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       # taz.de -- Zwischen Rassehunden: Mit einer Flasche Champagner in den Sonnenuntergang blinzeln
       
       > Auf der Welt mag es viele Probleme geben. Doch von einem Kiosk in den
       > Hamburger Elbvororten aus betrachtet sind sie weit weg.
       
   IMG Bild: Schnell austrinken, die Sonne ist schon fast weg
       
       Es gibt Momente, in denen sich die Realität auf eine Art verdichtet, die
       unglaubwürdig wirkt. Alles ein bisschen zu viel, over the top, wa? Die Elbe
       glitzert an diesem späten Nachmittag, drüben liegt das Hamburger
       Airbus-Werk in der Sonne, über das sich die Anwohnenden hier auf dieser
       Seite der Elbe geärgert hatten, als es kam, weil es ihnen die Aussicht
       kaputtmachte. Nun ist es da, damit muss man leben.
       
       Es herrscht ein reger Verkehr hier vor dem Kiosk, der vielleicht eher eine
       Bar ist, alte und junge Ausflügler*innen fahren mit ihren E-Fahrrädern
       vorbei, doch die Leute, die hier sitzen, sind vor allem da, um zu trinken.
       Mit Stil. Am Tisch da hinten die Frau mit den drei Kindern kommt schon an
       die Grenzen ihrer Geduld, sie hat einen Aperol, die Kinder Limonade, aber
       sie geben keine Ruhe, ihr Glas Aperol ist immer noch voll.
       
       Am Nebentisch die älteren Paare, die sich aus einer Flasche Weißwein
       einschenken, haben es leichter, die haben nur ihre freilaufenden Hunde
       dabei. Es ist hier eine Schaulaufen der Rassehunde, interessant, was es da
       alles so gibt! Auf der Elbe fahren die Containerschiffe vorbei, ah, die
       Reederei Grimaldi, das Schiff fährt nach Ghana.
       
       Nicht wenige der Leute, die in den Villen hinter uns auf der anderen Seite
       der Elbchaussee wohnen, verdanken ihren Reichtum den Schiffen, die hier
       über den Fluss fahren. Die Flasche Bier kostet an diesem Kiosk auch sechs
       Euro, aber dafür ist es aus Bayern von einer Marke, die es in Hamburg nicht
       so oft gibt, und schmeckt sehr gut.
       
       Eine Gruppe junger Männer hat einen Tisch direkt an der Mauer zur Elbe hin
       okkupiert. Was sie feiern, lässt sich nicht erraten, Abi kann nicht sein,
       dazu sind sie nicht jung genug. Bachelorparty? Oder einfach so? Auf dem
       Tisch stehen einige Eimer, in denen hier der Weißwein und der Champagner
       serviert werden, und leere Bierflaschen, die Party neigt sich schon ihrem
       Ende zu.
       
       ## Gesteppte Westen im Einsatz
       
       Die Aussprache fällt schwer, die Toiletten sind zum Glück nicht weit und
       die Stimmung ist bestens. Offenbar ist es wieder möglich, Schuhe mit
       Zierschnüren zu tragen, alles kommt eben wieder, und manches ist auch nie
       weg – wie die Businesshemden mit den dünnen blassblauen Streifen.
       Tatsächlich sind auch gesteppte Westen im Einsatz, wie sie etwa in Kampen
       auf Sylt zu sehen sind, eigentlich eher bei der älteren Generation, aber
       warum auch nicht?
       
       Sie reden beseelt, wenn auch nicht immer verständlich. „Das ist
       unmöglich!“, sagt einer entschieden. Eine anerkennende Bemerkung fällt über
       eine beliebte Bar im benachbarten Ottensen, in der sich das Publikum in der
       letzten Zeit sehr verändert hat, wie man dort findet, „da kommen jetzt auch
       sehr viele Leute aus den Elbvororten“, heißt es, tja, Volltreffer!
       
       Die jungen Männer sind wirklich noch sehr jung, einer versucht, auf die
       Schulter seines Freundes zu klettern, der auf der Bank sitzt, der Freund
       kippt um und liegt im Kies, sie lachen. Ein anderer fischt Eiswürfel aus
       seiner Hose, „sollen wir noch was bestellen?“, ja klar! Aber was?
       
       Unschlüssig stehen sie vor dem Kiosk, der von einem Hochglanz-Stadtmagazin
       betrieben wird (deswegen gibt’s hier auch nur das Beste vom Besten). Später
       werden sie Richtung Jenischpark ziehen, um dessen weitläufige Rasenflächen
       herum sich die Villen verteilen, in denen sie vielleicht zu Hause sind.
       Vielleicht aber auch nicht, vielleicht sind sie mit einer Elbfähre
       angereist und gar nicht von hier?
       
       ## Die Rollen sind verteilt
       
       Sein könnte es allerdings schon. Seht die teuren Uhren! Bei einem blitzt
       ein goldener Siegelring am Finger. Die Rollen sind auch schon verteilt. Es
       gibt die Lässigen, die sich gar nicht anstrengen müssen, um im Mittelpunkt
       zu stehen, und die anderen, die sich an sie ranwanzen.
       
       Und dann, die jungen Männer sind abgezogen, kommt, wie zur Krönung, ein
       Schiff gefahren, diesmal ist es ein Kreuzfahrtschiff, keines der ganz
       Großen, aber elegant, sehr elegant. „Amadea“ steht auf dem Bug.
       
       Dr. Google KI sagt: „Die ‚MS Amadea‘ ist ein bekanntes Kreuzfahrtschiff,
       das seit 2015 als das ‚Traumschiff‘ in der gleichnamigen ZDF-Fernsehserie
       dient.“ Langsam fährt das Traumschiff die Elbe hinunter, der Sonne
       entgegen.
       
       19 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Daniel Wiese
       
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