# taz.de -- Gaza im Jahr 2050: Trumps Riviera?
> Wovon träumt man, wenn 70 Prozent der Heimat in Trümmern liegen?
> Bewohnerinnen und Bewohner des Gazastreifens geben wenig hoffnungsvolle
> Antworten.
IMG Bild: Gärten auf jedem Dach: Gaza, wie seine Bewohnerinnen und Bewohner es sich erträumen
Seit meiner Kindheit habe ich von meiner Familie, die in einem kleinen Dorf
am Rande von Ramallah lebt, gehört, dass die Menschen im Gazastreifen dafür
bekannt sind, stur zu sein. Als ich für meine Recherche Gespräche mit
Leuten aus Gaza führte, hatte ich das Gefühl, dass dieses Bild kein weit
von der Wahrheit entferntes Klischee ist, sondern sehr real.
Stellen Sie sich vor, Sie fragen jemanden, dessen Haus zerstört wurde, der
einen Teil seiner Familie oder sogar seine gesamte Familie verloren hat,
der in einem Zelt lebt und auch seine Lebensgrundlage verloren hat, wie er
sich Gaza im Jahr 2050 vorstellt. Ein einziges Luftbild von Gaza nach zwei
Jahren Krieg reicht aus, um die Hoffnung zu verlieren, dass jemals wieder
eine Art von Normalität zurückkehren wird.
Aber genau daran glauben die Menschen, mit denen ich gesprochen habe. Sie
klammern sich geradezu an die Hoffnung auf ein besseres Leben. Donald
Trumps KI-generierte Vision von „einer Riviera des Nahen Ostens“ mit
Luxushotels und ganz viel glänzendem Gold hat dabei niemand im Sinn.
„Gaza wird sich schon aufgrund seiner Lage nicht verändern“, sagt mir Suhad
al-Rubaie, eine Bürgerin Gazas: „Gaza ist eine historische Stadt und eines
der wichtigsten Handelszentren der Region. Dass sie sich in eine
Touristenstadt oder ein Resort verwandeln wird, ist sehr schwer
vorstellbar. Die Menschen in Gaza werden diese Ideen nicht akzeptieren.“
Stur und entschieden, wie sollte es anders sein, ergänzt sie: „Wir sind an
das Meer, die Landwirtschaft und den Fischfang gewöhnt. Wir werden nicht
akzeptieren, dass uns jemand vorschreibt, wie wir zu leben haben. Gaza
lehnt jede Form der Besatzung ab. Wir streben danach, dass wir in Gaza
endlich wieder selbst über unser Schicksal entscheiden dürfen. Wir kennen
unseren Boden und unser Land am besten und sind am besten in der Lage, es
zu bewirtschaften.“
## Techniken wie vertikale Landwirtschaft sind unumgänglich
Auch die Agraringenieurin Safiya Abu Daqqa hat ihre eigene Sicht auf die
Zukunft von Gaza-Stadt: „Riviera? Nein. Realistischer ist eine
palästinensische Stadt, die ihre eigenen Lebensmittel mit modernen Methoden
herstellt und in der jeder Zentimeter Land für die landwirtschaftliche
Produktion genutzt wird.“ Vor dem Krieg, sagt sie, wäre damit bereits
begonnen worden. Jetzt, da alles zerstört und Wasser ohnehin knapp sei,
müsse man eben neu beginnen. Moderne Techniken wie vertikale
Landwirtschaft, Dachlandwirtschaft und intelligente Landwirtschaft sind für
die Agraringenieurin unumgänglich, wenn es darum geht, die Landwirtschaft
wieder aufzubauen.
Nelly Ismail, noch so eine sture Bürgerin aus Gaza, mit der ich gesprochen
habe, betont, dass es bis dahin ein weiter Weg sein wird. „Überall hier ist
der Boden durch Explosionen verseucht, den Boden von Chemikalien und
Kriegsrückständen zu reinigen, wird dauern.“
## Wie lange?
Mohammed Odeh, der Sprecher des Umweltministeriums in Gaza, sagt: „Wenn es
wirklich ernst gemeint ist, dass wir Gaza wiederaufbauen können, erwarten
wir, dass sich die Umwelt innerhalb von zehn Jahren erholt.“ Vorausgesetzt
natürlich, es gibt keinen Krieg.
Einig waren sich alle, mit denen ich in Gaza gesprochen habe, dass sich
Gaza nicht nach den Vorstellungen anderer umgestaltet lässt. Sie wollen die
Zukunft selbst in die Hand nehmen, ohne Wenn und Aber. Wie gesagt, die
Menschen in Gaza sind stur.
Wafa Arouri ist Journalistin bei der Arab Reporters for Investigative
Journalists (ARIJ). Preisgekrönte Journalistin mit mehr als zehn Jahren
Erfahrung als Reporterin und Redakteurin.
13 Jun 2026
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