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       # taz.de -- Der bekannteste Umweltaktivist Iraks: Wird in Irak das Wasser so wertvoll wie heute das Öl?
       
       > Umweltexperte Jassim al-Asadi beschäftigt sich mit Sümpfen im Südirak. Er
       > weiß, was nötig ist, um sie zu retten: kluge Bewässerung und starke
       > Frauen.
       
   IMG Bild: Ein Mädchen in den Marschen
       
       In einem Schilfhaus, das nicht durch Türen, sondern durch Wasser geschützt
       war, wurde im Jahr 1956 der Umweltaktivist Jassim al-Asadi geboren. Er kam
       nicht in einem Krankenhaus oder auf einem Bett zur Welt, sondern in einem
       kleinen Boot, das durch die Sümpfe fuhr.
       
       Seine Mutter war im siebten Monat schwanger und sammelte Gras für die Kühe
       der Familie, als sie [1][mitten im Schilf] Wehen bekam. Sie setzte sich mit
       ihrer Freundin auf eine kleine schlammige Insel, bedeckte ihn mit Gras, um
       ihn vor dem Wind zu schützen, und brachte ihn dann nach Hause.
       
       Auf die Frage, woher sie dieses Kind habe, antwortete sie: „Ich habe ihn
       aus der Mitte der Sümpfe geholt.“
       
       ## Nur 10 Prozent der üblichen Wassermenge
       
       Omar Jassim al-Asadi ist heute 70 Jahre alt und einer der bekanntesten
       Umweltaktivisten Iraks. Aber heute sitzt er da und denkt nicht nur über die
       Gegenwart nach, sondern auch über die Zukunft und fragt sich, ob [2][das
       Sumpfgebiet], in dem er im Süden Iraks das Licht der Welt erblickte, im
       Jahr 2050 noch existieren wird.
       
       Er beginnt mit einer Warnung und spricht von dem Anstieg des Meeresspiegels
       im Golf von Basra während gleichzeitig die Wassermenge in Euphrat und
       Tigris dramatisch zurückgeht. Er erzählt vom Abu-Zark-Sumpf, der
       vollständig ausgetrocknet ist und in ein Wohngebiet umgewandelt wurde, von
       den Hawiza-Sümpfen, die durch Ölförderaktivitäten verdrängt werden.
       
       Aber Jassims Vision ist nicht nur eine düstere Prophezeiung. Er sagt, dass
       die Sümpfe im Jahr 2050 lebensfähig sein können, vorausgesetzt, Wasser
       werde endlich so wichtig wie Öl. Und ein modernes Wassermanagement, sagt
       er, brauche es genauso wie eine Umstellung der Landwirtschaft auf
       Tropfbewässerung.
       
       Schon heute, sagt er, gebe es in den westlichen Hammar-Sümpfen
       Bauernfamilien, die mithilfe von Tropfbewässerung Futtermais und Okra
       anbauten, mit nur 10 Prozent der üblichen Wassermenge hohe Erträge
       erzielten und ihre Ernte außerhalb der Saison zu hohen Preisen verkaufen
       könnten.
       
       Das, sagt er, sei die wahre Hoffnung. Und die Frauen, die natürlich auch.
       Mehr als 50 Prozent der Wirtschaft der Marschlandgebiete hängt von ihnen
       ab. Sie fischen, sie weben Matten, stellen Milchprodukte her. Jede Vision
       für das Leben im Jahr 2050, die Frauen nicht in den Mittelpunkt der Lösung
       stellt, sagt er, sei unvollständig.
       
       Als wir unser Gespräch beendet haben, trägt er ein Gedicht vor, das er vor
       vierzig Jahren geschrieben und zum ersten Mal auf einer Bühne aus Schilf
       vorgetragen hatte. In der Stimme des Mannes, der in einem Boot geboren
       wurde, leben die Sümpfe. Es braucht kein Wunder, damit sie überleben, es
       braucht nur kluge Entscheidungen.
       
       Asmaa AlShalaan ist Journalistin aus Dhi Qar, Irak.
       
       16 Jun 2026
       
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