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       # taz.de -- Musik der iranischen Diaspora in LA: Sehnsucht, Schmerz und Hoffnung auf den Neuanfang
       
       > Die Compilation „Tehrangeles Vice (Iranian Diaspora Pop 1983–1993)“ wirft
       > ein Schlaglicht auf den upliftenden Sound der iranischen Exilgemeinde von
       > Los Angeles.
       
   IMG Bild: Dubai, 17. März 2022: Googoosh-Fans in einem vollbesetzten Stadion, wo die Künstlerin auftritt
       
       Die Islamische Revolution und der Sturz des Schahs von Persien im Jahr 1979
       stellten einen radikalen Bruch im Leben der Menschen in Iran dar. Wer
       konnte, verließ das Land – vor allem viele Musikerinnen und Musiker flohen
       aus Iran. Viele von ihnen zog es an die Westküste der USA, vor allem in den
       Großraum Los Angeles.
       
       Dort entwickelte sich, während Iran unter dem Regime des Ayatollahs und
       Anfang der 1980er Jahre unter dem Ersten Golfkrieg ächzte, eine bis heute
       einzigartige Szene, die im Exil einen völlig neuen Sound kreierte. Diesem
       Sound ist nun, viele Jahre später, eine verdienstvolle Compilation mit
       insgesamt zwölf Songs gewidmet: „Tehrangeles Vice (Iranian Diaspora Pop
       1983–1993)“.
       
       Alle Songs klingen nach Heimat und Fremde zugleich: nach unbändiger
       Sehnsucht und Schmerz und einem hoffnungsvollen Neuanfang im Exil. Der
       Sound dieses Neuanfangs wird in den zehn Jahren, die die Compilation des in
       Los Angeles sitzenden Labels Discotchari abbildet, völlig neu gestaltet.
       
       Aber zunächst ein kurzer Rückblick – denn auch wenn es heute schier
       unvorstellbar scheint: Noch in den 1970er Jahren gab es in Iran unter dem
       repressiven Regime von Schah Reza Pahlavi eine blühende Musikszene.
       [1][Sängerinnen wie etwa Googoosh] wurden mit einem Sound aus Funk und
       Disco zu internationalen Stars. Mit der Revolution änderte sich das
       schnell. Als der Schah und dessen Monarchie 1979 gestürzt und vom streng
       religiösen Ayatollah Khomeini abgelöst worden war, verboten die neuen
       Machthaber westliche Rock- und Popmusik vollständig.
       
       ## Orchester aufgelöst, Musikschulen geschlossen
       
       Stattdessen wurde eine Rückbesinnung zur traditionellen persischen Musik
       propagiert, weibliche Stimmen waren fortan tabu: Frauen ist es seit 1979
       verboten, zu singen – und die, die es vorher getan hatten, wurden von den
       Regime-Schergen verhaftet oder mit lebenslangen Auftrittsverboten belegt.
       Aus der fundamentalistischen Sicht der neuen religiösen Staatsführung
       verleiten Frauen, die auf der Bühne stehen und singen, Männer zu sündhaften
       Blicken und Gedanken. Aber auch viele Orchester und Musikschulen wurden
       nach der Revolution in Iran aufgelöst und geschlossen.
       
       Zwar galt die Musik der in die USA emigrierten Künstler:innen in der
       alten Heimat als verboten und verrucht. Dennoch fanden ihre Songs den Weg
       zurück nach Iran, auf teils eigenhändig kopierten Kassetten. Auf dieselbe
       Art hatte der Ayatollah Ruhollah Chomeini noch vor der Revolution in den
       1970ern seine Botschaften aus dem französischen Exil heraus in Iran
       verteilt. [2][Doch die von Chomeini ausgelöste Islamische Revolution setzte
       der goldenen Ära des iranischen Pop kein Ende]. Sie verlagerte die Szene,
       die sich den Mund nicht verbieten lassen wollte, ins US-Exil.
       
       Und dort, im fernen Kalifornien, trifft der Sound armenischer, jüdischer,
       assyrischer und persischer Gemeinschaften aufeinander. All diese Einflüsse
       – und teilweise sogar lateinamerikanische Klänge, wie etwa im Lied
       „Ghesmat“ von Shahram Shabpareh und Shohreh Solati, verschmelzen zum
       besonderen Sound von „Tehrangeles Vice“: Da stehen klassische 80er-Jahre-
       und 90er-Jahre-Disco-Grooves neben breiten Synth-Flächen, experimentieren
       elektronische Beats mit traditionell klingenden persischen Balladen.
       
       Der Sampler deckt weitaus mehr ab als bloße Nachtclub-Vibes. Und auch die
       Musik, die aufs erste Hören in ihrer Disco-Manier vielleicht oberflächlich
       daherkommen mag, schabt weitaus tiefer als bloß an der Oberfläche. Hier
       lohnt sich auch ein Blick in das mehr als umfassende Booklet, das fast wie
       eine musikwissenschaftliche Einordnung der Tehrangeles-Szene daherkommt und
       die Songtexte in englischer Übersetzung liefert.
       
       ## Die Straße endet als Sackgasse
       
       Der Künstler Sattar zum Beispiel singt in „Khaak“ (Engl.: Homeland) von der
       Schwere des Lebens im Exil und der Suche nach einer neuen Heimat – verpackt
       in scheinbar super-fröhlich klingende Disco-Beats: „There where the soil
       was truly mine/You saw the road ended in a dead end/Here where I am, I have
       no peace/Again, I must pack for a journey. (…) Oh, what things I have
       lost/Their pain always remains in my heart“, so der Text. Auch viele
       Liebeslieder finden sich auf der Compilation, etwa „Man Va To“ (Englisch:
       Me and You) von Shahrok.
       
       Generell sprudelt der Diaspora-Sound vor Lebensfreude – auch wenn die
       Songtexte manchmal vom Gegenteil zeugen. Die Zusammenstellung der Musik
       zeigt aber genau damit, dass sich die aus Iran vertriebene Szene dieses
       nicht hat nehmen lassen: den engen Bezug zur Heimat, wenn auch aus der
       Ferne. Und den Willen, weiterzumachen, sich die Freude am Leben nicht
       nehmen zu lassen und vereint gegen das Grauen des Mullah-Regimes
       anzusingen.
       
       14 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Nikta Vahid-Moghtada
       
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