# taz.de -- Rente mit 63 auf der Sparliste: Nicht alle können länger ackern
> Eine Abschaffung der Rente mit 63 würde Milliarden Euro sparen, sagt eine
> Studie. Der Schritt würde aber auch eine hässliche Umverteilung erzeugen.
IMG Bild: Ist sehr beliebt: die Rente mit 63
Wer wissen will, wie schwierig Spardebatten sind, muss sich nur die neueste
Lieferung zum Thema Rentenreform anschauen. Was hätte es für Folgen, würde
man die abschlagsfreie Rente für Versicherte, die 45 Arbeitsjahre auf dem
Buckel haben, abschaffen? Eine aktuelle [1][Studie] des Deutschen Instituts
für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung kommt zu
dem Schluss, dass der Staat damit pro Rentnerjahrgang langfristig rund 9,5
Milliarden Euro sparen könnte.
Durch den aufgeschobenen Renteneintritt stünde dem Arbeitsmarkt außerdem
ein Beschäftigungspotenzial von 125.000 Vollzeitkräften zusätzlich zur
Verfügung. Die Rente mit 63 „gehört auf den Prüfstand“, sagt André
Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung.
Bisher kann man nach 45 Versicherungsjahren bis zu zwei Jahre vor dem
regulären Rentenbeginn in Rente gehen, ohne dass bei der monatlichen
Rentenzahlung ein Abschlag fällig wird. Dies ist die „Altersrente für
besonders langjährig Versicherte“, umgangssprachlich auch „Rente mit 63“
genannt. Diese Rente wird derzeit von 30 Prozent der Neurentner:innen in
Anspruch genommen. Wer 35 Beitragsjahre vorweisen kann, darf ebenfalls
früher in den Ruhestand, muss dann aber Abschläge von 3,6 Prozent für jedes
Jahr vor dem regulären Rentenalter hinnehmen.
In der Studie gehen die Wissenschaftler:innen davon aus, dass ohne die
„Rente mit 63“ die Senior:innen ihren Ruhestand im Schnitt um zehn
Monate verschieben und anschließend in eine vorgezogene Rente mit
Abschlägen gehen würden. Dabei erstellte man eine Modellrechnung für den
Geburtsjahrgang 1957.
Die gesetzliche Rentenversicherung würde demnach pro Jahrgang 10,4
Milliarden Euro sparen, über die Jahre des Rentenbezugs gesehen. Da es
durch die niedrigeren Renten aber auch zu Mindereinnahmen bei den Beiträgen
für die Sozialkassen kommt, errechnen die Forscher:innen nur eine
Gesamteinsparung von 9,5 Milliarden Euro für die Staatskasse, die ja die
Rentenkasse bezuschusst.
## Forscher:innen räumen Nachteile ein
Die DIW-Forscher:innen räumen ein, dass es mit der Abschaffung der
abschlagsfreien vorgezogenen Altersrente zu einer „Umverteilung innerhalb
der Kohorten“ käme. Denn Personen mit „geringerer Arbeitsfähigkeit“ könnten
den Wegfall der Frührente nicht einfach durch längeres Arbeiten
kompensieren.
Die DIW-Forscher:innen weisen deshalb auf Differenzierungsmöglichkeiten
hin: So wäre es möglich, den Zugang zur abschlagsfreien frühen Altersrente
künftig auf Personen mit niedrigeren Einkommen zu beschränken. Das hat auch
der Sachverständigenrat, die „Wirtschaftsweisen“, [2][schon mal
vorschlagen.] Denkbar wäre auch, den Zugang explizit nur „Gruppen mit hoher
physischer oder psychischer Belastung“ zu ermöglichen, so die
DIW-Forscher:innen.
