch viel ist da nicht zu erwarten
Nach wochenlangen Verhandlungen haben CDU/CSU und SPD sich auf einen
Kompromiss bei den staatlich finanzierten Integrationskursen geeinigt. Das
bestätigt der taz am Dienstag ein Sprecher der SPD. Bereits ab dem 1. Juni
sollen Integrationskurse auch für freiwillige Teilnehmende wieder
offenstehen. Die Kurse richten sich vor allem an Geflüchtete und vermitteln
Sprachkenntnisse, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern.
Trotzdem dürfte weiter mit Kürzungen zu rechnen sein.
Mit der Einigung kippt die Koalition einen Zulassungstopp, von dem rund
130.000 Menschen betroffen waren – und der [1][seit Monaten massiv von
Opposition und NGOs kritisiert] wurde. Innenminister Alexander Dobrindt
(CSU) hatte [2][im Februar angekündigt], freiwillige Teilnehmende von
staatlich finanzierten Integrationskursen auszuschließen – begründet mit
Sparmaßnahmen. In diese Gruppe fallen unter anderem Ukrainer:innen,
EU-Bürger:innen, Asylsuchende im laufenden Verfahren sowie Geduldete.
Weiter teilnehmen durften bislang nur anerkannte Asylbewerber:innen
und Menschen, die von Behörden zu einer Teilnahme verpflichtet wurden.
## Kürzungsdruck bleibt
An die Stelle [3][des pauschalen Zulassungsstopps] tritt nun ein
Kontingent, das die Ausgaben für freiwillige Teilnehmende deckeln soll.
Innerhalb dieses Kontingents soll eine Priorisierung stattfinden: Bevorzugt
beachtet werden dabei Geflüchtete aus der Ukraine. Auch EU-Bürger:innen, an
denen „arbeitsmarktpolitisches Interesse“ besteht, sollen bessere Chancen
auf eine Teilnahme bekommen, heißt es aus der SPD. Für Asylsuchende ohne
Anerkennung werden anstelle von Integrationskursen sogenannte
„Erstorientierungskurse“ angeboten, die eine abgespeckte Variante sind und
vor allem Grundkenntnisse über Alltag und Gesellschaft in Deutschland
vermitteln.
Wie viel Geld künftig in die Integrationskurse fließt, wird erst mit dem
Haushalt 2027 entschieden. Für diesen wurden alle Ministerien angehalten,
ein Prozent ihrer Ausgaben einzusparen. Inmitten dieses Kürzungsdrucks und
der restriktiven Migrationspolitik des CSU-geführten Innenministeriums
zeichnet sich aber bereits jetzt ab, dass Integrationskurse trotz der
Einigung weiter unter Druck geraten dürften. Wie viele Plätze im begrenztem
Budget für freiwillige Teilnehmende übrig bleiben werden, wird sich in den
Haushaltsverhandlungen Ende Juni zeigen.
## Finanzen durch die Decke
Die SPD zeigt sich zufrieden mit dem Kompromiss. „Der Zulassungsstopp
konnte aus unserer Sicht so nicht bleiben. Er hätte uns integrations-,
gesellschafts- und arbeitsmarktpolitisch mehr geschadet als geholfen“, sagt
Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD. Die Gespräche mit
Dobrindt seien konstruktiv verlaufen. „Zugleich müssen wir anerkennen, dass
die Kosten für den Haushalt buchstäblich durch die Decke gegangen sind“, so
Fiedler.
Für die Grünen ist die Einigung nicht genug. „Die Union versucht
offensichtlich, ihre eigenen schweren Fehler aus dem Februar zu
korrigieren. Aber sie bleibt weiter auf einem integrationspolitischen
Irrweg“, sagt die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat der taz. Integration dürfe
nicht von starren Kontingenten oder von „politisch definierten
Bleibeperspektiven“ abhängen. Polat fordert von der Regierung einen
„verlässlichen, bedarfsgerechten und unbürokratischen Zugang zu
Integrations- und Sprachkursen“.
Im nächsten Schritt muss das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge noch
vor Juni zusammen mit den Kursträgern – etwa Volkshochschulen – die
Wiederaufnahme der Zulassungen organisieren. Alles Weitere wird in den
Haushaltsverhandlungen entschieden. Der SPD-Abgeordnete Hakan Demir war an
den Verhandlungen mit Dobrindt beteiligt und verweist auf die
[4][wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von
Integrationskursen]. „Deshalb sollten wir auch in Zeiten knapper werdenden
Haushalte dort strategisch investieren, wo es sich am Ende für alle
auszahlt. Bei Beratung, bei Sprachkursen, bei der Arbeitsmarktintegration“,
sagt Demir der taz.
12 May 2026
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## AUTOREN
DIR Jule Frank
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