# taz.de -- Neues Krankenkassengesetz: Tiefer in die Kasse greifen
> Am Freitag stellte Gesundheitsministerin Warken im Bundestag ihre Pläne
> zur Gesundheitsreform vor. Es hagelt Kritik der Opposition und im
> Bundesrat.
IMG Bild: Will, dass die Krankenkassenbeiträge nicht weiter steigen: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU)
„Sie haben sich grob verschätzt“, wirft Janosch Dahmen,
gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion,
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor, als er am Rednerpult
steht. Das Gesundheitsministerium sei im laufenden Jahr von unrealistisch
niedrigen Ausgaben ausgegangen. Trotz „verheerendem Kahlschlag“ ließen sich
Beitragserhöhungen jetzt nicht mehr verhindern, fürchtet Dahmen.
Das Gesundheitsministerium geht in diesem Jahr von 3,5 Milliarden Euro
[1][höheren Ausgaben] aus als bislang geplant. Damit ergibt sich im
nächsten Jahr – trotz Sparpaket – eine neue Finanzierungslücke von 2,5
Milliarden Euro.
Warken will das Gegenteil: Die Krankenkassenbeiträge sollen nicht weiter
steigen, dieses Ziel hat die Gesundheitsministerin ausgegeben. Am Freitag
stellte sie im Bundestag ihr „Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ vor, das
eigentlich noch vor der Sommerpause am 10. Juli durch das Parlament
gepeitscht werden soll.
## Tausende gingen auf die Straße
„Wir wollen die Bürger entlasten“, betont Ministerin Warken vor dem Plenum
im Reichstagsgebäude. Sie wolle Einnahmen und Ausgaben der Krankenkassen
wieder ins Gleichgewicht bringen. Damit wolle die Regierung verhindern,
dass die Beiträge immer weiter steigen.
„Glauben Sie wirklich, dass weniger Geld am Ende mehr Personal bedeutet?“,
fragt Stella Merendino (Die Linke), die selbst gelernte Gesundheits- und
Krankenpflegerin ist. Warkens Gesetz beruhe auf der Annahme, dass
Gesundheitsarbeiter:innen immer weiter belastet werden könnten.
„Diese Menschen können einfach nicht mehr, sie haben Grenzen“, sagt
Merendino. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass Tariferhöhungen
nicht mehr vollständig refinanziert werden können. Dagegen gingen bereits
diese Woche [2][Tausende auf die Straßen].
Nina Warken gibt selbstkritisch zu, es werde zu Recht angemahnt, dass der
Bund für die Krankenversicherung der Bürgergeldempfänger:innen
aufkommen soll. Die Krankenversicherung von
Bürgergeldempfänger:innen wird nicht aus Steuergeldern, sondern von
den Kassen finanziert.
## Kritik auch aus dem Bundesrat
Als Warken davon spricht, dass der Bund künftig seinen Anteil an den Kosten
um zunächst 250 Millionen Euro erhöhen wolle, wird es laut im Plenum.
Janosch Dahmen kritisiert, der Bund greife den Versicherungen mit zwei
Milliarden Euro, die gleichzeitig an Zuschüssen wegfallen, deutlich tiefer
in die Kasse.
Noch am selben Tag üben die Länder im Bundesrat, der zeitgleich tagt,
ebenfalls Fundamentalkritik an vielen zentralen Punkten von Warkens
Gesetzesentwurf. Der Bundesrat fordert die Regierung unter anderem dazu
auf, die Beiträge für die Empfänger:innen von Bürgergeld, künftig
wieder Grundsicherung, allein zu tragen. Krankenhäuser würden durch die
Sparmaßnahmen überproportional belastet, heißt es aus der Länderkammer.
Auch die pharmazeutische Industrie werde durch die Reform zu hoch belastet.
Die Bundesregierung kann sich nun zur Stellungnahme des Bundesrates
positionieren, bevor der Bundestag wieder am Zug ist. Schlussendlich
braucht das Gesetz aber auch die Zustimmung des Bundesrats.
12 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/gesetzliche-krankenkasse-reform-gesundheit-defizit-warken-100.html
DIR [2] /Proteste-gegen-Gesundheitsreform/!6186288
## AUTOREN
DIR Pascal Maier
## TAGS
DIR Bundestag
DIR Bundesrat
DIR Krankenkassen
DIR Sozialstaat
DIR Reden wir darüber
DIR Bundesministerium für Gesundheit
DIR Sparmaßnahmen
DIR Krankenkassen
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Proteste gegen Gesundheitsreform: Tausende protestieren gegen Kürzungen im Gesundheitswesen
Vor der Gesundheitsministerkonferenz in Hannover gibt es massive Proteste
gegen Warkens Reformpläne. Die Länder sind ebenfalls nicht begeistert.
DIR Sparmaßnahmen für Deutschland: Regierung beschließt Gesundheitsreform
Der Gesetzentwurf zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen hat die
erste große Hürde genommen. Die Versicherten sollen weniger belastet
werden.
DIR Teures Gesundheitssystem: Kampf um die Krankenkassen-Milliarden beginnt
Jetzt kommen die Maßnahmen auf den Tisch, die die Krankenkassen
stabilisieren sollen. Betroffen sind alle gesetzlich Versicherten und ihre
Arbeitgeber:innen.