Die Probleme dieser Differenzierungen bestünden darin, dass etwa
Einkommensgrenzen zu „starken Sprungstellen“ führen und eine Abgrenzung
belasteter Berufsgruppen mit „erheblichem administrativem Aufwand“
einhergehen würde, räumen die Expert:innen ein. Sie sprechen sich daher
für eine Ausweitung des Grundrentenzuschlags aus, den langjährig
Versicherte mit geringen Einkommen bekommen. Dies könne die Rentenabschläge
nach einer Abschaffung der „Rente mit 63“ wenigstens „teilweise
kompensieren“, heißt es in der Studie.
In der aktuellen Rentenreformdebatte wird über eine Koppelung des
[3][Renteneintrittsalters] an die Zahl der Versicherungsjahre auch für die
Zukunft diskutiert. Die Frage ist aber, ob man als Referenz dann künftig
ein höheres reguläres Renteneintrittsalter nimmt und welche
Differenzierungen es für besonders Belastete geben könnte. Oder ob
überhaupt.
3 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/abschaffung-der-altersrente-fuer-besonders-langjaehrig-versicherte-wuerde-95-milliarden-euro-pro-jahrgang-sparen-und-125000-arbeitskraefte-erhalten
DIR [2] /Debatte-ueber-Altersvorsorge/!6132110
DIR [3] /Debatte-ueber-Rentenreform/!6136407
## AUTOREN
DIR Barbara Dribbusch
## TAGS
DIR Rente
DIR Haushalt
DIR Grundrente
DIR GNS
DIR Friedrich Merz
DIR Aktienrente
DIR Rente
DIR Kolumne übrigens
DIR Bärbel Bas
DIR Betriebsrente
DIR Rente
DIR Friedrich Merz
DIR Altersarmut
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Rentenreform und Lebensarbeitszeit: Ungerechtigkeiten verschärfen sich
Künftig sollen alle länger arbeiten. Dabei wäre es sinnvoller, das
Renteneintrittsalter an die Beitragslänge zu koppeln.
DIR Vorschläge der Rentenkommission: Aktienismus soll die Rente sichern
Erste Vorschläge der Rentenkommission deuten auf weitreichende Änderungen
im System hin. Manche Fragen bleiben allerdings offen.
DIR Vorschlag der Rentenkommission: Höhere Beiträge, länger malochen
Fünfeinhalb Monate hat die Rentenkommission verhandelt. Nun liegt ein
Vorschlag auf dem Tisch. Er sieht höhere Beiträge vor und anderes Ungemach.
DIR Rentenreform: Für Erfolge sind Strack-Zimmermann und Wadephul noch zu jung
Alle seriösen Ausbeutungsexperten sind sich einig: Die Rente ab 70 reicht
nicht aus für das Wachstum. Wir brauchen stattdessen die Arbeit ab 70.
DIR Zukunft der Altersvorsorge: Bas will Beamte zur Rentenkasse bitten
In Kürze stellt die Rentenkommission ihr Ergebnis vor. Arbeitsministerin
Bas will Beamte einbeziehen. Die JU will die Bafögreform zulasten von
Rentner*innen retten.
DIR Altersvorsorge in der Krise: Gewerkschaftsbund fordert Betriebsrente für alle
Spielte in der Debatte um die Rentenreform bislang keine große Rolle: die
Betriebsrente. Jetzt bringt der DGB eine Verpflichtung ins Gespräch.
DIR Höheres Rentenalter: Deutsche arbeiten schon heute länger und sterben früher
Neue Daten: Im Vergleich mit Nachbarn leben die Deutschen nach
Renteneintritt nicht mehr lange. Die Linke schlussfolgert: Bloß nicht noch
mehr ackern.
DIR Statistisches Bundesamt: Deutschland hat EU-weit die älteste Arbeitsbevölkerung
Die Gründe sind laut Statistischem Bundesamt unter anderem die Alterung der
Bevölkerung und das steigende Renteneintrittsalter.
DIR Generationengerechtigkeit bei der Rente: Vor dem großen Sprung
Die Rentenkommission hat sich formiert. Wird sie die Rente gerechter
machen? Was diesmal nicht reichen wird: noch eine Reform „mit Zeitzünder“.