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       # taz.de -- Friedensgespräche für Libanon: Am Washingtoner Tisch Hisbollah die Zähne ziehen
       
       > Unter US-Vermittlung verlängern Israel und Libanon ihre Waffenruhe. Sie
       > wird aber nicht eingehalten und Hisbollah, um die es geht, ist nicht
       > dabei.
       
   IMG Bild: Israelischer Panzer an der libanesischen Grenze, 14. Mai
       
       Israel und Libanon führen weiter direkte Verhandlungen miteinander. Zuletzt
       wurde Ende vergangener Woche in der US-Hauptstadt Washington disktuiert.
       Dabei ging es um „dauerhaften Frieden“ zwischen den Nachbarstaaten und
       „echte Sicherheit entlang ihrer gemeinsamen Grenze“, erklärte
       US-Außenministeriumssprecher Tommy Pigott.
       
       Außerdem wurde im Zuge der Gespräche die Waffenruhe zwischen den beiden
       Ländern um weitere 45 Tage verlängert. Diese gilt eigentlich seit dem 17.
       April, wird aber immer wieder vor allem von Israel, aber auch der von Iran
       unterstützen Miliz/Partei Hisbollah im Libanon verletzt.
       
       Die libanesische Zeitung [1][L'Orient Le Jour hat nun die Punkte
       veröffentlicht], die wohl am Verhandlungstisch in Washington erörtert
       wurden. Darin steht unter anderem, Israel bekräftige „seinen vollen Respekt
       vor der territorialen Integrität und Souveränität des Libanon“ und
       verpflichte sich, „sich aus allen libanesischen Gebieten zurückzuziehen und
       auf jegliche territorialen Ambitionen zu verzichten“.
       
       Libanon wiederum wolle „seine volle Souveränität über sein gesamtes
       Hoheitsgebiet“ wiederherstellen, „das staatliche Gewaltmonopol wahren“ und
       sicherstellen, „dass keine nichtstaatliche bewaffnete Gruppe“ eine
       „militärische oder sicherheitspolitische Rolle“ spiele oder „über
       bewaffnete Fähigkeiten“ verfüge.
       
       Konkret heißt das: Israels Militär soll alle besetzten libanesischen
       Gebiete an das libanesische Militär übergeben, Zivilisten sollen im
       Anschluss zurückkehren dürfen. Mit Unterstützung der USA werde man dafür
       einen Zeitrahmen und einen Prozess aushandeln. Außerdem wollen die USA die
       libanesische Armee unterstützen, um „die Kontrolle des Staates über das
       gesamte Hoheitsgebiet“ zu festigen.
       
       ## Hisbollah droht mit „ernsthaften Auswirkungen“
       
       Die Verhandlungen zielen also darauf ab, die [2][Macht der bislang als
       Staat im Staat agierenden Hisbollah] in Libanon zu brechen. Und damit auch
       den Einfluss Irans im Land.
       
       Reaktionen derselben ließen nicht lange auf sich warten. Ein
       Friedensabkommen mit Israel sei „eine Illusion“, erklärte die Hisbollah am
       Samstag in einem Statement, und warnte vor „ernsthaften Auswirkungen“ auf
       die „Stabilität des Libanon“. Ein der Hisbollah nahestehender Imam warnte
       vor einem Bürgerkrieg.
       
       Auch der Ton des Staats gegenüber der Hisbollah wird schärfer. So rief der
       libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam am Freitag nach den
       Verhandlungen die Gruppe auf, ihre „absurden Abenteuer im Dienste fremder
       Interessen“ zu beenden.
       
       Eine neue Runde der Verhandlungen ist für den 29. Mai angesetzt. Schnelle
       Ergebnisse sind aber nicht zu erwarten. Denn die politische Realität in
       Libanon ist komplex.
       
       Einerseits, weil die Hisbollah Stand jetzt immer noch besser ausgerüstet
       ist als das libanesische Militär selbst. Und das Militär hat zwar eigenen
       Angaben nach in den vergangenen Monaten – wie im Waffenruhe-Abkommen vom
       November 2024 vereinbart – Stellungen der Hisbollah im Südes des Landes
       geräumt. Doch diese fragile, ebenfalls immer wieder gebrochene Ruhe endete
       mit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Damals stieg die Hisbollah auf
       Seiten Irans gegen Israel ein.
       
       ## Anhaltende Luftangriffe im Südlibanon
       
       Und andererseits, weil [3][Israels anhaltende Angriffe in Libanon] auch
       Zivilistinnen und Zivilisten treffen. Und damit steigt die Angst vor und
       Wut auf Israel auch unter denen, die die Hisbollah nicht unterstützen.
       
       Am Freitag, nur Stunden nach der Verlängerung der Waffenruhe, attackierte
       Israel mehrere Orte im Süden Libanons. Unter anderem kamen dabei drei
       medizinische Ersthelfer um. Am Samstag und Sonntag rief das israelische
       Militär die Bewohnerinnen und Bewohner mehrer Dörfer im Süden des Landes
       zur Flucht vor bevorstehenden Angriffen Israels auf und erklärte, am
       Wochenende 100 Hisbollah-Ziele angegriffen zu haben. Auch die Hisbollah
       beschoss Nordisrael.
       
       Für nachvollziehbare Irritationen sorgte außerdem der rechtsextreme
       israelische Minister für Innere Sicherheit, Itamar Ben-Gvir. Während die
       Verhandlungen in Washington noch liefen, erklärte er, Besiedelungspläne für
       den Libanon zu haben. Derzeit besetzt das israelische Militär eine mehrere
       Kilometer tiefe sogenannte Pufferzone. Laut dem israelischen Sender i24News
       [4][unterstützten 62 Prozent in einer Umfrage eine israelische Besiedelung
       Südlibanons].
       
       17 May 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://today.lorientlejour.com/article/1507086/lorient-le-jour-reveals-the-draft-statement-of-intent-between-israel-and-lebanon.html
   DIR [2] /Krieg-im-Libanon/!6177311
   DIR [3] /Christen-in-Suedlibanon/!6176766
   DIR [4] https://www.i24news.tv/he/news/news/politics/artc-9fc82ac7
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Lisa Schneider
       
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