# taz.de -- Allianz der deutschen Häfen: Hafenwirtschaft macht sich kriegstüchtig
> Seit Jahrzehnten wird gefordert, den „ruinösen Konkurrenzkampf“ der
> deutschen Häfen zu stoppen. Jetzt tun sich führende Häfen zusammen – und
> wollen Geld.
IMG Bild: Fahrzeuge der Bundeswehr in Emden: Hafeninfrastruktur soll „als strategische Aufgabe von nationaler Bedeutung“ anerkannt werden
Sieben führende Seehäfen an Nord- und Ostsee sowie der weltgrößte
Binnenhafen Duisburg haben sich zur „Allianz Deutsche Häfen“
zusammengeschlossen. Von der Bundesregierung fordern sie nun, die
Hafeninfrastruktur „als strategische Aufgabe von nationaler Bedeutung“
anzuerkennen und nachhaltig zu stärken. Am Mittwoch findet [1][in der
Hamburger Landesvertretung zu Berlin die Auftaktveranstaltung] statt.
Ist das nun der Anfang zur schon lange geforderten engen Kooperation der
Häfen? Bereits vor zwei Jahrzehnten hatte die vom damaligen grünen
Bundesumweltminister Jürgen Trittin in Auftrag gegebene Studie
„Nachhaltigkeitsaspekte der nationalen Seehafenkonzeption“ nahegelegt, den
„ruinösen Konkurrenzkampf“ der Standorte zu stoppen. Bund und Küstenländer
sollten ihre Investitionen koordinieren und beispielsweise auf die damals
erst geplanten Vertiefungen von Elbe und Weser verzichten, hieß es in der
Studie.
Die Idee, Konkurrenz durch Kooperation zu ersetzen, ist in der
Länderpolitik sogar noch älter. Sie geht auf den niedersächsischen
Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel (SPD) und den aus Bremen stammenden
Trittin in den 90er Jahren zurück. Durch eine enge Zusammenarbeit sollte
der Konkurrenz in Antwerpen und Rotterdam das Wasser abgegraben werden. Als
„German Port“ sollte zukünftig der einzige deutsche Tiefwasserhafen, in
Wilhelmshaven, dienen. Dieser [2][ging dann zwar ab 2012 in Betrieb], doch
selbst zu einer engeren Zusammenarbeit der Seehäfen kam es nie.
Befürworter einer Hafenkooperation hatten damals weitere gewichtige
Argumente. Der Verzicht auf Fahrrinnenanpassungen in den Flüssen schütze
die Umwelt; Synergien zu realisieren, senke die Kosten und erhöhe die
Gewinnmargen der Hafenkonzerne. Und ein Bündnis erschwere den Reedereien
das Gegeneinander-Ausspielen der Häfen. Denn auf alle deutschen Häfen
könnten Hapag-Lloyd, Maersk und Cosco nicht verzichten – auch aufgrund der
günstigen Hinterlandanbindungen nach Osteuropa und Skandinavien sowie der
Metropolfunktion von Bremen und Hamburg.
## Militärische Mobilität und nationale Resilienz
Gegen eine wirkliche Partnerschaft oder gar einen Zusammenschluss sprachen
immer die Eigeninteressen der Länder und die der Hafenumschlagsunternehmen.
Ökonomen verweisen zudem darauf, dass Reedereien von ihren Kunden abhängig
seien, und die wollten keine Planwirtschaft, sondern Lieferungen möglichst
dicht vor die eigene Haustür.
Doch die Initiatoren der neuen Allianz scheinen ohnehin anderes im Sinn zu
haben. „Die internationale Lage ist geprägt von zunehmenden geopolitischen
Spannungen, fragilen Lieferketten, der Neuordnung globaler Handelsströme
sowie wachsenden sicherheits- und energiepolitischen Unsicherheiten“, heißt
es in der Ankündigung zum Gründungskongress in Berlin. Es gehe um die
Sicherung von Energie- und Rohstoffströmen, militärische Mobilität und
nationale Resilienz.
„Die Häfen übernehmen längst zentrale Aufgaben für Wirtschaft,
Energieversorgung und Sicherheit“, sagt Tino Klemm, Vorstand der
städtischen Hamburg Port Authority (HPA), stellvertretend für die
Mitglieder der Allianz. „Diese nationale Bedeutung muss sich auch in
verlässlichen politischen und finanziellen Rahmenbedingungen
widerspiegeln.“ Den Modernisierungsbedarf der öffentlichen
Hafeninfrastruktur beziffert die Allianz auf rund 15 Milliarden Euro –
bislang fehle eine nennenswerte Beteiligung des Bundes.
„Die sprichwörtliche Konkurrenz etwa zwischen Bremerhaven und Hamburg wird
mit der Allianz keineswegs beendet“, kritisiert der Bremer Ökonom Rudolf
Hickel. „Auch bleibt es bei der längerfristigen Bedrohung Hamburgs durch
den einzigen, direkt ansteuerbaren Tiefseewasserhafen in Wilhelmshaven.“
Schließlich sei die Abfertigung der Mega-Containerfrachter im
Jade-Weser-Port eigentlich ohne die 100 Kilometer lange Revierfahrt bis zu
den Umschlagsanlagen in Hamburg und ohne das tagtägliche Ausbaggern der
Elbe möglich.
Die Allianz dürfte den Häfen gegenüber dem Bund „sicherlich noch einmal
eine zusätzliche Verstärkung der Argumente bringen“, erwartet Professor
Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL)
in Bremen. Schließlich seien die Häfen „essenziell für Deutschland
insgesamt und nicht nur für die Küstenländer“.
## Allianz will Kuchen für die Hafenstandorte vergrößern
Dass es überhaupt zu einer Allianz kommt, führt Hickel, Gründer der
[3][Arbeitsgruppe „Alternative Wirtschaftspolitik“], auf den Konflikt um
die 1,35 Milliarden Euro zurück, die aus dem Rüstungsetat von
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in den Hafenausbau in
Bremerhaven fließen. [4][„Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein“, so
formulierte es Pistorius] im Herbst 2024.
Die Allianz wird nun versuchen, den zu verteilenden Kuchen für die
Hafenstandorte aus Bundesmitteln zu vergrößern – und dann unter den
Standorten zu verteilen. Das sollte Anlass für die Politik sein, die
historisch gewachsene Arbeitsteilung der Standorte zu hinterfragen.
9 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.hamburg-port-authority.de/de/aktuelles-presse/default-eaceb1e4bdc2ac8c3e286fcac1c0de2b-5
DIR [2] /Neuer-Seehafen-Wilhelmshaven/!5083571
DIR [3] https://www.alternative-wirtschaftspolitik.de/
DIR [4] /Militaer-im-Verkehr/!6112584
## AUTOREN
DIR Hermannus Pfeiffer
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