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       # taz.de -- Wirtschaft in Vietnam: Der Wirtschaftsfaktor im Ausland
       
       > Auslandsvietnames:innen sind für die autoritäre Regierung Hanois
       > ökonomisch bedeutsam. Nun will sie deren Wirtschaftskraft noch stärker
       > nutzen.
       
   IMG Bild: Im Berliner Dong-Xuan-Center werden gute Geschäfte gemacht
       
       Um mehr vietnamesische Produkte im Ausland absetzen zu können, will die
       Regierung in Hanoi Auslandsvietnamesen, ihre Firmen und Organisationen
       einspannen. Kürzlich hat Premierminister Pham Minh Chinh ein Dekret
       erlassen, nach dem Messen, Ausstellungen und Handelsnetzwerkveranstaltungen
       von Auslandsvietnamesen gefördert werden. Zudem will er sie ermutigen,
       Hanoi über Verbraucherpräferenzen und Umweltstandards im Ausland besser zu
       informieren.
       
       Seit rund zwei Jahrzehnten bauen vietnamesische Auslandsvertretungen in
       Ländern mit einer großen vietnamesischen Community Verbände auf, um diese
       enger an Vietnam, dessen Sprache, Kultur, aber auch dessen Politik zu
       binden, sowie ihren „Patriotismus und Nationalstolz“ zu fördern, wie es in
       offiziellen Dokumenten heißt. Krönung sind die jährlichen Weltkongresse der
       Auslandsvietnamesen – der nächste findet im August im Außenministerium in
       Hanoi statt.
       
       Das hatte ursprünglich vor allem politische Gründe: Wenn vietnamesische
       Politiker im Ausland zu Besuch waren, [1][war das oft mit regimekritischen
       Protesten verbunden, die der Hanoier Regierung gegenüber kritisch
       eingestellt waren]. Mit dem Aufbau von Organisationen von Anhängern der
       Regierung hoffte man auf andere Stimmen. Die kamen auch und wurden in den
       Staatsmedien hofiert.
       
       Zudem sind die Rücküberweisungen von Geldern von Auslandsvietnamesen ein
       enorm wichtiger Teil des Staatshaushaltes für Hanoi. 2025 machten diese
       Gelder immerhin 18 Milliarden US-Dollar aus – ein Allzeithoch. Das
       traditionell strukturschwache nördliche Zentralvietnam, das stark unter dem
       globalen Klimawandel leidet und aus dem besonders viele junge Leute von
       ihren Familien zum Geldverdienen ins Ausland geschickt werden, ist auf
       diese Gelder sogar angewiesen.
       
       ## Mit Druck und Appellen
       
       Mit Appellen in einem eigenen Fernsehsender für die nach vietnamesischen
       Angaben knapp sechs Millionen Auslandsvietnamesen, mit
       Community-Veranstaltungen mit Popstars und Wirtschaftsbossen aus Vietnam
       versucht Hanoi alles, damit die Gelder weiter fließen und
       Auslandsvietnamesen auch in Vietnam investieren.
       
       Ist ein vietnamesischer Politiker auf Staatsbesuch im Ausland, dann gehört
       ein Treffen mit Auslandsvietnamesen in der Regel zu den Programmpunkten. So
       lobte beispielsweise Staats- und Parteichef To Lam im Mai bei einem solchen
       Treffen anlässlich seines Staatsbesuches in den Philippinen
       Auslandsvietnamesen als wichtige „Botschafter für die Förderung“ der
       zwischenstaatlichen Zusammenarbeit.
       
       Auch in Deutschland gehören solche Treffen zum Standard, sie finden meist
       im Berliner Dong-Xuan-Center statt, das dann reichlich mit vietnamesischen
       Staatsflaggen geschmückt ist. Der Großmarkt – Dong-Xuan ist Vietnamesisch
       und heißt „Frühlingswiese“ – im Berliner Stadtteil Lichtenberg bietet seit
       2005 Waren und Dienstleistungen; [2][die Handelsbeziehungen der Händler aus
       Vietnam, Indien, China, der Türkei und Pakistan erstrecken sich auf ganz
       Europa]. Wenn Provinzpolitiker hierherkommen, treffen sie sich mit ihrer
       Landsmannschaft und werben für Investitionsmöglichkeiten in der Heimat.
       
       ## Nächstes Ziel ist Tee
       
       In Kanada, wo nach Angaben des dortigen vietnamesischen Außenhandelsbüros
       300.000 Vietnamesen leben (kanadische Staatsbürger mit vietnamesischen
       Wurzeln werden mitgezählt) setzt Vietnam vor allem auf Unterstützung von
       Auslandsvietnamesen bei dem Absatz von Lebensmitteln. Das Büro verfolgt
       nach eigenen Angaben das Ziel, sich durch Netzwerke von Auslandsvietnamesen
       in lokale Vertriebswege zu integrieren.
       
       Dadurch sei es beispielsweise gelungen, Fischsoße in das Sortiment von
       Supermarktketten aufzunehmen, heißt es beim Außenhandelsbüro. Das nächste
       Ziel sei Tee. „Vietnamesen nutzen und fördern vietnamesische Produkte“,
       appelliert das Büro. „Auslandsvietnamesen werden dazu aufgerufen, aktiv
       nach neuen vietnamesischen Produkten in ihrer Region zu suchen und
       Informationen darüber zu teilen“, denn das persönliche Gespräch sei
       manchmal effektiver als teure Werbekampagnen.
       
       Der Förderung des Vertriebs vietnamesischer Produkte im Ausland steht
       allerdings gegenüber, dass im Ausland ansässige Firmen nicht ohne Weiteres
       eine Genehmigung zum Export aus Vietnam erhalten. Dazu müssen sie entweder
       eine Tochterfirma in Vietnam gründen oder mit einem dortigen
       Außenhandelsunternehmen kooperieren. Diese Bürokratie dient vor allem der
       politischen Kontrolle.
       
       So ist der Export von knappen Gütern wie Marmor vor allem solchen
       Unternehmen vorbehalten, die der Hanoier Regierung politisch positiv
       gegenüberstehen. In den Auslandscommunitys wird fehlendes politisches
       Wohlgefallen und Kooperation mit Dissidenten auch mit dem Entzug von
       Exportgenehmigungen bestraft.
       
       23 Jun 2026
       
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