# taz.de -- Blaulicht auf Peterwagen: Hamburger Polizei auf Dauersendung
> Streifenwagen der Hamburger Polizei fahren künftig mit einem nicht
> blinkenden Blaulicht, um Präsenz zu zeigen. Hilft das? Oder verunsichert
> es nur?
IMG Bild: Blinkt nie, nervt durchgehend: Polizei Hamburg setzt als erste Polizei in Deutschland auf dauerhaft eingeschaltetes Blaulicht
Man sitzt also im Auto auf der Fahrt durch Hamburg, es ist dunkel und viel
Verkehr, Autos, Fahrräder, Fußgänger*innen. Womöglich kennt man den Weg
nicht und ist gestresst. Dann taucht im Rückspiegel ein Polizeiauto mit
Blaulicht auf. Was tun? Rechts ran fahren und anhalten? Abwarten,
beobachten, herausfinden, was los ist?
Die Antwort ist: Rausfinden, um welche Art Blaulicht es sich handelt. Wenn
es blinkt und eine Sirene dazukommt, stimmt was nicht. Wenn das Blaulicht
einfach nur brennt, ist man nicht gemeint. Dann soll man ruhig und
entspannt weiterfahren und sich freuen: Die Polizei ist da, aber nicht, um
einen zu überführen! Das Blaulicht soll lediglich Präsenz signalisieren,
nichts weiter.
Hamburg ist das erste deutsche Bundesland, das ein sogenanntes
„polizeiliches Präsenzlicht“ einführt: Künftig werden Hamburger
Streifenwagen ihr Blaulicht mit auf 30 Prozent reduzierter Strahlkraft
anknipsen, es aber nicht blinken lassen und keine Sirene dazu anschalten.
Die Polizeiautos sollen dadurch sichtbarer werden und durch ihre
Sichtbarkeit das Sicherheitsgefühl der Menschen steigern. Ach, und
Kriminelle abschrecken.
Die Idee ist nicht neu, in Spanien, Frankreich und einigen Bundesstaaten
der USA wird sie schon praktiziert. Laut Hamburger Polizeivizepräsident
Mirko Streiber hätten andere Länder gute Erfahrungen mit dem Dauerlicht
gesammelt. Aber bringt es wirklich etwas oder verunsichert es vor allem
Autofahrer*innen und Passant*innen?
## Dünne Datenlage
Die Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention in Bonn sagt auf
taz-Anfrage, man habe das Thema „Polizeiliches Präsenzlicht“ weder auf der
Agenda noch würde man dazu Studien durchführen oder überhaupt welche
kennen. Zur weiteren Recherche empfiehlt man die „Polizeiliche
Kriminalprävention der Länder und des Bundes“ (ProPK) mit Sitz in Stuttgart
– eine Einrichtung, in der alle Polizeibehörden der Länder
zusammenarbeiten, um die Sicherheit der Bevölkerung zu erhöhen.
Eine Sprecherin der ProPK sagt, man habe „noch nie etwas von dem
‚polizeilichen Präsenzlicht‘ gehört. Das scheint ein Hamburger Phänomen zu
sein.“ Insofern könne man nicht weiterhelfen bei der Recherche.
Hilft vielleicht der Blick in die USA, wo das Präsenzlicht „Police Cruise
Lights“ heißt? [1][Eine Untersuchung der New York University aus dem Jahr
2017] in drei Städten in Connecticut ergab: Der Lampen-Einsatz führte zu 44
Prozent weniger Autodiebstählen, 20 Prozent weniger Festnahmen und 16
Prozent weniger Autoeinbrüchen.
Allerdings waren die erhobenen absoluten Zahlen so gering, dass die
Wissenschaftler*innen Zufall nicht ausschließen konnten und deshalb
ihrer Untersuchung keine systematische Aussagekraft zuschreiben wollten.
## Gewerkschaft der Polizei ist skeptisch
In der Hamburger Praxis sind nun noch andere Fragen zu klären. Die
Gewerkschaft der Polizei insistiert etwa darauf, dass Polizist*innen
das Recht haben müssten, selbst zu entscheiden, ob sie die Lampe anmachen
oder nicht – schließlich könnte es nötig sein, im Einsatz unauffällig zu
bleiben statt weithin sichtbar.
Und dann gibt es ja auch die Menschen außerhalb des Polizeiautos, von denen
durchaus einige negative Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben – von
einem rabiaten Tonfall bei der Verkehrskontrolle über [2][Racial Profiling]
bis zu [3][Polizeigewalt]. Auf diese Menschen wirkt das blaue Präsenzlicht
alles andere als beruhigend.
Wie die Hamburger Polizei zur Einschätzung kommt, andere Länder hätten
positive Erfahrungen mit dem Präsenzlicht gemacht, ob die Lampe auch
tagsüber an ist und ob Beamt*innen sie anschalten müssen oder dürfen,
hätte die taz gern von der Polizei erfahren. Allein: Eine Rückmeldung gab
es bis Redaktionsschluss nicht.
20 May 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.betagov.org/completed-trials/Patrol-cruise-lights.pdf
DIR [2] /Racial-Profiling/!t5009754
DIR [3] /Polizeigewalt/!t5708537
## AUTOREN
DIR Klaus Irler
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