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       # taz.de -- Das Geheimnis der „Blauen Zonen“: So süß schmecken Tomaten in deutschen Supermärkten nie
       
       > Auf Sardinien werden besonders viele Menschen über 100 Jahre alt. Kann
       > man von ihnen etwas lernen?
       
   IMG Bild: Gutes, gesunderes Essen, leckere Tomaten verlängern die Lebenszeit
       
       Eben war ich noch in einer blauen Zone, jetzt leuchtet mir nur noch der
       obere Balken des Word Dokuments blau entgegen. Ich lese Notizen zu unserer
       Recherche über ein [1][Vergewaltiger Netzwerk auf Telegram] nach. Und frage
       mich nach zwei Wochen Urlaub, warum mache ich das hier? Wieso arbeiten?
       Wieso nicht von dem eigenen Gemüsegarten leben und jeden Tag das Meer am
       Horizont sehen? Ich sitze am Schreibtisch, dabei könnte ich Siesta machen –
       und sehr alt werden.
       
       Die Provinz Ogliastra an der Ostküste von Sardinien zählt zu einer der
       [2][fünf Blue Zones auf der Welt, in denen besonders viele über 100-Jährige
       leben sollen]. Hier geht die Sonne über dem Tyrrhenischen Meer auf, steile
       Klippen treffen auf türkisblaues Wasser. Es riecht nach Pinien und wildem
       Fenchel, wenn es geregnet hat, nach lehmiger Erde. Und es hat viel geregnet
       in den letzten vier Monaten, pink blühender Oleander säumt die Straßen, die
       Tomaten schmecken so süß, wie sie es in deutschen Supermarktregalen nie tun
       würden.
       
       Welche Faktoren in dieser Region für ein längeres Leben sorgen, untersuchte
       der US-amerikanische Autor Dan Buettner und gab ihnen den Namen Blue Zone.
       Blau – weil Forschende die Orte, in denen besonders viele über 100-Jährige
       leben, mit einem blauen Stift eingekreist haben. Neben Sardinien hat
       Buettner vier weitere dieser Zonen lokalisiert: Okinawa in Japan, die
       griechische Insel Ikaria, Nicoya in Costa Rica und Loma Linda in
       Kalifornien, wo viele Anhänger der Sieben-Tags-Adventisten leben, eine
       protestantische Freikirche.
       
       Zwar gibt es auch Kritik an Buettners Konzept, die Regionen seien sehr
       abgelegen und die demografischen Daten daher möglicherweise unsauber.
       Außerdem vermarktet Dan Buettner seine Entdeckung mit Kochbüchern wie „The
       Blue Zones Kitchen“ und berät Städte dazu, was sie sich von den blauen
       Zonen abschauen können.
       
       ## Auch vor dem Späti geht Geselligkeit
       
       Aber in den Bergdörfern der Ogliastra beobachte ich genau die Merkmale, die
       Buettner als Blue-Zone-Faktoren identifiziert. Eine alte Frau im langen,
       schwarzen Rock und mit Kopftuch sitzt mit zwei Freundinnen oder Verwandten
       an einer Straßenecke, die noch von der Nachmittagssonne erleuchtet wird.
       
       Sie warten auf nichts, lassen die Zeit verstreichen, hin und wieder
       wechseln sie einen Satz. Jemand kommt vorbei, sie grüßen sich, kurzer
       Plausch, dann geht er in kleinen Schritten die steile Gasse weiter Richtung
       Berg. Auf dem Dorfplatz sitzt eine Gruppe alter Herren mit Schiebermützen.
       Sie treffen sich jeden Tag hier, lachen wahrscheinlich seit ihrer Jugend
       über die gleichen Sprüche.
       
       Buettner hat einige Merkmale identifiziert, die sich in den blauen Zonen
       gleichen. Da ist zum einen die Familie, die im Mittelpunkt des Lebens
       steht. Es wird nicht geraucht, die Nahrung ist pflanzenbasiert, es werden
       viele Hülsenfrüchte gegessen, keine verarbeiteten Tiefkühlmahlzeiten. Die
       Menschen bewegen sich, sie laufen oder fahren Rad, keine weiten Strecken –
       aber immer ein bisschen. Soziales Engagement spielt eine Rolle, eine aktive
       Gemeinschaft, auch der Glaube oder ein Sinn im Leben zählen.
       
       Zurück in Berlin sitzen wir vor einem [3][Spätkauf], zwei Freunde radeln
       spontan vorbei, wir umarmen uns, erzählen, was in den letzten zwei Wochen
       passiert ist. Die Nacht ist lauwarm, fast schon Dorfplatzidylle, denke ich.
       Das Meer bekomme ich nicht nach Berlin. Aber die sardische Lässigkeit und
       Geselligkeit vielleicht schon.
       
       14 Jun 2026
       
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